Deutschlandweite Initiative

Preisgekrönter Förderer der Reparatur

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Der Lenggrieser Tom Hansing freut sich über eine Auszeichnung für die „Anstiftung“, bei der er als wissenschaftlicher Mitarbeiter tätig ist. Mit ihrem Nachhaltigkeitspreis würdigt die Brauerei Lammsbräu den Einsatz für Reparatur-Initiativen.

Lenggries/Neumarkt – Reparieren statt wegwerfen, machen statt reden, zusammenhelfen statt konkurrieren: Diese Grundüberzeugungen lebt der Lenggrieser Tom Hansing täglich vor. Als wissenschaftlicher Mitarbeiter der „Anstiftung“, einer Stiftung mit Sitz in München, engagiert er sich für das deutschlandweite Netzwerk Reparatur-Initiativen. Als Vertreter dieser gemeinnützigen Plattform durfte Hansing nun einen Nachhaltigkeitspreis der Neumarkter Brauerei Lammsbräu entgegennehmen. Er wurde bereits zum 16. Mal vergeben.

„Darauf sind wir sehr stolz“, sagt Hansig, der das Netzwerk als Stellvertreter für all die Reparatur-Einrichtungen im Land sieht. Rund 700 gibt es laut dem Lenggrieser mittlerweile in Deutschland, 600 haben sich dem Netzwerk angeschlossen. Hansing hat vor vielen Jahren selbst eine offene Werkstatt in Berlin, seinem Lebensmittelpunkt, gegründet. Für die Stiftung berät er Gleichgesinnte, die eine Initiative jenseits des Kapitalmarkts starten wollen.

Das Motto: Statt Kaputtes gleich wegzuwerfen und Ersatz im Internet oder Kaufhaus zu besorgen, sollen die Menschen selbst Hand anlegen an der Technik im Alltag – an den Haushaltsgeräten, am Fahrrad, Computer oder der Spielzeug-Eisenbahn der Kinder. In den Repair-Cafés und offenen Werkstätten kommen Experten und Laien zusammen. Alle lernen, alle haben Spaß, und es sollen noch mehr werden: So stellt Hansing sich das vor. „Wenn es irgendwann selbstverständlich wird, dass jeder seine Dinge in der Nähe reparieren lassen kann, wird aus dieser Nische vielleicht einmal Mainstream.“

Reparierbarkeit gelte heutzutage immer seltener als Qualitätsmerkmal. Manche Smartphones seien so verschraubt, dass man sie mit auf dem freien Markt verfügbaren Werkzeugen gar nicht öffnen könne. Gerade bei Unterhaltungselektronik habe man oft den Eindruck, die Geräte seien so konstruiert, dass sie schnell kaputt gehen. Der Soziologe nennt das „geplante Obsoleszenz“ und spricht von „Manipulierungsstrategien der Wirtschaft“.

Und was passiert mit den 2000 Euro Preisgeld? Es gebe mehrere Ideen, sagt Hansing. Auf jedem Fall sollen Reparatur-Initiativen direkt davon profitieren. Und dann hat der Mann mit der Lebenseinstellung „Kein Konsum ist der beste Konsum“ noch eine Nachricht für den Isarwinkel: „Dort ist etwas Spannendes in Planung. Ich melde mich wieder.“ 

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