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Luxusgut Obst: Paten ermöglichen es dem Verein, den Kindern an der „École du Soleil“ zweimal pro Woche ein Stück Melone oder Ähnliches zu geben. 

Neue Projekte im Senegal

„Hilfe für Straßenkinder“: Verein erweitert Radius

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Ein Kreditprogramm sowie ein Näh- und ein Gartenprojekt. Der Verein „Hilfe für Straßenkinder in Mbour“ hat in den vergangenen Monaten wieder viel Gutes im Senegal getan, vor allem für Frauen. Für nächstes Jahr hat Vize-Vorsitzender Andreas Krieg aus Lenggries bereits neue Pläne.

Lenggries/Mbour – Der Verein „Hilfe für Straßenkinder in Mbour“ hat die Frauen für sich entdeckt. Wie der Name schon sagt, kümmerten sich Vize-Vorsitzender Andreas Krieg aus Lenggries und seine Mitstreiter in der Vergangenheit vor allem darum, Straßenkindern in der 200 000-Einwohner-Stadt im Senegal eine Schuldbildung zu ermöglichen. In diesem Jahr erweiterte der Verein seinen Hilfsradius. Denn auch zahlreiche erwachsene Frauen können weder lesen, noch schreiben, noch rechnen. Entsprechend wenig Chancen auf Arbeit haben sie.

Deshalb rief der Verein im August ein Kleinkreditprogramm speziell für das weibliche Geschlecht ins Leben. Das Projekt ist zweigeteilt: Zum einen lernen die Teilnehmerinnen Grundlagen, um im Geschäftsleben erfolgreich zu sein. Zum anderen erhalten sie ein Startkapital von umgerechnet 50 Euro – viel Geld in Afrika. Damit können sie sich zum Beispiel Stoff für Näharbeiten kaufen und ein eigenes Kleingewerbe gründen. „So erarbeiten sich die Frauen ein Stück Selbstständigkeit“, erklärt Krieg. Rund 15 Afrikanerinnen nehmen aktuell an dem Programm teil. Künftig werden noch mehr dazukommen, wenn sich das Angebot weiter herumspricht, glaubt Krieg.

Ebenfalls speziell für Frauen ist das Gartenprojekt. Dafür kaufte der Verein mit Sitz in Holzkirchen im Frühjahr 2017 ein gut 400 Quadratmeter großes Grundstück in der Nähe der Grundschule, die die Deutschen in Mbour gebaut haben. In dem Garten lernen die Mütter der Schüler den richtigen Anbau von Gemüse. Die Ernte dürfen die Frauen für den Eigenbedarf verwenden oder für die Verpflegung der Schüler einsetzen.

Die Ernährung der Kinder liegt Andreas Krieg besonders am Herzen. Deshalb sucht er Paten, die jeden Monat Geld spenden, damit die Mädchen und Buben auch weiterhin zweimal pro Woche ein Stück Obst zu essen bekommen. „Für die meisten Kinder an unsere Schule ist Obst ein Luxusobjekt“, sagt der zweifache Familienvater.

Gesucht werden auch Paten für das neue Nähprojekt. Dreimal wöchentlich werden 15 Mädchen in der Mehrzweckhalle der Schule in diesem Handwerk unterrichtet. Laut Krieg handelt es sich im Prinzip um eine Berufsausbildung. Und um eine wichtige noch dazu: „Die ganze Kleidung dort wird selbst gemacht“, sagt der 47-Jährige.

Nur eine Sache trübt die gute Jahresbilanz des Vereins ein wenig: Der Bau des geplanten Ausbildungszentrums verzögert sich. Wie berichtet, sollen Jugendliche nach der Schule dort im Metallbau, der Holzverarbeitung und der Elektroinstallation ausgebildet werden. 100 000 Euro hat der Verein für das Projekt angesetzt. Bis zu 75 Prozent der Kosten könnten durch Fördergelder abgedeckt werden. Allerdings gibt es Probleme mit dem zuständigen Bundesministerium. Die Behörde stört sich laut Krieg daran, dass das Zentrum gewinnorientiert arbeiten will. Sprich: Produkte, die in der Werkstatt hergestellt werden, sollen zur Refinanzierung verkauft werden. „Außerdem müssen wir zum Beispiel die Ausbilder bezahlen und Material einkaufen“, sagt Krieg. „Mit dem Geld will sich doch niemand von uns bereichern.“

Sollten keine Fördergelder fließen, will der Verein das Ausbildungszentrum zur Not selbst finanzieren. „Wir bleiben hartnäckig“, sagt Krieg und zitiert John F. Kennedy, der einst sagte: „Es gibt nur eins, was auf Dauer teurer ist als Bildung: keine Bildung.“

Mehr über die Arbeit des Vereins steht im Internet auf www.strassenkinder-senegal.de. Außerdem ist die Gruppierung am Samstag, 16. Dezember, mit einem Info-Stand im „Holzkirchen Einkaufsparadies“ (HEP) im Kreis Miesbach vertreten.

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