Vor laufender Handy-Kamera. Die Teilnehmer der Podiumsdiskussion: (v. li.) Stefan Klaffenbacher, Klaus Hanus, Moderatorin Veronika Ahn-Tauchnitz und Tobias Raphelt in der Redaktion der Heimatzeitung.
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Vor laufender Handy-Kamera. Die Teilnehmer der Podiumsdiskussion: (v. li.) Stefan Klaffenbacher, Klaus Hanus, Moderatorin Veronika Ahn-Tauchnitz und Tobias Raphelt in der Redaktion der Heimatzeitung.

Live-Stream des Tölzer Kurier

Podiumsdiskussion mit den Lenggrieser Bürgermeisterkandidaten: Von der Jugendarbeit bis zur Kaserne

Diese Podiumsdiskussion hat für überaus großes Interesse gesorgt – und das ohne Publikum vor Ort. Der Live-Stream mit den drei Bürgermeisterkandidaten am Donnerstagabend war der „Straßenfeger“ in Lenggries.

  • Am 13. September wird in Lenggries der Nachfolger des verstorbenen Bürgermeisters Markus Landthaler gewählt
  • Für das Amt bewerben sich Stefan Klaffenbacher (FWG), Klaus Hanus (Grüne) und Tobias Raphelt (SPD).
  • Im Livestream stellten sie sich den Fragen von Kurier-Redaktionsleiterin Veronika Ahn-Tauchnitz

Lenggries – Zehn Tage vor der Nachwahl in Lenggries stellten sich die drei Bewerber um das Bürgermeisteramt im Büro der Heimatzeitung vor – vor der Kamera unserer Online-Redaktion. Die übertrug live das gut zweistündige Gespräch, das gut 10 000-mal aufgerufen wurde.

Redaktionsleiterin Veronika Ahn-Tauchnitz fühlte den Bewerbern gehörig auf den Zahn. Zudem gab sie die vorab und während der Übertragung gestellten Fragen weiter. Klaus Hanus (Grüne), Stefan Klaffenbacher (Freie Wählergemeinschaft) und Tobias Raphelt (SPD) machten ihre Sichtweise zu den Sachthemen deutlich.

Gewonnen haben an diesem Abend alle – vor allem die Wähler. Sie sind aufgerufen, am Sonntag, 13. September, einen Nachfolger für Markus Landthaler zu wählen, der am Fronleichnamstag nach nur sechswöchiger Amtszeit überraschend gestorben ist. Moderatorin Veronika Ahn-Tauchnitz eröffnete deshalb die Runde mit einem stillen Gedenken an Landthaler.

Hier einige Schwerpunkte des Diskussionsabends:

Kasernen-Entwicklung

Die Zukunft des ehemaligen Bundeswehr-Standorts hatte bereits im Februar bei der Podiumsdiskussion vor Publikum im Alpenfestsaal breiten Raum eingenommen. „Wie schaut die Prinz-Heinrich-Kaserne Ihrer Meinung nach in zehn Jahren aus?“, wollte Ahn-Tauchnitz von den drei Bewerbern wissen. Tobias Raphelt bekräftigte seine Haltung, die er bereits vor sieben Monaten im Alpenfestsaal erklärt hatte: „Ich wünsche mir dort oben bezahlbaren Wohnraum.“. Er könne sich Miet- und auch Eigentumswohnungen vorstellen, sagte der SPD-Mann. Vor allem müsse man die zunehmend verfallenden Gebäude bald wieder mit Leben erfüllen. Die Turnhalle müsse man schnellstens einer neuen Nutzung zuführen.

Auch Klaus Hanus von den Grünen sieht im ehemaligen Kasernengelände Platz für Wohnraum. Dafür müsse man sich geeignete Partner ins Boot holen. „Dafür brauchen wir Profis“, sagte er. Die Nutzungsmöglichkeiten seien derzeit eingeschränkt, weil sich der bestehende Denkmalschutz „kontraproduktiv“ auswirke. Konkret schwebt ihm eine Markthalle vor, „damit die Lenggrieser wenigstens hin und wieder mal da rauf kommen“. Dass auch die Eigentümer der Gebäude, die in privater Hand seien, an einer wohnlichen Nutzung interessiert seien, müsse man verstehen. „Da muss man halt Zugeständnisse machen“, sagte er.

Klaus Hanus kandidiert für die Grünen.

