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Landwirtschaftsminister Helmut Brunner bei seiner Rede im Alpenfestsaal. 

CSU-Neujahrsempfang in Lenggries:

Klares Bekenntnis zur heimischen Landwirtschaft

Lenggries - Minister Helmut Brunner spricht beim CSU-Neujahrsempfang in Lenggries über Milchpreiskrise, Förderprogramme und Produktvermarktung - und macht sich für die Almwirtschaft stark.

Lenggries Es gibt kaum einen Berufsstand, der sich so viel „dreinreden“ lassen muss wie die Landwirtschaft – trotz jahrhundertealter Kenntnisse und moderner Forschung. Und warum ist das so? Landwirtschaft ist „outdoor“, und deshalb für jeden sichtbar, stellte Sepp Wasensteiner, seit kurzem Bauernverbands-Referent im Ruhestand und Mitglied des Lenggrieser CSU-Ortsverbands, bei dessen Neujahrsempfang fest. Oder, wie es die Ortsvorsitzende Christine Rinner formulierte: „Landwirtschaft ist öffentlich. Wenn die Bauern odeln, dann stinkt’s, und wenn sie ihr Vieh austreiben, behindern sie den Verkehr.“

Wie aber soll Landwirtschaft bestehen, „wenn die Menschen einerseits hochqualitative und gesunde Nahrungsmittel haben wollen, andererseits aber im Supermarkt zum billigsten Produkt greifen?“ Die aktuelle Situation und Problematik politisch aufzuschlüsseln oblag dem Ehrengast des Abends, Landwirtschaftsminister Helmut Brunner. Erstes Thema war die drastische Milchpreiskrise der jüngsten Vergangenheit. Das einige Zeit propagierte Motto „Wachsen oder Weichen“ habe nie richtig sein können, die Größe eines Betriebs sei nicht die Lösung des Einkommens-Problems, so Brunner. So hätten etwa im deutschen Osten 2016 zehn Prozent der „Zukunftsbetriebe“ mit Beständen von je 500 bis 800 Kühen ihre Tore zugesperrt. Bayern habe im selben Zeitraum mit einem Strukturwandel von 1,2 Prozent deutschlandweit die wenigsten Betriebsaufgaben. „Viele unserer Bauern haben erkannt, dass ein Wachsen in verschiedene Richtungen, sprich verschiedene Standbeine, mehr Existenzsicherheit bieten.“

Die Landespolitik sei außerdem daran interessiert, landwirtschaftliche Produktion flächendeckend beizubehalten. „Denn was würde es kosten, wenn all die kleinstrukturierten Flächen von den kommunalen Bauhöfen gepflegt werden müssten?“

Die Landwirtschaft diene mit gesellschaftlichen Leistungen, Förderprogramme seien deshalb berechtigt und keine Almosen. Um dafür das Verständnis der Bürger zu gewinnen, brauche es Bemühungen: Aktionen, wie sie etwa der Bauernverband durchführe, um mit dem Verbraucher ins Gespräch zu kommen, Fragen zu beantworten, Vorurteile abzubauen und nostalgische Vorstellungen auszuräumen. „Denn selbstverständlich schreiten auch in der Landwirtschaft Technisierung und Mechanisierung voran“, so Brunner.

Bayern setze weiterhin auf die Förderung der Almwirtschaft, auf das Kulturlandschaftsprogramm sowie auf Beratung und Forschung. Zudem habe man ein eigenes Programm für Investitionsförderung speziell für kleinere Betriebe aufgelegt. Gut angelaufen sei auch die heimische Eiweißstrategie, die den Import von Soja-Futtermitteln in die Schranken weisen soll, die meist mit gentechnisch veränderten Organismen verseucht seien. Den Lebensmittelkonzernen, die eine Abschaffung der Anbindehaltung fordern, müsse klar sein, dass sie sich damit zum Totengräber der kleinen regionalen Betriebe machen. Für die Produktvermarktung heiße es in Zukunft, Nischen zu finden, Veredelungsgrade zu erhöhen und damit die „Marke Bayern“ zu etablieren.

Nicht nur die Weltmärkte, sondern auch die eigenen Bürger müssten die Erzeugnisse wieder besser schätzen. Diesbezüglich habe man vor allem die Kinder im Visier: „Wir schulen Bäuerinnen, die Schulklassen durch ihre Höfe führen.“ Jedes Schulkind solle mindestens einmal einen Tag auf einem Bauernhof miterlebt haben. Nicht zuletzt, unterstrich Brunner, sei der Bauernstand ein sozialer und stabilisierender Faktor in der Gesellschaft. „Wir machen also nicht nur Politik für eine Branche, sondern für die ganze Gesellschaft.“ 

  Rosi Bauer

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