Das Team der Falkenhütte (v. li.): Alexander Kostenzer, Rita Wiedenbauer, Franz Fröhlich, Sherpa Damputi und die Wirtsleute Ursula und Fritz Kostenzer.

Nepalhilfe

Eine Freundschaft von Berg zu Berg

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Lenggries/Hinterriß - In der Falkenhütte steht eine große Spardose: Mit ihr sammelt Hüttenwirt Fritz Kostenzer Geld für das Dorf Chuplung in Nepal. Dahinter steckt eine enge Freundschaft und Sympathie für das Bergvolk, das den Menschen im Karwendel durchaus ähnlich ist.

Sherpa Dambuti liegt auf dem Hang über den es zum Mahnkopf geht. Dort nutzt die 19-Jährige ihre Pause für einen Mittagsschlaf in der Herbstsonne. Fritz Kostenzer will sie nicht stören, sie leistet viel für die Falkenhütte. Dambuti kommt aus Nepal. Sie ist im Dorf Chuplung aufgewachsen. Heuer ist sie den ersten Sommer im Karwendel, um zu arbeiten.

Die 19-Jährige packt in der Küche mit an und erledigt alles, was nötig ist, um die Wanderer und Mountainbiker, die in der Falkenhütte einkehren, zu versorgen. Damit ist Dambuti eine wertvolle Stütze für Hüttenwirt Fritz Kostenzer und seine Mannschaft. Die Arbeit ist aber auch eine Hilfe für die Nepalesin.

Geldspenden für Familien in Not überreichten Projektpartner Franz Fröhlich (li.) und Fritz Kostenzer (re.) bei ihrem Nepal-Besuch vor einem Jahr.

Dambuti hat keine Eltern mehr. Bassang, der sieben Jahre lang als Sherpa bei Kostenzer gearbeitet hat, nahm die junge Frau und ihren 14-jährigen Bruder bei sich auf und zog sie groß. Der Wirt von der Falkenhütte unterstützte Bassang dabei. Kostenzer hat vor sechs Jahren eine private Nepalhilfe gegründet (wir berichteten).

Vergangenen Herbst flog Kostenzer nach Nepal – mit 30 000 Euro im Gepäck. Damit wurde zum Beispiel das Bauernhaus von Dambutis Eltern wiederaufgebaut, damit ihr Bruder die kleine Landwirtschaft betreiben kann, wenn er die Schule abgeschlossen hat. Wie viele Hütten in Chuplung wurde das Bauernhaus bei einem Erdbeben im Frühling vor einem Jahr zerstört.

„Es leben immer noch viele in Holz und Strohhütten, die sie vor ihren kaputten Häusern aufgestellt haben“, sagt Kostenzer. Für diese Menschen sammelt der Hüttenwirt Spenden. Er hat eine Dose im Gastraum der Falkenhütte aufgestellt, wendet sich an Firmen und bittet bei Vorträgen um Unterstützung. Nächstes Jahr will der 62-Jährige das gesammelte Geld wieder nach Chuplung bringen.

Ein Bild der Zerstörung: Ein Erdbeben hat im Frühjahr 2015 im Hochland von Nepal große Schäden angerichtet.

„Die Menschen in diesen abgelegenen Gebieten werden leider ziemlich alleine gelassen“, berichtet Kostenzer. Nach dem Erdbeben sorgte der Staat nur dafür, dass die touristischen Gebiete wieder hergerichtet werden. Dank der Tiroler Unterstützung gibt es für die 800 Dorfbewohner auch Hubschrauberflüge. „Wenn jemand schwer krank ist, können wir ihn damit nach Kathmandu bringen“, sagt Kostenzer.

Diese Hilfe koordiniert Bassang, der Landwirt und Bergführer in Chuplung ist. Als Sherpa bekommt er in Tirol keine Arbeitserlaubnis mehr. „Die sieben Sommer waren schon eine Ausnahme, eigentlich dürfen Sherpa nur vier Sommer bleiben“, sagt Kostenzer. In diesen sieben Sommern haben sich die beiden Männer aber angefreundet, und Bassang berichtet der Falkenhütte laufend, wie es den Menschen im nepalesischen Bergdorf geht.

Dambuti wird nach vier Sommern zurückkehren. „Für sie ist es eine große Chance“, sagt Kostenzer. Die 19-Jährige verdiene für die armen Verhältnisse in der Heimat viel Geld als Sherpa. Und mit der Erfahrung könne sie später eine Lodge betreiben oder in einer arbeiten. Sie kommt über die Tiroler Nepalhilfe ins Karwendel. Gründer Wolfgang Nairz hat das ermöglicht. „Wir sind sehr dankbar, dass sie bei uns sein kann“, sagt Kostenzer. Denn: Das Gebirgsvolk passt sehr gut zu den Menschen im Karwendel. „Dambuti fühlt sich hier wie zuhause.“

Spendenkonto IBAN: AT 08 3621 8000 0004 2093; BIC: RZTIAT22218;  Kostenzer Friedrich Erdbebenhilfe Chuplung/Nepal

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