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Besuch auf dem Segelschiff: Barbara Siede (2. v. re.) auf einem Erinnerungsfoto mit einer Einheimischen-Familie.

Oh, wie schön ist Panama

Andere Damen ihres Alters fahren vielleicht zur Kur nach Füssen oder Bad Reichenhall. Barbara Siede aus Lenggries allerdings ist auch mit 91 Jahren noch jung genug, um gemeinsam mit ihrem Sohn Reinhard von Panama aus einen Segeltörn auf die San-Blas-Inseln im Karibischen Meer zu unternehmen. „Wenn ich jemanden habe, der sich unterwegs um mich kümmert, geht das wunderbar“, sagt sie.

Lenggries – Irgendwie fügen sich diese Dinge immer, wenn Barbara Siede reist. Denn es ist nicht das erste Mal, dass sie auf dem Katamaran ihres Sohnes durch die Meere segelt. Vergangenes Jahr war sie auf den Bahamas, davor schon in der Türkei oder in der Karibik.

14 Tage hat sie Sonne, Strand und türkisfarbenes Wasser genossen, die Gastfreundschaft der Cuna-Indianer kennengelernt oder Ausflüge in den Dschungel gemacht. „Meine Grundhaltung für alles im Leben ist: Ich habe tiefes Gottvertrauen. Ich bestehe aus Dankbarkeit.“ Diese Einstellung ließ sie manche Strapaze der über 20 Stunden langen Anreise von München nach Panama-City und anschließend noch drei Stunden Fahrt zum Hafen von Linton Bay, wo das Schiff lag, gut ertragen. „Ich treffe überall freundliche Menschen“, erzählt sie. Ihr Flugnachbar zum Beispiel war sehr bemüht um ihre Bequemlichkeit. Dafür überließ sie ihm gern ihren Anteil an der Armlehne. Zu Fuß ist sie nicht mehr so gut, aber schließlich gibt es ja den Rollstuhlservice an jedem Flughafen. „Das ist eine tolle Einrichtung“, findet sie.

Die San Blas Islands bestehen aus 365 kleinen Inseln. Nur die größeren davon sind bewohnt. Es hatte stets um die 33 Grad und eine Luftfeuchtigkeit von bis zu 80 Prozent. Doch auch das steckte Barbara Siede gut weg. „Nur zum Schluss musste ich mal eine Pause einlegen. Und wenn ich müde war, bin ich auf dem Boot geblieben, statt den Ausflug mitzumachen.“ Die kleine Reisegesellschaft bestand aus drei Personen, und „wir hatten eine wunderbare Gemeinschaft. Abends haben wir geankert, Spiele gespielt, und es war eine herrliche Freude, zu Wellengeschaukel in meiner Doppelkabine zu schlafen.“ Tagsüber ließ sie sich schon mal höchstpersönlich von den Wellen tragen, immer gut gesichert mit Verbindungsseil zum Schiff und einer Schwimmnudel. Einmal machten sie und ihr Sohn im Beiboot einen Ausflug auf den „Rio Diabolo“ im Dschungel. Barbara Siede freut sich heute noch, wenn sie erzählt, wie sie beim Einsteigen rücklings ins Boot geplumpst sei. Die Einheimischen, die in der Nähe waren, hätten sich erst sehr zurückgehalten. „Sie haben dort großen Respekt vor den alten Menschen.“ Erst als sie selbst zu lachen anfing, trauten sie sich mitzulachen.

Einmal wollte sie zu einer Insel, auf der ganze fünf Affen leben, und die Tiere mit Futter anlocken. „Doch die wollten nicht kommen. Jetzt muss mein Sohn die Cornflakes selber essen, die wir extra dafür gekauft haben.“ Die Cuna-Indianer beschreibt sie als klein und zierlich und „sehr, sehr freundlich“. Für wenig Geld könne man bei manchen Familien frischen Fisch und Reis essen, „und das hat wirklich gut geschmeckt“. Was das Schönste an dieser Reise war, darauf will sich Barbara Siede nicht festlegen. „Das Wasser, die Sonnenauf- und untergänge, die Begegnung mit den Menschen“, zählt sie auf. Und natürlich das Zusammensein mit ihrem Sohn.

Was ist ihr Rezept für eine solche Lebensfreude in ihrem hohen Alter? „Die positive Lebenseinstellung. Ich sage einfach Ja zu allem, was kommt.“ Daheim in Lenggries, wo sie seit 43 Jahren lebt, ist sie noch bis zum 87. Lebensjahr mit einem kleinen Tretroller in den Ort gefahren. „Aber das kann ich jetzt nicht mehr.“ Schließlich sei es ja normal, wenn man sich im Alter ein wenig einschränken müsse.

Hat sie denn niemals Angst auf Reisen? „Ich hatte ein volles, erfülltes Leben. Was soll mir noch Schlimmes passieren?“ Ines Gokus

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