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Zahncreme selbst gemacht: Maxi (li.) und sein Bruder Simon (2. v. li.) löffeln am Stand von Naturpädagogin Melanie Eben (re.) Xylit in ein mitgebrachtes Glas. In der Mitte im Bild: Grünen-Ortsverbandsvorsitzende Lisa Busch.

Selbstgemachte Zahncreme & Co.

„Natürlich-Werkstatt“ im Alpenfestsaal: Plastik-Gegner bekommen praktische Tipps und Anregungen

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Es ist nicht schwer, Plastikmüll zu vermeiden und alternative Produkte selbst herzustellen. Das war die Botschaft, die die Besucher der „Natürlich-Werkstatt“ aus dem Alpenfestsaal in Lenggries mitnahmen – neben vielen Gratisproben.

Lenggries – Maxi (9) und Simon (7) löffeln je zwei Teelöffel Kokosöl und Birkenzucker (Xylit) sowie einen Viertel Teelöffel Natron in ein mitgebrachtes Glas. Deckel drauf – und schon ist die selbst gemachte Zahncreme fertig. „Zuhause macht ihr das Kokosöl vielleicht noch ein bisschen warm, dann lässt sich alles leichter vermischen“, sagt Naturpädagogin Melanie Eben. Die Lenggrieserin zeigte am Donnerstagabend im Alpenfestssal an einem von fünf Ständen: Es ist gar nicht so schwierig, Zahncreme oder Spülmittel selbst herzustellen – ganz ohne Plastik.

Die Idee zu dieser „Natürlich-Werkstatt“ geht auf den Grünen-Ortsverband zurück. Nach der Gründung vor einem halben Jahr überlegten Vorsitzende Lisa Busch und ihre Mitstreiter, wo sie am besten ansetzen, um Lenggries grüner zu machen. Ein paar alltagstaugliche Tipps für den Einstieg in ein plastikfreieres Leben könnten nicht schaden, dachte sich Busch – und holte unter anderem den Unverpackt-Laden „Ois ohne“ sowie den „Eine-Welt-Laden“ aus Bad Tölz, die Lenggrieser Buchhandlung „Les(e)bar“ und das Biotop Oberland“ mit ins Boot beziehungsweise den Alpenfestsaal. Zwar war der Andrang an Interessenten überschaubar. „Für das erste Mal bin ich aber ganz zufrieden“, sagte Busch.

Bienenwachstücher ersetzen Frischhaltefolie

Und auch die Besucher zeigten sich angetan. „So etwas sollte man regelmäßig machen“, fand beispielsweise Katharina Kottmair. Die Lenggrieserin hoffte auf Anregungen für ein plastikfreieres Leben – und wurde unter anderem am Stand von Kräuterpädagogin Shirin Völkl aus Arzbach fündig. Hier stellte Kottmair mit wenigen Handgriffen eine Alternative zur Frischhaltefolie aus Plastik her – aus Bienenwachs. Einfach das grob geraspelte Wachs auf ein Stück Stoff geben, Backpapier darüber legen, heiß bügeln, fertig. „Damit kann man zum Beispiel die Schnittflächen von Brot, Gemüse oder Obst abdecken“, sagte Völkl, Bei korrekter Pflege seien die Bienenwachstücher bis zu ein Jahr lang verwendbar. Die selbst gemachten Tücher durften die Besucher der „Natürlich-Werkstatt“ gratis mitnehmen, genau wie die anderen selbst gemachten Dinge wie Kosmetik oder Brotzeitbeutel.

Appetitliche Naturkosmetik

Großer Andrang herrschte am Stand des St.-Ursula-Gymnasiums. Die Schülerinnen des P-Seminars „Naturkosmetik“ unter der Leitung von Anja Budich verkauften hier ihre selbst kreierten Shampoos, Cremen und Badepralinen der eigenen Marke „tausendschön“. Die Produkte sahen so ansprechend aus, dass eine kleine Besucherin den Löffel in der Cremeprobe falsch interpretierte und ihn in den Mund steckte statt ihn auf die Hand zu klecksen, sagte Zwölftklässlerin Valentina Fuchs und lachte. Das Missverständnis war aber kein Problem: Alle Produkte bestehen schließlich aus rein natürlichen Zutaten, wie Regina Kotterisch an der extra mitgebrachten Herdplatte bewies. Vor den Augen der Zuschauer zauberte die angehende Abiturientin aus destilliertem Wasser, Kakaobutterchips, Mandelöl, Emulsan und ätherischen Ölen eine wohlriechende Handcreme.

Unter den Zuschauern befand sich auch Tamara Höcherl. Die Lenggrieserin ist bereits Stamm-Kundin im Unverpackt-Laden in Bad Tölz, der an diesem Abend einen Teil seines Sortiments zeigte. Die Anregungen aus der „Natürlich-Werkstatt“ will Höcherl bald selbst umsetzen. Sie will nicht länger eine Marionette der mächtigen Plastik-Lobby sein. „Dem muss man entgegenwirken.“

Zwei Stunden dauerte die „Natürlich-Werkstatt“. Danach wurde die preisgekrönte Dokumentation „Plastic Planet“ von Werner Boote gezeigt. Besucherin Ulrike Oberlechner wusste aber schon vor der Filmvorführung: „Wenn man auf die Politik wartet, kann man lange warten.“ Die Lenggrieserin ist überzeugt: „Man muss bei sich selbst anfangen – und da kann man wirklich viel tun.“

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