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Musiker mit politischer Botschaft: Pippo Pollina begeisterte am Mittwoch im Tölzer Kurhaus. 

Umjubelter Auftritt im Tölzer Kurhaus

Pollina: Jetzt muss man für europäische Werte kämpfen

Pfingstferien in Sizilien? Warum nicht! Sonne, Meer, gutes Essen und – natürlich – ein Besuch im Teatro Massimo in Palermo. Denn dort gibt Pippo Pollina Anfang Juni zwei Konzerte, Tickets sind noch zu haben. Einen allerdings ziemlich ungewöhnlichen Ort hatte sich der sizilianische Liedermacher für seine Konzertwerbung ausgesucht: das Kurhaus in Bad Tölz.

Bad Tölz – Bereits zum neunten Mal war er auf Einladung des Lenggrieser KKK im Landkreis zu Gast und sorgte für einen restlos ausverkauften Saal. Im Rahmen seiner Europatournee präsentierte er sein neues Album „Il sole che verrà“ zusammen mit dem Palermo Acoustic Quintet. Die fünf virtuosen Instrumentalisten an Gitarren, Bass, Schlagzeug, Akkordeon, Keyboard, Klarinette und Saxofon sorgten für den unverkennbaren Pollina-Sound, der verträumte Melodien mit manchmal fast hektisch wirkenden Rhythmen verbindet.

In einer klug ausgearbeiteten und dezent choreografierten Bühnenshow spielen auf dieser Tournee Musik, Licht und Videoprojektion optimal zusammen. Während Roberto Petroli eine wehmutsvolle Melodie auf dem Saxofon spielte, trat Pippo Pollina aus dem Dunkel der Hinterbühne. Unter tosendem Applaus entführte er mit seiner markanten Stimme das Publikum auf Sizilianisch, Italienisch und Deutsch in eine eigene Welt.

Canta e cunta – sie singt und erzählt, sagte man in Palermo einst über die Volkssängerin Rosa Balistreri. Canta e cunta, genau das macht Pippo Pollina. In einem beeindruckenden Plädoyer fordert der Wahl-Züricher, der sich in seiner Heimat gegen die mafiösen Machenschaften vieler Politiker engagierte, mehr Eigenverantwortung zu übernehmen. Die Politik sei derzeit nicht mehr in der Lage, die Werte zu schützen, das müsse jetzt jeder einzelne übernehmen. Vor allem die Künstler hätten die Möglichkeit, Verantwortung zu übernehmen und die europäischen Werte im Gespräch zu halten. Ein hoher Anspruch, den Pollina mit diesem Programm tatsächlich einhalten kann.

Canta e cunta, er singt und erzählt mit charmanter Sicilianità und starker, modulationsfähiger Stimme vom boxenden Kriegsdienstverweigerer Muhammad Ali, der für seine Überzeugung ins Gefängnis ging, von der Hoffnung der Bootsflüchtlinge, von den Errungenschaften der kubanischen Revolution, vom trennenden und verbindenden Meer. Und während man bei manch einem seiner Gedanken in den Moderationen noch überlegt, ob er vielleicht etwas zu plakativ, gewollt und verallgemeinernd ist, ob ein Filmausschnitt über Muhammad Alis Geschichte wirklich ernst gemeint ist, fängt Pollina zu singen an – und seine Geschichten bekommen in den Liedern einen über alle Zweifel erhabenen Tiefgang.

Canta e cunta. Pollina gelingt es, die Distanz zwischen Bühne und Publikum zu überwinden, wenn er scheinbar spontan und ganz privat aus seinem Leben erzählt, vom dramma familiare beim Auszug seiner Tochter berichtet und über Freundschaft philosophiert. Dabei driftet er trotz mancher Sentimentalität nie in Kitsch ab, was auch den großartigen instrumentalen Arrangements der Songs zu verdanken ist.

Das Publikum im Tölzer Kurhaus klatschte begeistert mit und dankte Pollina und seinen Musikern mit stehenden Ovationen. Stehend forderte es eine lange Reihe an Zugaben alter Hits des Liedermachers, der mit einem Augenzwinkern bewies, dass er nicht nur Sizilianisch, Italienisch, Deutsch und Schwyzerdytsch beherrscht, sondern auch Bairisch. Wie gut, dass man Flugtickets online kaufen kann, denn sicher sind im Anschluss an das Konzert am Abend noch einige Flüge für Pfingsten nach Palermo gebucht worden. 

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