Helfer vor Ort: Ein Mitglied der Hubschrauberbesatzung und der Bergwacht Lenggries versorgen den Gleitschirmflieger.
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Helfer vor Ort: Ein Mitglied der Hubschrauberbesatzung und der Bergwacht Lenggries versorgen den Gleitschirmflieger.

Oberhalb der Quengeralm

Nach 70-Meter-Sturz am Brauneck: Gleitschirmflieger nur leicht verletzt

  • Silke Scheder
    vonSilke Scheder
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Es ist fast ein kleines Wunder: Ein Tölzer ist am Brauneck mit seinem Gleitschirm 70 Meter in die Tiefe gestürzt. Trotzdem verletzte sich der 53-Jährige nur leicht. Es war nicht der einzige Einsatz am Mittwoch für die Bergwacht.

Lenggries – Erneut ist am Mittwoch ein Gleitschirmflieger am Brauneck in Not geraten. Der Tölzer (53) stürzte rund 70 Meter ab. Erst am Dienstag war unterhalb der Streidlalm eine Frau mit ihrem Schirm in einem Baum hängen geblieben (wir berichteten).

Der Unfall am Mittwoch ereignete sich nach Angaben der Bergwacht Lenggries gegen 13 Uhr oberhalb der Quengeralm. Dort musste der Gleitschirmflieger sogenannten Sprengseilen ausweichen. Damit werden bei kritischen Schneelagen die Sprengsätze für die Lawinensprengungen an die richtige Stelle gebracht, heißt es in einer Pressemitteilung der Bergwacht Lenggries. Bei dem Ausweichmanöver berührte der Gleitschirmflieger die Seile mit seinem Fluggerät. „Dem Mann war es danach unmöglich, seinen Schirm wieder unter Kontrolle zu bringen, und er stürzte zirka 70 Meter über felsdurchsetztes Gelände ab“, teilt Bergwachtsprecherin Lina Feile mit. Am Fuß einer Felswand kam er zum Liegen. Gleich mehrere Augenzeugen setzten einen Notruf ab.

Auf drei Wegen zu dem Verletzten

Drei ehrenamtliche Mitglieder der Lenggrieser Bergretter brachen Feile zufolge auf unterschiedlichen Wegen zum Patienten auf: Einer flog mit dem Rettungshubschrauber Christoph Murnau zu der Unfallstelle. Ein weiterer Bergretter fuhr mit dem Skidoo über die Piste hoch bis knapp unterhalb des Wandfußes. Von dort aus ging er zu Fuß weiter. Der Dritte stieg den Grad des Latschenkopfes auf, um dann zum Patienten abzusteigen. Überraschenderweise fanden die Retter den Tölzer mit nur leichten Verletzungen vor. „Die Rücken- und Seitenprotektoren seines Gurtzeugs haben ihn vor Schlimmerem bewahrt“, vermutet Sepp Bermayr. Den Ehrenamtlichen gelang es, den 53-Jährigen vor einem weiteren Absturz zu sichern und in einen Luftrettungssack zu verpacken. „Da eine Windenbergung so nah an der Felswand unmöglich war, wurde der Gleitschirmflieger noch zirka 30 Meter zu einem geeigneteren Platz abgeseilt“, heißt es in der Pressemitteilung. Dort konnte ihn der Helikopter aufnehmen und in die Unfallklinik nach Murnau fliegen.

Zweiter Einsatz für die Bergwacht kurz danach

Ein weiterer Einsatz ereignete sich direkt im Anschluss. Eine französischsprachige Schneeschuhwanderin war am Geierstein unterwegs, als sie den Notruf wählte. „Sie traute es sich nicht mehr zu, den Heimweg alleine anzutreten“, teilt Lina Feile mit. Da die Koordinaten, die die Bergwacht von der Leitstelle bekommen hatte, nicht auszuwerten waren, wurde ein Polizeihubschrauber zu einem Suchflug alarmiert. Einer der beiden Bergretter wurde nach längerer Suche von dem Helikopter abgesetzt und nahm nach ein paar Minuten Rufkontakt zur Patientin auf. Gemeinsam mit einem anderen Bergretter konnte die Frau zu einem Platz gebracht werden, wo der Hubschrauber sie mit der Winde aufnehmen konnte. Im Tal angekommen, konnte die Frau den Heimweg alleine antreten.

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