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Frauenschuh in voller Blüte: Dieses Foto machte Angelika Klauß in früheren Jahren. Dieser ungewöhnlich große Stock ist nun verschwunden.

Naturschutz

Orchideen-Raub in Leger erzürnt Einheimische

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In Leger haben Unbekannte einen besonders prächtigen Frauenschuh-Stock ausgegraben und mitgenommen. Naturschützer appellieren an die Einheimischen, ihr Wissen über die Orte, wo solche geschützten Pflanzen wachsen, nicht mit jedem zu teilen.

Lenggries – Voller Vorfreude folgt Angelika Klauß dem Trampelpfad. Ein Einheimischer zeigte ihr vor wenigen Jahren den Weg. Er führt in einen lichten Waldbereich hinter Leger. Inmitten zahlloser Maiglöckchen wuchs hier eine kleine Sensation heran: ein Frauenschuh-Stock, mit bis zu 28 Blüten ungewöhnlich groß. Im Frühjahr pilgern die Eingeweihten an diesen Ort, um sich an der Blüte der seltenen Orchidee zu erfreuen. Damit ist nun Schluss. Anstelle des Frauenschuhs entdeckte Angelika Klauß vor Kurzem nur noch ein Loch in der Erde.

Ein Loch gähnt im Waldboden in Leger. Hier wuchs der prächtige Stock.

Unbekannte haben die Pfingstblume, wie der Frauenschuh wegen seiner Blütezeit im Mai oder Juni auch heißt, ausgegraben und mitgenommen. Laut Paragraf 44 des Bundesnaturschutzgesetzes ist das bei geschützten Pflanzen wie dem Frauenschuh verboten, sagt Marlis Peischer, Sprecherin am Tölzer Landratsamt. Nicht einmal pflücken dürfe man sie. „Je nach Pflanzenart und Sachverhalt stellt es eine Ordnungswidrigkeit oder eine Straftat dar.“

Angelika Klauß macht diese „mutwillige Ausrottung geschützter einheimischer Pflanzen“ fassungslos. Zumal jeder mit botanischen Grundkentnissen wisse: Der Frauenschuh gedeiht nur unter bestimmten Bedingungen wie einem kalkhaltigen Boden. Laut dem Bund Naturschutz (BN) benötigt „die wohl prächtigste Orchidee Bayerns“ zudem einen speziellen Mykorrhiza-Pilz. Beides finden die Pfingstblumen in normalen Gärten in der Regel nicht. „Das heißt, unser einzigartiges Exemplar wird irgendwo verrotten“, ärgert sich die Lenggrieserin.

Zahlen, wie oft eine geschützte Pflanze im Landkreis gepflückt oder ausgegraben wird, existieren nicht, teilt Peischer mit. Das letzte Verfahren wegen einer Ordnungswidrigkeit strengte die Untere Naturschutzbehörde 2013 an. Das höchste Bußgeld, das das Landratsamt bisher verhängte, lag bei 200 Euro. Wer jemanden beobachtet, der sich an einer geschützten Pflanze vergreift, kann sich an die Behörde wenden. „Wir gehen jedem Hinweis nach“, betont Peischer.

Mit konkreten Anhaltspunkten kann Angelika Klauß nicht dienen. Sie vermutet aber, dass kein Einheimischer den Stock ausgegraben hat. Die Naturschützerin tippt eher auf Auswärtige, deren Verhalten sie als egoistisch und skrupellos bezeichnet. Die 57-Jährige appelliert an die Einheimischen: „Bitte nicht alle Gäste und Touristen im Pulk zu unseren geheimen Plätzen führen.“

Auch Friedl Krönauer plädiert dafür, mit dem Wissen um diese Standorte sorgsam umzugehen – obwohl der Vorsitzende der BN-Kreisgruppe so eine Geheimniskrämerei traurig findet. „Eigentlich sollte sich jeder an den Blumen erfreuen können.“ Krönauer zufolge kommt es immer wieder vor, dass geschützte Pflanzen gepflückt oder ausgegraben werden – aus „grenzenloser Dummheit“. In den letzten Jahren, so Krönauers Einschätzung, sei es weniger geworden. „Der aktuelle Vorfall wirft mich in meinem Optimismus aber zurück.“

Möglichkeiten, die seltenen Gewächse zu schützen, sieht der Experte kaum. „Man will solche Naturschutzgebiete nicht einzäunen.“ Stattdessen weisen Schilder darauf hin, keine Pflanzen zu pflücken. Ein Foto zu machen sei ohnehin viel sinnvoller, findet Krönauer. „An der Aufnahme kann man sich das ganze Jahr über erfreuen.“

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