Eine Wohnraumnutzung im Bereich der Kaserne sieht Stefan Klaffenbacher dagegen „sehr skeptisch“. Lenggries sei nicht darauf ausgerichtet, „dass sich da ein neuer Ortsteil entwickelt“, so der Freie-Wähler-Kandidat. Der Ensembleschutz schränke die künftigen Nutzungen extrem ein. Als Bürgermeister würde er sich nach einem geeigneten Investor umschauen. Klaffenbacher schwebt ein Mix aus touristischer, gewerblicher und sportlicher Nutzung vor. Man sollte „Anstrengungen in Richtung eines neuen Hotels“ unternehmen. Zudem gab er zu bedenken, dass auf den gemeinde-eigenen Gebäuden eine sogenannte Aufzahlungsverpflichtung gegenüber dem vormaligen Besitzer laste, die die Kommune unter Umständen einen siebenstelligen Betrag kosten könnte. „Deshalb muss das alles sehr genau überlegt sein.“

Stefan Klaffenbacher tritt für die FWG an.

Dass ein Teil des Kasernengeländes auch ein Platz für die Jugend sein könnte, mit dieser Idee können sich alle drei Bewerber mehr oder weniger anfreunden, versicherten sie, nachdem die Moderatorin diesbezügliche Leserfragen weitergeleitet hatte.

Jugend

Junge Wähler haben ihre eigenen Wünsche. Sie wollen einen „mietbaren Partyraum, ein vereinfachtes Genehmigungsverfahren für ein Bauhüttl und mehr Stellen für die Jugendarbeit“, fasste Ahn-Tauchnitz einige der eingegangenen Anfragen zusammen. „Die nächste Bürgermeister-Generation ist ganz nah an der Jugend dran“, versprach Klaus Hanus (45). Auch „Jungspund“ Stefan Klaffenbacher (33) versprach: „Wir müssen was für die Jugend tun.“ Und Tobias Raphelt (47) machte deutlich: „Wir haben das schon zum Jahresanfang in unser Wahlprogramm aufgenommen.“

Tourismus

Dem „sanften Tourismus“ fühlen sich alle drei Bewerber verpflichtet. „Das macht Lenggries bereits seit Jahren“, sagte Stefan Klaffenbacher. Mit über 150 privaten Vermietern von Zimmern und Ferienwohnungen sowie Hotels sei man breit und gut aufgestellt. Klaus Hanus dagegen sieht noch Luft nach oben. „Wir müssen uns klar werden, was wir wollen – und dann müssen wir uns strategisch besser aufstellen“, sagte er. Die E-Mobilität müsse man mehr im Blick haben.

Für Tobias Raphelt haben die Demonstrationen am Kochel- und Walchensee in diesem Somer gezeigt, „dass die Menschen vor Ort von dem Ansturm der Tagestouristen aus München nicht begeistert sind“. Seiner Ansicht nach müsse man unter anderem mehr Angebote für Camper schaffen und insgesamt „die Übernachtungszahlen in die Höhe bringen“.

„Fiese“ Fragen

Auch von den „fiesen“ Fragen der Moderatorin zu Abschluss ließen sich die Diskussionsteilnehmer nicht aus dem Konzept bringen. Tobias Raphelt, der bei der Wahl im März nur acht Prozent der Stimmen erhalten hat, sieht sich trotzdem weiter in der Pflicht, auch bei dieser Nachwahl anzutreten. Sein Ziel: „Ich will Bürgermeister werden.“ Klaus Hanus, der nach vergeblichen Anfragen bei den Freien Wählern und bei der CSU schließlich „bei den Grünen gelandet ist“, fühlt sich da mittlerweile gut aufgehoben, auch wenn er lieber als Parteiloser kandidiert hätte. „Aber ich wollte unbedingt antreten.“

Tobias Raphelt ist Bürgermeisterkandidat der SPD.

Mit einem klaren Ja beantwortete Stefan Klaffenbacher die Frage: „Kann man Chef sein wollen, wenn man als Lehrling nicht zum Zuge gekommen ist?“ Er hatte bei der Kommunalwahl im März für den Gemeinderat kandidiert, aber nicht die erforderliche Mehrheit erhalten. Gemeinderat und Bürgermeister seien zwei paar große, aber unterschiedliche Schuhe, so seine Meinung.

Einen eindringlichen Appell richtete die Moderatorin abschließend an alle Lenggrieser: „Bitte gehen Sie zur Wahl.“ Nicht wählen, das sei keine Lösung, sagte Ahn-Tauchnitz. Auch die Mitglieder der CSU, die bekanntlich keinen Kandidaten ins Rennen schickt, dürften durchaus eine andere Partei oder Wählervereinigung ankreuzen, scherzte die Redaktionsleiterin. „Sie alle haben es in der Hand, wer künftig an der Spitze von Lenggries steht.“

Verraten haben die Kandidaten übrigens auch, welchen Mitbewerber sie bei einer möglichen Stichwahl wählen würden. Sollten Stefan Klaffenbacher oder Klaus Hanus im ersten Wahlgang ausscheiden, wäre es für jeden klar: „Ich würde den Tobi wählen“, sagten sie wie aus einem Mund. Tobias Raphelt dagegen musste lange überlegen, ehe er sagte: „Ich würde mich dann für Stefan Klaffenbacher entscheiden.“

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