Amtsgericht

Nach Schlägerei: „Eine Tat gibt’s, Beweise haben wir nicht“

Ein Rentner (66) wurde auf dem Lenggrieser Volksfest vor einem Jahr schwer verletzt. Nun sprach das Wolfratshauser Amtsgericht zwei Angeklagte aus Mangel an Beweisen frei.

Lenggries/Wolfratshausen – Sehr schmerzhaft endete für einen Rentner (66) im vergangenen Jahr der Besuch auf dem Lenggrieser Volksfest. Beim Verlassen des Festplatzes gegen vier Uhr in der Früh soll der Mann zusammengeschlagen worden sein. Er zog sich eine Gehirnerschütterung und eine Platzwunde zu, brach sich das Jochbein, das in einer vierstündigen Gesichtsoperation gerichtet werden musste. Die Staatsanwaltschaft machte dafür zwei Lenggrieser, 24 und 34 Jahre alt, verantwortlich. Der Ältere soll zugeschlagen, der Jüngere ihn dazu angestiftet haben. Beide Angeklagten wurden freigesprochen.

„Eine Tat gibt’s, ein Motiv gibt’s, Beweise haben wir nicht“, musste der Staatsanwalt am Ende der Beweisaufnahme eingestehen. Die Männer auf der Anklagebank schwiegen zu den Vorwürfen, was ihr gutes Recht ist.

So musste sich das Gericht anhand von Zeugenaussagen und den Erinnerungen des Geschädigten ein Urteil bilden. Beides gestaltete sich schwierig. Eine Serviererin (25) war, als sie in der Nacht heimfahren wollte, durch Geschrei auf einen Tumult aufmerksam geworden. „Einer lag am Boden, einer stand breitbeinig drüber“, schilderte sie ihre Beobachtungen. Sie habe geschrien: „Hey stopp.“ Weil das nichts bewirkte, sei sie ausgestiegen und hinüber gelaufen. „Da waren die Leute auseinander“, so die Zeugin. Die durch ihr Rufen herbeigeeilten Securitys hatten die davoneilenden Männer verfolgt. „Zwei waren am Tumult beteiligt“, beteuerte die junge Frau. Genauer beschreiben konnte sie keinen von ihnen. Sie erinnerte sich lediglich an „a g’standnes bayerisches Mannsbild“. Als solche dürfen sich – zumal in Tracht – beide Angeklagten fühlen.

Auch nach den Aussagen eines weiteren Zeugen, der erst hinzukam, als der Mann schon am Boden lag („Es waren nur noch wenige Schnapsleichen auf dem Gelände“), sowie des Geschädigten selbst blieb das Puzzle des Geschehens sehr lückenhaft. Er sei an jenem Tag zweimal auf dem Volksfest gewesen, sagte der Rentner. Anhand der später noch vorhandenen Biermarken konnte er rekonstruieren, dass er drei bis vier Maß getrunken haben muss – „und mindestens zehn Stamperl, alles durcheinander“, berichtete er. Beim Verlassen des Festzeltes habe jemand rumgeplärrt. „Ich drehte mich dahin um und wurde niedergeschlagen, habe eine Faust – oder einen Knüppel oder einen Stein – ins Gesicht bekommen“, erzählte er weiter. „Dann weiß ich nichts mehr.“ Er sei erst am frühen Nachmittag im Krankenhaus in Bad Tölz wieder aufgewacht.

„Alle haben dem Alkohol gehörig zugesprochen, ob es aber eine Auseinandersetzung gab, wissen wir nicht“, stellte Richter Berger abschließend fest. „Das reicht bei weitem nicht für eine Verurteilung.“

Rudi Stallein

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