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Bis 2017 betrieb der Askpelios-Konzern die Fachklinik. Nach der Schließung kaufte ein Investorenkonsortium die Liegenschaft und verpachtete sie nun an die Gesundheitsbetriebe Isarwinkel GmbH.

Geriatrische Rehabilitation

Neue Lenggrieser Fachklinik: Nah am Patienten

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In der Lenggrieser Fachklinik wurden die ersten Patienten aufgenommen. Hinter dem Betreiber steckt kein Konzern. Es ist eher ein Familienbetrieb, der ganz nah dran am Patienten sein will.

Lenggries – „Sie mag ich“, sagt die Patientin und hakt sich gleich noch ein bisschen fester bei Pfleger Roland Richter unter. Dann machen sich die beiden auf den Weg den Gang hinunter zum Gruppentherapiezimmer. Dort warten schon einige andere Patientinnen im Stuhlkreis. Weil noch nicht alle da sind, vertreiben sich die Seniorinnen die Zeit mit Singen. „Hänschen klein“, wird gerade angestimmt.

Alles ist ganz entspannt in der neuen Fachklinik Lenggries für geriatrische Rehabilitation am Bergweg. Am Montag kamen die ersten Patienten. Am Freitag füllten bereits 15 die Zwei-Bett-Zimmer. „Alles läuft bei uns richtig super“, sagt Petra Netzer, die sich mit Dr. Stephan Pramsohler die stellvertretende Geschäftsführung der Gesundheitsbetriebe Isarwinkel GmbH teilt. Ihr Mann Prof. Dr. Nikolaus Netzer ist Geschäftsführer und Chefarzt. „Wir machen vieles in Personalunion und verteilen viele Posten auf wenig Köpfe“, sagt Petra Netzer.

Das Ziel: Wieder zurück nach Hause

Ist die Verwaltung schlank aufgestellt, bleiben mehr Mitarbeiter, die sich um die Patienten kümmern. Wer in die Lenggrieser Fachklinik kommt, ist über 75 Jahre alt und in der Regel multimorbid. „Das heißt, es liegen mehrere Krankheiten vor. Zum Oberschenkelhalsbruch ist beispielsweise schon ein Diabetes und Bluthochdruck vorhanden“, erklärt Netzer. Entsprechend umfangreich sei oft die Medikation. „Wir haben Patienten, die nehmen 44 Medikamente am Tag“, sagt Netzer. Hier gebe es oft Optimierungsmöglichkeiten. „„Ziel ist es, auf zirka fünf Medikamente am Tag zu reduzieren.“

Was sich die Kranken von der Reha erhoffen, sei ganz unterschiedlich, sagt Netzer. „Der eine Patient sagt, er möchte wieder in der Lage sein, zu Hause die Fernbedienung für den Fernseher alleine zu bedienen, um nicht immer auf die Tochter warten zu müssen, die umschaltet; der andere sagt: ,Ich fahre in drei Wochen nach Hamburg, da will ich wieder fit sein‘.“ Man müsse auf jeden individuell eingehen. „Man kann nicht einfach alle in eine Schublade stecken“, sagt Netzer. Das sei es ja gerade, was die Arbeit in der geriatrischen Rehabilitation so interessant mache. Und man lerne Menschen kennen, „die wirklich toll sind“. Wie die 91-Jährige, die Netzer erzählte, sie müsse dringend wieder nach Hause. „Als ich gefragt habe, warum, hat sie gesagt, dass ihr Sohn alleine nicht klar kommt“, sagt die stellvertretende Geschäftsführerin schmunzelnd.

Ziel ist es, dass die Patienten nach der Reha wieder in die eigenen vier Wände zurückkehren können – und dort auch zurechtkommen. „Rund 85 Prozent tun das auch“, sagt Netzer. Das Team aus Ärzten, Therapeuten und Pflegern setzt dabei auf aktivierende Pflege. Das heißt, die Senioren werden immer ermutigt, erst einmal zu probieren, ob sie viele Dinge nicht doch alleine schaffen – beispielsweise aufzustehen oder sich das Gesicht zu waschen. „Unsere Philosophie ist: Jeder kann alles lernen, aber er braucht seine Zeit dazu“, sagt Netzer.

Tag der offenen Tür geplant

Viermal am Tag treffen sich alle Patienten zum Essen oder Kaffeetrinken im Speisesaal. Jeder hat einen festen Platz. Kleine Namensschilder kleben auf den Tischen, damit jeder weiß, wo er hin muss. Für diejenigen, die im Rollstuhl sitzen, sind die Stühle bereits zur Seite geräumt.

Ansonsten gibt es in Lenggries keine starren Zeitpläne, in denen genau aufgelistet ist, wann der Patient zu welcher Therapie zu erscheinen hat. „Unsere Therapeuten gehen zum Patienten, schauen, wie es ihm geht. Wenn es gerade nicht so gut ist, kommen sie später wieder vorbei“, sagt Netzer. Ansonsten nehmen sie den Senior gleich mit und machen sich gemeinsam auf den Weg zu den Therapieräumen.

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In der wöchentlichen Teamsitzung tauschen sich Ärzte, Therapeuten, Sozialdienst und Pflegekräfte dann über jeden einzelnen Patienten aus. Zudem gibt es eine wöchentliche Sprechstunde für Angehörige bei dem Team.

Bis zum Sommer sollen 60 Patientenplätze in der Fachklinik zur Verfügung stehen. Dafür muss das Personal – derzeit sind es rund 25 Mitarbeiter – noch aufgestockt werden. „Wir suchen aktiv im Therapiebereich und in der Pflege.“ Hier biete man auch Quereinsteigern eine Qualifizierung an, sagt die stellvertretende Geschäftsführerin. Sein Freiwilliges Soziales Jahr oder den Bundesfreiwilligendienst kann man ebenfalls in der Fachklinik verbringen – inklusive Unterkunft.

Nachdem Asklepios seine Fachklinik im April 2017 geschlossen hatte und das Gebäude eineinhalb Jahre leer stand, sind viele Lenggrieser neugierig, wer der neue Mieter der Liegenschaft am Bergweg ist. Netzer: „Wenn der Schnee weg ist, wollen wir einen Tag der offenen Tür machen.“

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