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Endlich geht es vorwärts: Der Weg für den Neubau des Pflegeheims in Lenggries scheint geebnet.

Pflegeheim: So hilft der Kreis der Gemeinde

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Welche finanzielle Unterstützung kann sich der Kreis beim Neubau des Pflegeheims in Lenggries vorstellen? Um diese Frage ging es am Montag im Kreisausschuss.

Bad Tölz/Lenggries– Dass ein Umbau des in die Jahre gekommenen Pflegeheims an der Karwendelstraße wirtschaftlich nicht sinnvoll ist, darin waren sich Gemeinde Lenggries und der Kreis, der das Heim bislang betreibt, schnell einig. Das war über Jahre aber so ziemlich der einzige Punkt. Die Gemeinde wollte, dass der Kreis neu baut und die Einrichtung weiter betreibt, der Kreistag wollte das mehrheitlich nicht. Nach langem Hin und Her, gegenseitigen Schuldzuweisungen und dem einen oder anderen harschen Wort, haben die beiden Parteien nun einen gangbaren Weg in die Zukunft gefunden.

Die Gemeinde wird als Bauherr auftreten und die Investition im zweistelligen Millionenbereich stemmen – so beschlossen in der jüngsten Sitzung. Gleichzeitig erhielt Bürgermeister Werner Weindl den Auftrag, mit dem Kreis über eine größtmögliche Beteiligung zu verhandeln. „Wir sind uns einig. Nun schauen wir, ob das Ihre Zustimmung findet“, sagte Landrat Niedermaier am Montag im Kreisausschuss.

Einmal bekommt die Gemeinde die übliche Unterstützung pro neugebauten Pflegeplatz in Höhe von 15 000 Euro. Bei 80 bis 100 Plätzen wären das 1,2 bis 1,5 Millionen Euro. Dazu gewährt der Kreis ein Darlehen in Höhe von 3,5 Millionen Euro mit einer Laufzeit von 40 Jahren. „Für die ersten 30 Jahre liegt die Zinsbindung bei 0,0 Prozent. Danach gilt der marktübliche Zinssatz“, erläuterte Abteilungsleiter Wolfgang Krause. Dass dies durchaus eine große Unterstützung darstellt, verdeutlichte Kämmerer Ralf Zimmermann. Da der Landkreis das Geld für das Darlehen nicht in der Schublade liegen hat, wird er einen Kredit aufnehmen müssen. „Und den werden wir nicht zu 0,0 Prozent bekommen.“ Mit Blick auf die anderen Verpflichtungen – Stichwort: S-Bahn-Verlängerung – stelle das Ganze schon eine Belastung für den Kreishaushalt dar. „Ich fände es schön, wenn man auch in der öffentlichen Meinung anerkennen könnte, dass es sich hier um ein großes Entgegenkommen handelt und sich der Kreis nicht aus der Verantwortung stiehlt“, sagte Zimmermann mit Blick auf Bemerkungen im Gemeinderat.

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Fällt das alte Gebäude an Lenggries zurück, schmälert das das Vermögen der Kreisklinik – zu ihr gehört das Pflegeheim bislang. Das muss finanziell ausgeglichen werden. Auch diese rund 637 000 Euro trägt der Landkreis. Er kommt zudem für ein Darlehen mit sehr langer Laufzeit in Höhe von knapp 500 000 Euro auf – sofern der einstige Neubauteil des Heims im Zuge der künftigen Planungen nicht weiter verwendet werden kann. Eine Nachnutzung mit Büros oder Personalwohnungen erscheint hier aber durchaus denkbar. Das soll dem künftigen Betreiber ans Herz gelegt werden. Gibt es eine Nachnutzung, gleicht Lenggries den Betrag aus.

Außerdem trägt der Landkreis die Kosten für die Arbeitsgruppe für Sozialplanung und Altersforschung. Sie wird Gemeinde und Kreis bei der Suche nach dem künftigen Betreiber beraten und begleiten. 12 000 Euro stehen dafür im Raum.

Wichtig war für die Lenggrieser immer, dass die Kündigung der Nutzungsvereinbarung für das Heim zurückgenommen wird, um Bewohnern, Angehörigen und Mitarbeitern Sicherheit zu geben. Nach derzeitigem Stand wäre die Vereinbarung Ende 2019 ausgelaufen. Bis dahin ist aber bestenfalls die Planung für den Neubau abgeschlossen. „Wir wollen die Kündigung zurücknehmen. Wenn der Ersatzneubau bezugsfertig ist, werden wir die Vereinbarung im gegenseitigen Einvernehmen aufheben“, so Krause.

„Ich bin froh, dass es einer Lösung entgegengeht“, sagte Grünen-Fraktionschef Klaus Koch. Dass sich hier der Kreis mehr als in anderen Gemeinden einbringe, „kann man aus der Historie begründen“. Es handle sich hier nun einmal um ein Kreispflegeheim. „Sich ganz zurückzuziehen, wäre nicht richtig gewesen.“ Auch FW-Fraktionschef Hans Sappl findet es gut, „dass der Weg endgültig geebnet ist“. Landrat Niedermaier war „heilfroh, dass es in die Zukunft geht“.

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Die Zustimmung zu den Unterstützungsvorschlägen erfolgte einstimmig. Am 15. Oktober wird sich erneut der Lenggrieser Gemeinderat, zwei Tage später der Kreistag mit dem Thema befassen. Stimmen alle zu, werden Kreis und Gemeinde ein Exposé an potenzielle Betreiber, die bereits Heime im Landkreis haben, verschicken. Anfang 2019 soll dann ein Betreiber gefunden sein, dessen Vorstellungen in die Planungen mit einfließen sollen.

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