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Hochsaison am Großen Ahornboden: Ein letzter Höhepunkt an diesem Wochenende

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Von: Andreas Steppan

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Die klassische Ansicht vom Großen Ahornboden: Die locker über das Engtal verteilten Bäume erstrahlen im Herbst in leuchtenden Farben. An den Wochenenden bis Mitte Oktober herrscht der größte Ausflüglerandrang.
Die klassische Ansicht vom Großen Ahornboden: Die locker über das Engtal verteilten Bäume erstrahlen im Herbst in leuchtenden Farben. An den Wochenenden bis Mitte Oktober herrscht der größte Ausflüglerandrang. © Andreas Sauer

Ein Naturwunder von vergänglicher Schönheit lockt im Herbst tausende Ausflügler zum Großen Ahornboden in die Eng. Doch schon bald kehrt dort absolute Ruhe ein.

Hinterriß – Auf Instagram oder Facebook sind die Bilder dieser Tage wieder allgegenwärtig: Die in voller Farbenpracht stehenden Ahornbäume geben vor der Kulisse der Felswände der umgebenden Berge ein eindrucksvolles Bild ab. Der Herbst ist die Hauptsaison für den Großen Ahornboden und das Almdorf Eng als Ausflugsziel. Doch auch wenn man sich fürs kommende Wochenende auf einen der letzten großen Besucheranstürme des Jahres einrichtet: Von Überlastung oder „Over-Tourism“ wie etwa am Walchensee mag man in dem abgelegenen Tal nicht sprechen.

Naturwunder in der Eng: Ein lichter Wald aus 2000 Ahornbäumen

Der Große Ahornboden ist ein Landschaftsschutzgebiet, das sich über 265,62 Hektar auf dem flachen Grund des Engtales im Gemeindegebiet von Vomp kurz hinter der österreichischen Grenze in Tirol erstreckt. Seine Besonderheit ist der lichte Wald aus über 2000 Berg-Ahornbäumen, von denen einige bis zu 600 Jahre alt sind. Um das einzigartige Landschaftsbild zu erhalten, wurden in den vergangenen Jahren mit Hilfe von Spenden zahlreiche junge Bäume nachgepflanzt.

Was den Besucherandrang und den Verkehr betrifft, könnten die Kontraste nicht größer sein. „Der ,Indian Summer‘ ist ein Highlight. Deshalb ist auch sehr viel los. Das ist die Kehrseite der Medaille“, sagt Hermann Sonntag, Geschäftsführer des Vereins Naturpark Karwendel, der sich der sich für den alpinen Naturschutz in der Region einsetzt. „Wir bekommen im Juni schon die ersten Anrufe, wann denn die Laubfärbung beginnt“, sagt Sonntag mit einem Schmunzeln. So genau lässt sich die Natur dann aber nicht berechnen. „Heuer haben sich die Blätter ein bisserl später verfärbt als sonst“, berichtet Florian Reindl, Wirt des Gasthofs zur Post Hinterriß und Kassier der Weggemeinschaft Eng.

An Spitzentagen rollen 1500 Fahrzeuge in die Eng

Während die Hauptsaison in der Eng allgemein von August bis Oktober dauere, konzentrieren sich die Spitzentage laut Reindl – je nach Wetter – auf die Wochenenden von Ende September bis Mitte Oktober. Bis zu 1500 Fahrzeuge rollen ihm zufolge an solchen Extremtagen an. „Aber das ist nur punktuell“, fügt er hinzu.

Stau? „Nicht auf der österreichischen Seite“, versichert Reindl. Die einzige Verkehrsbehinderung sei heuer die halbseitige Sperrung der Faller Klammbrücke am Sylvensteinsee. Die dortigen Straßenbauarbeiten dauern voraussichtlich bis Ende Oktober.

Laut Sonntag müssen Autofahrer an schönen Herbsttagen auch vor der Mautstation mit Wartezeit rechnen. Dort sind für die Fahrt in die Eng 4,50 Euro zu entrichten. Die Mautstraße wird von einer Gemeinschaft der örtlichen Almbauern und Grundeigentümer betrieben.

Der Bergsteigerbus des RVO in die Eng hat die Saison schon beendet

An einem regnerischen Wochentag wie dem, an dem Florian Reindl mit dem Tölzer Kurier telefoniert, ist es hingegen sehr ruhig in der Eng. Weniger als 50 Autos kämen dann an der Mautstation vorbei, berichtet Reindl.

Auch mit dem Bus gelangt man in die Eng – jedoch nicht mehr an diesem Wochenende. Die vom Deutschen Alpenverein mitfinanzierte Linie 9596 des RVO hat seine letzte Tour für heuer schon vergangenen Sonntag absolviert, wie ein Sprecher der Deutschen Bahn erklärt. Bis dahin habe sich das Angebot heuer aber „sehr gut entwickelt. Im Vergleich zum Vorjahr konnten wir mehr Reisende auf der Linie befördern“. Einen Rückgang der Passagierzahlen habe es lediglich im Juli gegeben, als es nach Unwettern zu Straßensperrungen kam.

Im Winter geht‘s nur noch per Fahrrad oder Ski in die Eng

Mit dem Saisonende des „Bergsteigerbusses“ wird nun allmählich die ruhige Zeit in der Eng eingeläutet. Ab November darf über die einzige Zufahrtsstraße in die Eng gar kein motorisiertes Fahrzeug mehr rollen. Die Mautstraße ist nur von Mai bis Oktober geöffnet. „Es handelt sich schließlich immer noch um ein Almgebiet, das darf man nicht vergessen“, erklärt Sonntag. Ab Spätherbst seien alle Almen verlassen, sämtliche Betriebe geschlossen. Das Tal ist dann menschenleer und unbewohnt. Wie Reindl ergänzt, stünde es nicht zuletzt aus Naturschutzgründen in keinem Verhältnis, die Straße im Winter zu streuen und zu salzen.

Außerdem, sagt Sonntag, sei es dann in der Eng „saukalt“. Die im Herbst so attraktiven Ahornbäume stehen ab einem gewissen Zeitpunkt nackt da. Entweder mache ein Föhnsturm oder der Schnee der Blätterpracht den Garaus. Wann genau, das könne man nie so genau sagen, meint Sonntag. Wer zwischen November und April trotzdem in die Eng will, der könne es höchstens mit dem Radl probieren – „dann aber auf eigene Gefahr“, wie Sonntag betont. „Die Straße kann teils vereist sein, es gibt viele Stellen, die immer im Schatten liegen.“

Im Frühling ist es in der Eng wunderschön - und es ist weniger los

Oder aber man erobert die Eng auf Langlaufskiern. Von der Mautstation Hinterriß aus führt eine in der Regel bis März gespurte Loipe am Rißbach entlang.

Hermann Sonntag hat aber noch einen anderen Tipp für alle, die gern einen Ausflug in die Eng machen wollen. „Im Frühling ist es wunderschön“, sagt er. Im Tal stünden die Bäume in „sattem Grün, die Krokusse und Himmelsschlüssel blühen, und oben liegt noch Schnee“, schwärmt er. Und: „Es ist nur ein Bruchteil der Leute da.“

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