Gut gefüllt war der Sylvensteinsee am Montag. Bis zum Maximalstau fehlten aber noch fast sieben Meter.
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Gut gefüllt war der Sylvensteinsee am Montag. Bis zum Maximalstau fehlten aber noch fast sieben Meter.

Wasserabgabe an die Isar erhöht

Sylvensteinsee-Spiegel um mehrere Meter angestiegen - mit Folgen bis nach München

  • Veronika Ahn-Tauchnitz
    VonVeronika Ahn-Tauchnitz
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Die Isar machte zwar auch am Montag ihrer Bezeichnung „Die Reißende“ alle Ehre, bedrohlich waren die Pegelstände in den vergangenen Tagen aber nicht. Dafür sorgte einmal mehr der Sylvenstein-Stausee.

Lenggries - Sich auf die Wetterlage einzustellen, war für Tobias Lang, am Weilheimer Wasserwirtschaftsamt zuständig für die Talsperre, nicht leicht. „Die Prognosen änderten sich ständig“, sagt Lang auf Anfrage. Zunächst rechnete man damit, dass der Regen in der Nacht zum Sonntag einen Zufluss von etwa 480 Kubikmeter pro Sekunde zum Stausee bringen würde, einen Tag vor dem Ereignis ging der Wetterdienst nur noch von 70 Kubikmetern aus. „Tatsächlich waren es in der Spitze 544 Kubikmeter pro Sekunde. Das ist nicht ganz im Bereich eines zehnjährlichen Hochwassers“, sagt Lang. Verantwortlich dafür sei ein relativ schmales Regenband über dem Karwendel gewesen. Die Niederschläge konzentrierten sich also vor allem auf den Bereich der Oberen Isar.

Fluten in Bayern: Vorsorglich wurde mehr Platz im Speichersee geschaffen

Prognosen hin oder her: Lang hatte vorsorglich schon am Samstag damit begonnen, noch etwas mehr Platz im Stausee zu schaffen. Dessen Wasserspiegel liegt normalerweise im Sommer bei 750 Metern über Meereshöhe. Durch eine etwas erhöhte Wasserabgabe an die Isar sank der Spiegel um einen halben Meter. Bis in die Nacht zum Montag ging es dann stetig nach oben. Der Höchststand war mit 756,56 Metern genau um Mitternacht erreicht. „Das sind 60 Prozent des steuerbaren Hochwasserrückhalts“, sagt Lang. Es war also noch Luft nach oben. Zum Vergleich: Wirklich randvoll war der See Anfang Juni 2013 mit einem Wert von 762,95 Metern. „Ab 763 Metern springt die Hochwasserentlastung an“, sagt Lang.

Sylvensteinsee (Bayern): Normalerweise 25 Kubikmeter pro Sekunde Richtung Isar, jetzt sind es 200

Mittlerweile sinkt der Seespiegel aber wieder. Dafür strömt mehr Wasser in die Isar. Werden normalerweise rund 25 Kubikmeter pro Sekunde abgegeben, sind es jetzt 200. Das ist unkritisch – auch, weil es im Isarwinkel anders als im Karwendel gar nicht so viel Niederschlag gab. Daher bringen die Zuflüsse wie der Arzbach oder auch die Große Gaißach nicht sehr viel mehr Wasser als sonst mit. In der Spitze flossen durch Bad Tölz knapp 270 Kubikmeter pro Sekunde. Zum Vergleich: Beim August-Hochwasser 2005 waren es 650. Interessant ist aber auch noch eine andere Zahl: Gäbe es den Sylvensteinspeicher mit seinem Rückhaltevolumen nicht, wären es am Sonntag 710 Kubikmeter gewesen. In München wären in der Spitze sogar 830 Kubikmeter pro Sekunde angekommen. Tatsächlich waren es aber durch den Speicher nun nur 373.

Zu leer darf der Speichersee aber auch nicht werden

Wie lange die Wasserabgabe an die Isar so hoch bleibt, ist noch nicht ganz klar. Ziel sei natürlich, wieder die Sommerstauhöhe zu erreichen, sagt Lang. Damit der Seespiegel aber nicht zu weit fällt, muss er auch den Zufluss einkalkulieren. Der ist derzeit noch etwas höher als sonst, weil Uniper keine Wasserableitungen in Richtung der Kraftwerke vornimmt. „Sobald das wieder anläuft, brechen uns 40 Kubikmeter weg“, sagt Lang. Und zu leer soll der Speicher schließlich auch nicht werden, ist er in Trockenperioden doch dafür verantwortlich, dass immer ausreichend Wasser in der Isar ist, um beispielsweise Kraftwerke und Müllverbrennungsanlagen am Laufen zu halten.

Die Stadtwerke nutzen Hochwasser gerne für eine Staulegung. Das heißt, die Schleusen werden geöffnet, der Tölzer Stausee wird wieder zum Fluss und transportiert Geschiebe ab.

Abgestimmt werden muss die Wasserabgabe am Damm auch mit den Tölzer Stadtwerken. Die nutzen solche Hochwasser gerne für eine Staulegung. Das heißt, am Tölzer Stausee werden die Schleusen geöffnet, der See wird wieder zum Fluss – und transportiert einiges an Kies ab. „Letztlich müssen wir uns abstimmen, damit das Wasser noch reicht, um den Stausee wieder zu füllen“, sagt Lang.

Auch an der Loisach ist alles im Lot - auch wenn es auf dem Papier anders aussieht

Und was ist eigentlich mit der Loisach? Die hat am Sonntag in Kochel Meldestufe 1 erreicht. „In diesem Moment muss Uniper aufhören, Strom im Walchenseekraftwerk zu produzieren. Daran haben sie sich auch exakt gehalten“, sagt Lang. Das heißt, ab diesem Moment fließt kein Wasser mehr aus dem Walchen- in den Kochelsee. Die Pegel an der Loisach stiegen am Montag nur noch leicht. Etwas bedrohlich sah die Lage in Schlehdorf aus – allerdings nur auf dem Bildschirm beziehungsweise Papier. Dort lag der Pegel knapp unter Meldestufe vier. „Aber nur, weil die Meldestufen noch nicht den tatsächlichen Gegebenheiten angepasst wurden“, sagt Lang. Dort sei der Hochwasserschutz verbessert worden. Es passt also mehr Wasser durch, ohne dass Gebäude in Gefahr sind.

Gesperrte Straße wieder frei

Gute Nachrichten gibt es in Sachen Straßensperrungen: B11 und Töl 24 sind wieder befahrbar – zumindest eingeschränkt. Die B 11 zwischen Urfeld und Walchensee musste nach einem Murenabgang südlich von Urfeld gesperrt werden. Das Geröll wurde nun von der Straße entfernt, die Fahrbahn ist laut Staatlichem Bauamt Weilheim wieder frei. An der Kreisstraße 24 südlich von Vorderriss wurde die Abbruchwand zum Rißbach durch Wasserbausteine vorübergehend gesichert. Der Verkehr wird nun halbseitig auf der der Gefahrenstelle abgewandten Seite vorbeigeleitet. Auch die Mautstraße zwischen Wallgau und Vorderriß wird ab Dienstag um 7 Uhr wieder befahrbar sein – allerdings nur tagsüber bis etwa 20 Uhr. Nachts bleibt sie laut Rudolf Plochmann, Leiter des Tölzer Forstbetriebs, gesperrt. In einem Bereich ist sie zudem nur halbseitig befahrbar. Eine Ampel regelt den Verkehr.

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