Glücklich über den Andrang der Urlauber und Tagesausflügler ist Tourenanbieter Heiko Fröhlich. Hier stattet er seine Kundin Inca Schneider aus München vor einer Schlauchbootfahrt mit einer sicheren Ausrüstung aus.
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Glücklich über den Andrang der Urlauber und Tagesausflügler ist Tourenanbieter Heiko Fröhlich. Hier stattet er seine Kundin Inca Schneider aus München vor einer Schlauchbootfahrt mit einer sicheren Ausrüstung aus.

Getrübte Bilanz

Menschen nach Corona heiß auf Freizeit-Attraktionen - Betreiber hadern dennoch mit dem Sommer

  • Felicitas Bogner
    VonFelicitas Bogner
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Schlauchboot-Touren oder Sommerrodeln: Der Nachholbedarf ist groß - und entsprechend stark die Nachfrage bei den Anbietern von Freizeit-Attraktionen im Tölzer Land.

Bad Tölz-Wolfratshausen – Ob eine Schlauchboot-Tour auf der Isar, Klettern in luftigen Höhen oder auf einem Stand- Up-Paddle-Board über den Walchensee gleiten: Der Erlebnisdrang der Menschen ist im zweiten Coronasommer groß. Das bemerken die Freizeitanbieter aus dem südlichen Landkreis. Trotzdem ziehen nicht alle eine positive Bilanz. Das Wetter machte vielen einen Strich durch die Rechnung.

„Wir haben bei allen Angeboten am Blomberg eine passable Auslastung und sind sehr zufrieden über den guten Zulauf“, sagt der Geschäftsführer der Blombergbahn Hannes Zintel. Alle Freizeitangebote, die er am Blomberg bereit stellt, sind an der frischen Luft. Auch der Sessellift ist ein offener Zweisitzer. „Man merkt, dass den Leuten das nach wie vor wichtig ist und Angebote draußen auch sehr gut angenommen werden“, sagt Zintel. Der Nachteil sei jedoch, dass die Besucherzahlen dadurch stark wetterabhängig sind. „Das kennen wir aber. Wir hatten auch vor Corona schon Schwankungen in den Sommersaisons.“ Sehr hoch im Kurs stehe aktuell bei seinen Kunden der „Blomberg-Blitz“.

Auch am Blomberg merkt man: „Urlaub daheim“ liegt weiter im Trend

„Mit dem kann man auch bei Regen fahren. Das nutzen viele Touristen, bevor sie mit den Kindern auf dem Hotelzimmer hocken“, erklärt Zintel. Auch das Nachtrodeln laufe „besser als in den Vorjahren“. Immerhin verzeichnete Zintel nach eigenen Angaben an den vergangenen Wochenenden „jeden Samstag zwischen 100 und 150 Besucher dafür“. Dabei merke er, dass „Urlaub daheim“ nach wie vor sehr gefragt sei. „Viele der Gäste sind auch hier aus der Region“, so der Blomberg-Chef.

Ebenfalls vom Wetter abhängig ist das Geschäft von Thomas Senftiger. Er betreibt in Lenggries den Bikepark und bietet auch Bullcarts an. „Touristen sind genügend da, nur macht heuer das Wetter oft nicht so mit“, sagt Senftiger. Bei Regen müsse er aus Sicherheitsgründen den ganzen Park geschlossen lassen. „Wenn es trocken ist, sind wir sehr gut besucht – sowohl vom Stammkunden aus der Umgebung, als auch von Touristen.“

Für eine erfolgreiche SUP-Verleih-Saison am Walchensee gibt es zu wenige schöne Badetage

Ähnlich ist es Hans Hohenreiter, Inhaber des SUP-Verleih am Walchensee, in diesem Sommer bislang ergangen. „Die meisten Kunden, die ein Brett leihen, verbinden das natürlich mit einem Badetag“, sagt er. „Und davon gab es diesen Sommer wahrlich wenig.“ Sportler, die auch bei gemäßigten Temperaturen noch aufs SUP steigen, hätten ein eigenes Brett, stellt Hohenreiter fest. Doch auch bei gutem Wetter sei am Walchensee und bei seinem Verleih weniger los gewesen. „Der Sommer 2020 war eine Ausnahmesaison mit sehr vielen heißen Tagen und weniger Urlaubsmöglichkeiten im Ausland“, so Hohenreiter.

Mit dem SUP-Verleih erlebte Hans Hohenreiter vergangenes Jahr am Walchensee einen Höhenflug. Heuer geht es bei ihm deutlich ruhiger zu.

Einen „großen Erlebnis-Nachholbedarf“ stellt Heiko Fröhlich fest. „Wenn ein Angebot gerade ausgebucht ist, sind die meisten bereit, auf eine andere Aktivität aus dem Programm auszuweichen“, berichtet der Geschäftsführer des Tourenveranstalters „Montevia“ in Lenggries. „Hauptsache, sie erleben etwas.“ Generell würden sich die Urlauber vor allem für Aktivitäten am Wasser interessieren, etwa die Schlauchboot-Touren. Unter Fröhlichs aktuellen Kunden seien sowohl Urlauber, Tagesausflügler als auch viele Firmen. „Nachdem man sich wieder treffen kann, veranstalten viele Unternehmen nun Ausflüge, Tagungen oder andere Events“, sagt Fröhlich. „Manche Mitarbeiter haben sich in der Homeoffice-Zeit ja lange nicht gesehen oder kennen sich untereinander noch nicht einmal.“. „Montevia“ habe dafür ein mannigfaltiges Angebot. Am beliebtesten seien aktuell bei Firmen Nachhaltigkeitsevents. „Zum Beispiel Insektenhotel-Bauen oder Waldarbeit.“ Allgemein verteile „Montevia“ derzeit die angebotenen Aktivitäten auf mehr verschiedene Termine als früher. „So können wir die Gruppen – mit Blick auf die Coronalage – kleiner halten.“

Für den Hochseilgarten am Brauneck war die Saisonplanung zu unsicher

Wer sein beliebtes Freizeitangebot trotz der Corona-Lockerungen diesen Sommer nicht in alter Manier geöffnet hat, ist der Betreiber des „Hochseilgarten Isarwinkel“ in Lenggries, Axel Berger. Große Investitionen für den Kletterturm der Anlage, der bereits 14 Jahre alt ist, stünden an. „Das hätte ich im April entscheiden und dann auch zeitnah bezahlen müssen.“ Laut Berger kostet die Turmsicherung mit den dafür notwendigen Totholzprüfungen zwischen 15.000 und 20.000 Euro. „Im Frühjahr war aber noch total ungewiss, was im Sommer coronabedingt erlaubt ist. Daher wollte ich kein Risikogeschäft eingehen“, erklärt Berger auf Nachfrage. Also entschied er sich dafür, die Klettergaudi ausfallen zu lassen und stattdessen Kulturformate, wie etwa seine neue Märchenshow (wir berichteten) auf dem Gelände anzubieten.

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