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Teuflisches Grün: Das von Nikolaus Sanktjohanser geschaffene Wesen besteht aus Styropor. 

Nikolaus Sanktjohanser im Porträt

Alles außer gewöhnlich

Der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt. Und der von Nikolaus Sanktjohanser schon überhaupt nicht. Mit Materialien aller Art, von Holz bis zu Bauschaum, gestaltet der Lenggrieser Requisiten für Theater, Bühne, Filme. So ungewöhnlich sie auch sein mögen.

Lenggries/Geretsried Im idyllisch gelegenen Vierkanthof in Schwaigwall bei Geretsried findet sich eine der faszinierendsten Werkstätten des Oberlands. Auf mehr als 400 Quadratmetern erschafft der Lenggrieser Holzbildhauer und Requisitenbauer Nikolaus Sanktjohanser (56) ungewöhnliche Objekte, die an den ausgefallensten Plätzen zum Einsatz kommen.

40 Jahre ist es her, dass der Künstler das Gymnasium verließ, um am Münchner Residenztheater, – von ihm noch heute liebevoll „das Resi“ genannt – das Handwerk des Holzbildhauers zu lernen. 17 Jahre ist er am Theater geblieben und baute in allen Bereichen des Bühnenbildes mit. Bei den „Theaterplastikern“ kam er außer mit Holz mit einer schier unendlichen Anzahl von Materialien in Verbindung, die im Kulissenbau Verwendung fanden. „Ich stamme aus einer echten Künstlerfamilie, bei uns haben alle hauptberuflich künstlerisch gearbeitet“, erzählt Sanktjohanser.

So kam es, dass ihn als kreativen Menschen die Arbeit am städtischen Theaterbetrieb irgendwann künstlerisch nicht mehr voll befriedigte. „Noch am ,Resi‘ habe ich nach Feierabend geschnitzt, gebohrt, neue Materialien ausprobiert und damit Skulpturen, Dekorationen und Möbel gestaltet.“ Freunde und Bekannte bestellten nach und nach immer öfter aufwendig gestaltete Vorhangschienen, individuelle Kleinmöbel und ungewöhnliche Attrappen für Wände und Türen. Gemeinsam mit einem Arbeitskollegen aus dem Malersaal des „Resi“ machte sich Sanktjohanser im Januar 1996 schließlich als „Arttrappe“ selbstständig und bezog eine kleine Werkstatt auf dem Gelände eines Geretsrieder Produktionsbetriebes.

Es gab viel zu tun. In erster Linie arbeitete das Duo den Münchner Theaterbetrieben zu. Dann aber wurden die Aufträge immer ausgefallener. Egal ob auf alt getrimmte Schatztruhen für Piratenfilme, kleinformatige Autos für Fernsehshows oder das altertümlich wirkende Gewehr von Rosenmüllers „Räuber Kneissl“: Alles wurde im Zwei-Mann-Betrieb in Geretsried individuell geschaffen, teilweise mit Unterstützung anderer kreativer Köpfe aus dem nahen Umland. So wurde die alte Werkstatt schnell zu eng. „Wer mit Holz, Styropor, mit Bauschaum, Draht, Blumenpapier, mit Kunstfellen, Lacken, Spraydosen und anderem neue Dinge erschafft, der braucht nicht nur viel Erfahrung und Ideen, sondern auch viel Platz“ sagt Sanktjohanser und schmunzelt.

Daher bezog er 1997 die Werkstatt in Schwaigwall. Mit den Jahren ist sie immer voller geworden, so dass nur Sanktjohanser selbst – der inzwischen den Betrieb alleine führt – mit einem Griff alles findet, was er für seine Objekte benötigt. Wenn der Platz doch nicht ausreicht, weicht er in größere Werkstätten von Kollegen aus, wie im vergangenen Jahr zum Bau der über vier Meter großen Ritterfigur für die Kaltenberger Ritterspiele. Ganz so stressig wie noch vor 20 Jahren ist die Arbeit inzwischen nicht mehr. Das sei eine Folge der Digitalisierung, die viel Attrappenbau unnötig gemacht hat. Doch Sorgen um die Zukunft hat Nikolaus Sanktjohanser keine. In Anlehnung an Georg Ringsgwandl weiß er, dass „die wahren Dinge noch immer analog passieren“.
(Assunta Tammelleo)

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