Berichte: Schüsse und Verletzte in Straßburg - Bewohner sollen zu Hause bleiben

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So könnte die Sporthalle von Camp Woodward aussehen, in der beispielsweise Skater und Freestyler trainieren können.

Ehemalige Kaserne

Camp Woodward Lenggries: Am Ende?

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Lenggries - Je nachdem, wen man fragt, hat das Projekt Camp Woodward noch gute Chancen auf Realisierung oder ist gescheitert

Es klang wie die perfekte Nutzung: 2010 legte die Projektgesellschaft Action Sports für einen Teil der ehemaligen Prinz-Heinrich-Kaserne ihr Konzept vor, dort Camp Woodward Europe (CWE) zu errichten. Jugendliche aus aller Welt sollten dort drinnen und draußen beste Trainingsmöglichkeiten für Trendsportarten wie Skaten, BMX-Fahren, aber auch Cheerleading finden. 34 Millionen Euro sollten investiert werden. Gary Ream, Gründer des amerikanischen Camp Woodwards, reiste extra aus den Staaten an, um die Idee in Lenggries vorzustellen. Fünf Jahre später ist nichts von den hochfliegenden Plänen verwirklicht. „Camp Woodward wird in der geplanten Form nicht zustande kommen“, sagt Carl Zwerenz, einer der Haupteigentümer der Kasernenflächen auf Anfrage. Initiator Hans Geiger sieht das völlig anders.

Geiger war von Anfang an Feuer und Flamme für die Idee. Er war es auch, der die Gesellschaft, die die Kaserne 2009 gekauft hatte, Camp Woodward und die Gemeinde an einen Tisch brachte. „Und ich habe nach wie vor überhaupt nicht aufgegeben, das Projekt voranzutreiben“, sagt der Lenggrieser Unternehmer, der mit seiner Firma weltweit Rampen für Skateranlagen baut.

Allerdings wirkt es so, als wäre er mit diesem Enthusiasmus allein auf weiter Flur. Geiger räumt ein, dass es innerhalb der Projektgesellschaft gärt. Anfangs spricht er von „Querelen“ oder von „Unstimmigkeiten“. Später im Gespräch sagt er dann: „Es ist so eine Katastrophe.“ Diese Querelen – offenbar hauptsächlich zwischen ihm und Zwerenz – führten auch dazu, dass Geiger nach eigenen Angaben mittlerweile nicht mehr Geschäftsführer der CWE-Betriebsgesellschaft ist.

Er bestätigt auch den Eindruck, den Außenstehende seit Längerem haben: „Das Projekt Camp Woodward wird absichtlich nicht vorangetrieben“, sagt Geiger. „Mit Herrn Zwerenz und Co. wird sich das nicht verwirklichen lassen.“ Daher suche man andere Möglichkeiten: „Wir arbeiten mit Hochdruck daran.“

Zwerenz selbst stellt die Sache völlig anders dar. Fakt sei, dass Gary Ream das US-Camp Woodward im Herbst 2012 überraschend an „Powdr LTD“ verkauft habe. „Und die neuen Eigentümer haben kein Interesse an einem Projekt in Europa. Bei Gary Ream war das anders.“ Es sei aber von Anfang an klar gewesen, dass Action Sports niemals als Betreiber des Camps auftreten würde, betont Zwerenz. Da es dabei nun allerdings keine Unterstützung aus den USA geben würde, sei das Projekt hinfällig, „weil eine tragbare Vereinbarung mit Camp Woodward einfach nicht zustande kam“. Dabei wolle er hier keine Schuld zuweisen, ergänzt Zwerenz. „Das Ganze ist so einfach nicht realisierbar.“ Dass es Querelen innerhalb von Action Sports gebe, entspreche ebenfalls nicht den Tatsachen. „Eigentlich sind sich bis auf einen Minderheitengesellschafter alle einig“, sagt Zwerenz mit Blick auf Geiger. „Und zwischen Träumereien und wirklicher Umsetzung ist eben ein Unterschied. Von Träumereien kann ich nicht abbeißen.“

Nach wie vor ist Zwerenz aber an einer „sinnvollen Nutzung, die im Rahmen des Bebauungsplans möglich ist“, interessiert. Viel Spielraum lässt der freilich nicht. Denn tatsächlich ist der vorhabenbezogene Bebauungsplan allein auf die Umsetzung des Jugend- und Sportcamps zugeschnitten. Allerdings habe die Gemeinde Bereitschaft gezeigt, davon abzurücken, behauptet Zwerenz. Nur Wohnen sei ausgeschlossen. Bürgermeister Werner Weindl legt an der Stelle vehement Widerspruch ein. Die Gemeinde, betont der Rathauschef, sei in keinster Weise bereit, von dem Bebauungsplan abzuweichen. Das zeigten auch die jüngsten Entscheidungen des Gemeinderats. Abgelehnt wurde beispielsweise zweimal eine Nutzungsänderung für den alten Mulistall.

Dass Zwerenz an einer Verwertung der Immobilie interessiert ist, liegt auf der Hand: Schließlich habe Action Sports bislang 1,8 Millionen Euro in Planungs- und Gutachterkosten sowie den Unterhalt gesteckt. „Wir werden die Immobilie sicher nicht verfallen lassen. Wir sind ja auch die einzigen, die bislang Geld reingesteckt haben.“ Denkbar wäre beispielsweise, „ein ähnliches Konzept wie Woodward umzusetzen. Ich bin offen für jede konstruktive Idee“. Wichtig sei ihm dabei, „einen Konsens mit der Gemeinde zu finden“.

Bürgermeister Werner Weindl spricht allerdings von einem „eher sporadischen“ Kontakt zwischen Action Sports und der Gemeinde. Ab und zu gebe es mal ein Schreiben. „Und da ist immer noch von Camp Woodward die Rede.“ Zumal nach seinem Wissen „Gary Ream nach wie vor auf der Suche nach einem Camp-Standort in Europa ist, und bevorzugt eben in Lenggries“. Das Projekt werde von Geiger auch „vehement vorangetrieben“.

Dass sich die Gemeinde mit einer anderen Nutzung der Kaserne nicht anfreunden will, zeigt auch die Tatsache, dass sie das Landratsamt wiederholt aufgefordert hat, die aus ihrer Sicht nicht genehmigten Zwischennutzungen in der Immobilie zu unterbinden.

Tatsächlich herrscht auf dem Areal nämlich reger Betrieb. Allerlei wird dort beispielsweise gelagert und untergestellt. Der Baukontrolleur des Landratsamts sei am 4. Juni 2014 und am 8. April 2015 vor Ort gewesen, sagt Behörden-Pressesprecherin Sabine Schmid. Dann habe es allerdings einen Bearbeiterwechsel im Landratsamt gegeben, andere Dinge seien zudem als vordringlicher betrachtet worden. „Deshalb ist danach leider nichts passiert.“

Nun aber habe die neue Juristin Daniela Fröhlich „die Weiterbearbeitung veranlasst. Wir werde uns darum kümmern“, sagt Schmid. Als erstes erfolge nun eine Einschätzung, welche Nutzung zulässig ist und welche nicht. Dann bekomme der Eigentümer die Möglichkeit zur Stellungnahme. Am Ende könnte die Behörde eine Nutzungsuntersagung aussprechen.

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