Das Jachenauer Rathaus
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Im Jachenauer Rathaus gibt es seit März einen neuen Chef.

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Neustart in turbulenten Zeiten: So geht es den vier neuen Bürgermeistern

  • Melina Staar
    vonMelina Staar
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In Lenggries, Wackersberg, Jachenau und Sachsenkam gab es in diesem Jahr einen Wechsel auf dem Chefsessel im Rathaus. Wie haben sich die neuen Bürgermeister im Amt eingelebt?

Lenggries/Jachenau/Wackersberg/Sachsenkam – Die kürzeste Zeit im Amt ist Stefan Klaffenbacher. Der neue Lenggrieser Bürgermeister wurde erst vor drei Wochen als Nachfolger des verstorbenen Markus Landthaler gewählt. „Ich bin recht gut aufgenommen worden, es hat alles gepasst. Ich bin zufrieden“, so sein erstes Fazit. Für den Anfang habe er sich noch kein spezielles Projekt vorgenommen, sondern sich zunächst um das Tagesgeschäft gekümmert.

Stefan Klaffenbacher

Dazu zählen beispielsweise zahlreiche Anfragen von Bürgern, anderen Gemeinden und Institutionen. „Natürlich ist das stressig, aber das wusste ich vorher.“ Der Terminkalender sei voll, es gehe darum, dass er nun alle kennenlerne, auch die gemeindeeigenen Institutionen. „Es ist nicht ganz leicht, alles unterzubringen.“ Ein frühes Nach-Hause-Kommen sei derzeit kaum möglich. „Ich muss jetzt meinen Rhythmus finden.“ Dankbar sei er für die gute Einarbeitung durch den Zweiten Bürgermeister Franz Schöttl.

Zwei große Themen haben die bisherige Amtszeit von Klaus Rauchenberger in der Jachenau bestimmt. „Wie bewältigen wir den Besucheransturm mit all dem Park- und Müll-Chaos? Und natürlich die Corona-Auflagen.“ Bei letzteren habe es teilweise fast täglich neue Anforderungen gegeben. „Einmal hat es beispielsweise geheißen, wir müssen in der Schule Desinfektionsspender anbringen. Dann hieß es wieder, nein, nicht, das sei zu gefährlich für die Kinder.“ Die Anordnungen kamen häufig auf 20 vollgeschriebenen Seiten. „Manches hätte man auch in drei Sätzen sagen können“, findet Rauchenberger.

Zwar habe er durch seine Zeit als stellvertretender Bürgermeister schon viel mitbekommen. „Aber viele Sachen waren doch neu für mich.“ So beispielsweise die coronabedingten Videokonferenzen mit anderen Bürgermeistern und dem Landrat. Häufig hätte hier die schlechte Internet-Verbindung im Rathaus einen Strich durch die Rechnung gemacht.

Auch andere Themen litten unter der Corona-Krise. Um in Sachen Radweg voranzukommen, hätte der Jachenauer Bürgermeister Termine bei Behörden benötigt, die man nicht bekommen habe. „Da ist uns eigentlich ein halbes Jahr verloren gegangen.“ Auch beim Hochwasserschutz sei einiges stehen geblieben, „obwohl man denken möchte, dass in den Ämtern jetzt genügend Zeit zum Planen gewesen wäre“. Die Gemeinde habe außerdem eine weitere Stelle im Rathaus besetzt. Dankbar sei er um die guten Leute in der Verwaltung.

Klaus Rauchenberger

Um sein Ehrenamt als Bürgermeister ausüben zu können, habe er seinen landwirtschaftlichen Betrieb an den Sohn übergeben und helfe dort aus, wenn er Zeit habe, sagt Rauchenberger. „Morgens und abends im Stall, wenn die Ernte ansteht oder sonst etwas Dringendes.“ Eigentlich seien drei Arbeitstage für das Bürgermeister-Amt vorgesehen. „Aber Jachenau ist eine kleine Gemeinde, da kennt jeder jeden, jeder weiß, wo der Bürgermeister wohnt.“ Da werde schon so manches Anliegen auch einmal bei ihm vor die Haustüre getragen. „Aber ich versuche schon darauf zu schauen, das Private und die Arbeit für die Gemeinde zu trennen.“

Ein großes Thema in der Gemeinde Wackersberg war für Bürgermeister Jan Göhzold die Vermietung des Mehrgenerationenhauses. Darum hatte er sich bereits als Geschäftsleiter gekümmert – und hat es als Bürgermeister weitergeführt. „Das ist sehr viel Arbeit gewesen.“ Er habe immer geschaut, bei den Mieterversammlungen anwesend zu sein, damit die gesunde Mischung, die man für das MGH erhalten wollte, auch wirklich stimme. „Jetzt haben wir eine Ausgewogenheit erreicht: Von jungen Paaren bis alleinerziehenden Müttern hin zu Witwen ist alles dabei.“ Alle fühlten sich wohl, es sei eine gute Sache.

Jan Göhzold

Ein weiteres Thema, um das er sich als Bürgermeister weiter kümmerte, ist der Breitbandausbau in Unterfischbach. Hier sei nun der Förderantrag gestellt worden. „Als Geschäftsleiter hatte ich vieles schon mitbekommen.“ Diese beiden Themen habe er bereits zuvor begleitet, und es sei ihm daher wichtig gewesen, dass alles weitergehe. Dadurch, dass die Position des Geschäftsleiters derzeit noch vakant sei, seien manche Projekte auf Eis gelegt. „Man kann sich nicht zerreißen.“ Sehr am Herzen liegt Göhzold die Digitalisierung der Schule. „Hier wollen wir auch Möglichkeiten für Homeschooling schaffen.“ Bereits angeschafft wurden Tablets zum Ausleihen.

Die Corona-Krise zu Beginn seiner Amtszeit habe dafür gesorgt, dass viele Versammlungen, die er üblicherweise als frischgebackener Bürgermeister besucht hätte, ausgefallen seien. „Normalerweise ist das eine schöne Gelegenheit, alle kennenzulernen.“ Dafür habe er die Zeit genutzt, sich auf die laufende Arbeit zu konzentrieren.

„Ja, die Situation in der Phase zu Amtsbeginn war durchaus eine Herausforderung“, sagt Sachsenkams Bürgermeister Andreas Rammler. Der dadurch notwendige Schichtbetrieb in der Verwaltung habe den Start nicht unbedingt einfacher gemacht. Auch im gemeindlichen Kindergarten mussten einige Sachen coronabedingt geklärt werden. Aber man habe gemeinsam mit der Kita-Leitung alles „alltagsnah und praxistauglich“ lösen können.

Andreas Rammler

Ansonsten habe er die erste Zeit damit verbracht, alle Mitarbeiter der Verwaltung und der Gemeinde kennenzulernen. Er habe volle Unterstützung genossen. „Ich bin ja ohne die Vorerfahrung als Gemeinderat Bürgermeister geworden“, so Rammler. „Viele Dinge waren also Neuland für mich.“ Dank der Hilfe der Gemeinderäte und von Vorgänger Hans Schneil habe er sich aber schnell zurechtgefunden.

Insgesamt laufe sein Leben als Bürgermeister in ganz anderen Bahnen. „Fast alles, was man tut, findet in der Öffentlichkeit statt.“ Dass er nun die Verantwortung für eine Kommune trage, „sehe ich nicht als Bürde oder Last, sondern als einen Vertrauensvorschuss, den mir die Sachsenkamer Bürger erteilt haben“.

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