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„Man muss keine Angst haben“: Franziska Wanninger überzeugt mit ihrer Vorpremiere das KKK-Publikum. 

Im „KKK“

Mit Herz und großer „Schnadern“

Bei der Vorpremiere von Franziska Wanningers neuem Programm „Furchtlos glücklich“ amüsieren sich die Zuschauer in Lenggries.

Lenggries „Furchtlos glücklich“ war die Kabarettistin Franziska Wanninger nach ihrem Auftritt am Freitag im Lenggrieser „KKK“: Es war die allererste Vorpremiere ihres neuen, gleichnamigen Programms, das sie auf der Bühne in der Kaminstuben des Brauneck-Hotels gespielt hat. Diese erste Hürde bis zur Premiere am 17. November im Münchner Schlachthof hat sie schon mal souverän gemeistert. Die Gäste haben sich prächtig amüsiert.

Das Lenggrieser Publikum hatte an diesem Abend eine verantwortungsvolle Aufgabe: Gute Zuschauer zu sein, die mitgehen und durch ihre Resonanz zeigen, wo der Gag passt – und wo eventuell noch etwas gefeilt werden muss.

„Das ist lebenswichtig für uns Kabarettisten“ sagt Franziska Wanninger. Bis zwei Uhr morgens hat sie noch Passagen umgeschrieben, gestand sie, nachdem der Applaus für die Zugabe verebbt war, „in der Nacht hat man immer die besten Ideen“.

Dass derart frischer Text noch hie und da abgelesen werden musste, hat dem Programmdebüt keinen Abbruch getan. Wanninger war gut drauf und offensiv und bezog das Publikum immer wieder mit ein. Etliche Charakterköpfe ließ sie Revue passieren auf ihrer Suche nach dem Glück, und jedem verpasste sie einen eigenen Dialekt und Duktus. Es gab unter anderem die nordisch-herbe Leiterin des „Furchtlos glücklich“-Seminars, der hyperaktive Manager salbaderte im Wiener Schmäh, Cousine „Chrischta“ schwäbelte vor sich hin, und auch die russische Putzfrau „Lady Gaga“ gab ihre Weisheiten zum Besten. Dazwischen immer Franziska Wanninger als ihr quirliges Bühnen Alter Ego, das von der frisch entbrannten Liebe zum Mann ihres Herzens und ihrer Wurzelkanäle erzählt: ihrem Zahnarzt. „Der Einzige, der mich kennt, wenn ich nicht spreche.“

Doch sie hat Angst, sich zu offenbaren, denn mit 35 greift allmählich die Torschlusspanik und sie will ihn schließlich nicht wegbeißen. Es geht also um Ängste und die Liebe und das Glück und den manchmal steinigen Weg dorthin. Lustig und lebensklug verflechtet sie die allzu menschlichen Stolperer, vor denen keiner gefeit ist und mit denen man zielsicher im Fettnapf landen kann oder sich eine peinliche Situation ganz prima auch allein bastelt. Es ist immer wieder auch nachdenklich, was sie zu diesen Themen zu sagen hat, doch sie verpackt es auf gut bayerisch mit Herz und großer „Schnadern“ in – manchmal noch – Vorpremieren-holprigen (dafür umso charmanteren) Szenen und in Liedern, zu denen sie sich auch zwischendurch selbst auf der Gitarre begleitet.

Alltagshelden seien es, die ihr Respekt abringen und nicht Leute, die Angst vor Veränderung haben und man sollte sich deshalb nur nicht Superman als Vorbild nehmen. „Der hat seit achtzig Jahren denselben Anzug an.“ Vielmehr solle man die oft falsche Höflichkeit weglassen. Mit diesem Ansinnen macht sie auch nicht vor den Helden ihrer Kindheit halt und singt a la Pippi Langstrumpf: „Zwei mal drei ist vier, widewidewitt ich kann nicht rechnen“ oder stellt Überlegungen an, was wohl passiert wäre, wenn das tapfere Schneiderlein unter Panikattacken gelitten hätte.

Wanninger kann laut sein und leise, richtig gschert und dann wieder ganz sanftmütig und bei all dem zeigt sie überbordende Bühnenpräsenz, der auch die – von ihr selbst propagierte – Nervosität vor diesem allerersten Herzeigen des neuen Programms nichts anhaben konnte. Man muss keine Angst haben, so ihr Credo, solange man sich traut, man selbst zu sein. Ein schönes Motto und ein stimmiger Schluss für einen stimmigen Abend. Ines Gokus

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