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Von außen sieht die Heizzentrale wie ein Lagerhaus aus. Das Gebäude reicht etwa fünf Meter weit in die Tiefe.

Millionenprojekt

Nahwärmenetz in Lenggries kurz vor Fertigstellung: Bald geht‘s heiß her

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Der Bau des Nahwärmenetzes in Lenggries ist fast abgeschlossen. „Noch zwei bis drei Wochen“, schätzt Martin Sappl, dann könnten die Leitungen zum ersten Mal gefüllt werden.

Lenggries–  Rund 3,5 Millionen Euro wird die Gemeinde am Ende investiert haben. Herzstück des Nahwärmenetzes ist die Heizzentrale an der Schule.

Von außen sieht das Ganze aus wie ein einfaches Lagerhaus. Doch im Inneren des Gebäudes, das rund fünf Meter tief in den Boden reicht, verbirgt sich einiges an Technik. Im vorderen Bereich steht das gasbetriebene Blockheizkraftwerk (BHKW), das bereits seit Jahren den Schul-/Hallenbad-Komplex mit Wärme und Strom versorgt. „Es wurde jetzt modernisiert und mit einem effizienteren Motor versehen“, erklärt Sappl. 

Ans Nahwärmenetz in Lenggries werden Schule, Isarwelle, Rathaus und mehr angeschlossen

Das BHKW wird künftig auch die Grundlast decken. In den Sommermonaten werde es vermutlich ausreichen, um alle am Nahwärmenetz angeschlossenen gemeindlichen Liegenschaften zu versorgen. Neben Schule und Isarwelle sind das das Rathaus, die Gäste-Info, das ehemalige Posthotel, das die Gemeinde gerade zu Kindergarten, Mehrzwecksaal, Büros und Wohnungen umbaut, die Bücherei und der Alpenfestsaal. Sobald es kälter wird und die Heizungen in den Gebäuden aufgedreht werden, springt die neue Hackschnitzelheizung an. 750 Kilowatt Leistung hat der Kessel. Für die kältesten Tage im Jahr oder falls einmal ein Defekt auftritt, hat die Gemeinde noch zwei Gaskessel mit jeweils 1000 Kilowatt Leistung in der Hinterhand, die zugeschaltet werden könnten, erklärt Sappl.

Nahwärmenetz wird mit 30.000 Liter Wasser gefüllt

Das unterirdische Biomasselager befindet sich im Außenbereich des Gebäudes. 160 Schüttraummeter Hackschnitzel finden dort Platz. Eltern, die sich darüber Sorgen machen, dass beständig Lastwagen Nachschub auf dem Weg an der Schule vorbeifahren müssen, beruhigt Sappl. „In den kältesten Monaten sind elf Lieferungen pro Monat vorgesehen.“ Die Hackschnitzelgrube ist nur geöffnet, wenn Brennstoff angeliefert wird. Zudem ist sie mit Geländern und einer Absturzsicherung versehen.

Der Hackschnitzelkessel (Bildmitte) hat eine Leistung von 750 Kilowatt.

Mittels Schubböden werden die Hackschnitzel – ausschließlich aus unbehandeltem Holz – aus dem Bunker auf den Trogkettenförderer verfrachtet. Der wiederum transportiert den Brennstoff in den Kessel. Einiges an Platz braucht auch der Pufferspeicher, der 30.000 Liter gefiltertes, warmes Wasser speichern kann, mit dem das Nahwärmenetz gefüllt wird.

Bauarbeiten für Nahwärmenetz sorgten im Sommer für Verkehrsbehinderungen in Lenggries

Direkt neben dem Kessel steht noch eine Filteranlage für die Abgase. Sie sorgt dafür, dass möglichst kein Feinstaub nach außen geblasen wird. Kümmern wird sich um die Anlage der Hausmeister der Schule. „Er geht im Moment einmal am Tag durch und schaut, dass alles in Ordnung ist“, erklärt Sappl. Störmeldungen würden aber auch an verschiedene Handys weitergeleitet.

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Die Bauarbeiten für das Nahwärmenetz sorgten über den Sommer für einige Behinderungen im Dorf. Vor allem der Bau im unteren Teil der Geiersteinstraße – dort musste der Dorfbach gequert werden – war knifflig. Derzeit kommt es noch auf der Schützenstraße zu Einschränkungen.

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Für die Zukunft ist es übrigens denkbar, dass noch weitere Liegenschaften angeschlossen werden. Die Sparkasse beispielsweise könnte anschließen. „Der Abzweiger könnte irgendwann auch genutzt werden, um das Haus der Senioren anzuschließen“, sagt Sappl. Ein weiterer Abzweiger wurde Richtung Kindergarten gelegt.

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Die rund 3,5 Millionen Euro teure Investition in erneuerbare Energien muss die Gemeinde nicht alleine schultern. Aus dem Europäischen Fonds für regionale Entwicklung darf Lenggries auf eine Förderung in Höhe von 60 Prozent (10 Prozent vom Freistaat, 50 Prozent von der EU) der förderfähigen Kosten hoffen.

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