Das Naturparkhaus in Hinterriß.

Bau war umstritten

Naturparkhaus in Hinterriß: Seit zehn Jahren mitten im Juwel

Sein Bau war damals umstritten. „Schuhschachtel“ nennen es manche. Doch das Naturparkhaus in Hinterriß bietet erstaunliche Einblicke.

Hinterriß Sein äußeres Erscheinungsbild stufen viele wohl als grotesk, unansehnlich und unpassend in der alpinen Umgebung ein. Sein Inneres aber bietet in ansprechender Aufbereitung beeindruckende und Interesse weckende Einblicke in den vielfältigen und einmaligen Kosmos des Karwendels. Jetzt feierte das Naturparkhaus in Hinterriß sein zehnjähriges Bestehen. Die erste Dekade wurde sozusagen gekrönt mit der Vorstellung des Buches „Großer Ahornboden – eine Landschaft erzählt ihre Geschichte“ und der Eröffnung einer Fotoausstellung mit traumhaften Karwendel-Bildern von Sebastian Frölich aus Mittenwald.

Buchvorstellung und Ausstellungseröffnung mit (v. li.) Franz Straubinger , Caroline von Nicolai mit ihrem Sohn Adrian, Hermann Sonntag und Sebastian Frölich. 

Eröffnet wurde der Jubiläumsabend mit einem Grußwort vom Bürgermeister der Gemeinde Vomp, Karl-Josef Schubert. Er blickte zurück auf die Vorgeschichte des Naturparkhauses und die Planungen, die diesbezüglich von politischer Seite vonstatten gegangen waren. Vor dessen Bau hatte es bereits eine heimatkundliche Präsentation in der aufgelösten Hinterrißer Schule gegeben. Doch sei man mit diesem Ort aus verschiedenen Gründen „nicht so ganz glücklich gewesen“. Als man schließlich aus den vom Architektenwettbewerb vorliegenden Bauplänen („da war einer schrecklicher als der andere“) einen Favoriten finden musste, einigte man sich letztlich auf den „schiachn Klotz“, um mit dem Projekt überhaupt voranzukommen. „Es hat sich im vorigen Winter wieder gezeigt, dass ein Flachdach hier nicht das Wahre ist“, hielt Schubert mit seiner Kritik nicht zurück. Doch auf die Entwicklung der Institution an sich und deren Vermittlung und Sensibilisierung der Menschen für den umgebenden Lebensraum könne man stolz sein.

Von der überaus positiven Resonanz vieler Besucher berichtete auch Hermann Sonntag. Er ist als Geschäftsführer des Vereins „Naturpark Karwendel“, dem 15 umliegende Tiroler Gemeinden angehören, zugleich auch der Chef des Naturparkhauses. Dass dieses Haus nicht nur ein Museum beherbergt, sondern ziemlich regelmäßig auch Vorträge zu verschiedensten relevanten Themen, Lesungen, Podiumsdiskussionen und Exkursionen anbiete, sei eine wichtige Schiene, um die Menschen zu erreichen, so Sonntag. Die Besucherzahl wird heuer wohl die 100 00er-Marke überschreiten.

Einblicke in  ein außergewöhnliches Stück Erde

Als Herz des Naturparks Karwendel gilt der Große Ahornboden. Fasziniert von der ganz eigenen Lebenswelt dieses „Juwels“ haben Hermann Sonntag als Biologe und sein Mitarbeiter Franz Straubinger intensive Forschungen darüber angestellt und ihr Wissen in einem Buch festgehalten. Eine erste Fassung war bereits 2014 erschienen, „aber es kamen viele neue Erkenntnisse dazu, die wir mit einarbeiten wollten“, erklärte Straubinger bei der Präsentation des aktuellen 220-seitigen, reich bebilderten Werks. Als Co-Autoren mit eingebunden waren die Geologen Rainer Brandner und Christoph Spötl sowie die Archäologin Caroline von Nicolai.

Entsprechend vielseitig gestalten sich die Einblicke in dieses außergewöhnliche Stück Erde: So finden sich fachlich versierte Beiträge über die Entstehung der Landschaft, Land- und Almwirtschaft einst und heute, Jagd und Wilderei, Naturschutz, über den Bergahorn als „Hauptdarsteller“ und nicht zuletzt über die touristische Nutzung vom Naturromantiker bis zum Massentourismus. Letzteres Thema möchte Sonntag künftig noch separat aufgreifen, um mehr Leute zur „öffentlichen Anreise“ zu motivieren.

Vom Karwendel faszinieren lässt sich aber auch Fotograf Sebastian Frölich. Und diese Faszination übertrug sich beim Jubiläumsabend schnell auf die Betrachter seiner brillanten stimmungsvollen Aufnahmen, die noch bis Mitte August im Naturparkhaus zu sehen und (ebenso wie das Ahornboden-Buch) käuflich zu erwerben sind. Wie entstehen – von der technischen Ausrüstung abgesehen – solch herrliche Bilder? „Dazu gehören jahrelange Erfahrung und das Glück, zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu sein.“ ROSI BAUER

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