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Haupteigentümer der Immobilie am Lenggrieser Bergweg ist nun eine  luxemburgische Gesellschaft.

Immobiliendeal in Lenggries

Nach Verkauf der Fachklinik: Das ist der neue Eigentümer

Lenggries - Wer steckt hinter der Gesellschaft, die die Lenggrieser Fachklinik gekauft hat? Die Antwort dürfte viele überraschen. Der neue Haupteigentümer der Liegenschaft am Bergweg 21 ist ein alter Bekannter. 

Tatsächlich ist der neue Haupteigentümer Action Sports. Der Aktiengesellschaft gehörte vormals ein Großteil des Lenggrieser Kasernenareals, das sie 2015 schließlich an die Gemeinde verkaufte. 

Schon seit der Bekanntgabe, dass Asklepios die Fachklinik verkauft hat, war gerätselt worden, wer hinter der neuen Eigentümerin, der Bergweg 21 Immo GmbH & Co. KG, steckt. Geschäftsführer Dr. Christoph Hertwig hatte sich vergangenen Woche noch bedeckt gehalten. Hinter der Projektgesellschaft würden zwei Investoren stecken, einer aus der Region und ein auswärtiger. Bei Ersterem handelt es sich offenbar um Hertwig selbst, wie ein Blick ins Handelsregister verrät. Eine KG besteht immer aus einem Kommanditisten und einem Komplementär. Letzterer ist die Hertwig Real Estate GmbH, deren einziger Gesellschafter der Lenggrieser Immobilienfachmann ist. Er sei in geringem Umfang an der Projektgesellschaft beteiligt, bestätigt Hertwig auf Anfrage.

Interessanter ist aber sicherlich der andere Partner der KG: die Aktiengesellschaft Action Sports mit Sitz in Luxemburg. Genau sie – damals noch unter dem Namen Arcavest – hatte 2009 einen Großteil des ehemaligen Lenggrieser Kasernenareals von der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben erworben: Über den Kopf der Gemeinde hinweg und für einen überaus geringen Betrag. 16 Hektar Grund, auf denen unter anderem die vier großen Unterkunftsgebäude stehen, wechselten damals für gerade einmal 154 000 Euro den Besitzer. In den Jahren danach gab es große Pläne: Camp Woodward Europe – ein Jugendcamp für Trendsportarten nach amerikanischem Vorbild – sollte dort eingerichtet werden und den Tourismusstandort bereichern. Der amerikanische Woodward-Gründer Gary Ream stellte das Projekt in Lenggries vor, Pläne wurden geschmiedet, letztlich aber nie verwirklicht. Vor gut einem Jahr verkaufte Action Sports große Teile der Kaserne schließlich an die Gemeinde – für knapp fünf Millionen Euro.

Mit der Vermarktung der Liegenschaft und dann auch mit den Verhandlungen über den Verkauf hatte die Luxemburger Gesellschaft seinerzeit Hertwig beauftragt. Heute habe Action Sports allerdings nicht mehr dieselben Gesellschafter wie damals. „Das ist eine komplett andere Konstellation“, sagt der Lenggrieser.

Für Misstrauen gegenüber dem neuen Haupteigentümer sieht Hertwig keinen Grund. „Der Bebauungsplan ist bekannt – und wir streben eine künftige Nutzung genau in diesem Rahmen an. Hoffentlich so, dass Arbeitsplätze erhalten bleiben“, erklärt er. Eine Wohnbebauung komme dementsprechend nicht in Frage. „Es ist unwahrscheinlich, dass es wieder eine geriatrische Rehaklinik wird, aber wir denken an etwas im Bereich Klinik oder Pflege: Das ist es, was der Bebauungsplan vorsieht.“ Zunächst einmal wolle er sich mit der Gemeinde abstimmen und dort erfragen, wofür hier ein Bedarf gesehen wird.

Bei Bürgermeister Werner Weindl hält sich die Begeisterung über den neuen Haupteigentümer in sehr engen Grenzen. „Ich bin begeistert“, sagt er, meint aber genau das Gegenteil. Die hochfliegenden Planungen für das Kasernenareal seien mit ziemlich viel „Zinnober“ verbunden gewesen, erinnert sich der Rathauschef. Beispielsweise habe Action Sports einen immensen Zeitdruck auf die Gemeinde im Planungsverfahren aufgebaut, nur um am Ende nichts davon umzusetzen. Die Verkaufsverhandlungen unter der Federführung von Hertwig seien dann aber sehr konstruktiv abgelaufen. „Er hat uns in diesem Zusammenhang sehr geholfen“, wird Weindl versöhnlicher.

Am kommenden Montag, 23. Januar, steht das Thema Fachklinik auf der Sitzung des Gemeinderats. Konkret geht es Weindl darum, den Räten zu erläutern, was baurechtlich auf dem Areal am Bergweg 21 möglich wäre und was nicht. Beginn ist um 18 Uhr im Rathaus. Die Sitzung ist öffentlich. Zuhörer sind willkommen.

Andreas Steppan und Veronika Ahn-Tauchnitz

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