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Ehemaliger Profi-Sportler: Yves Moubayed joggt durch seinen Heimatort Lenggries. Als Triathlet hat er an Welt- und Europameisterschaften teilgenommen. Die „Blaumacher“-Vorwürfe haben ihn „in seiner Ehre gekränkt“.

Prozessauftakt am Arbeitsgericht in München

Schwere Mobbing-Vorwürfe in Hohenburg

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Die Kirche wollte diesen Prozess laut Yves Moubayed mit allen Mitteln verhindern, habe ihm sogar gedroht. Dennoch hat der Lehrer an der Realschule Lenggries eine Kollegin auf 13 000 Euro Schmerzensgeld verklagt – wegen Beleidigung und Verleumdung. Der Anwalt der Pädagogin und die Erzdiözese weisen die Vorwürfe zurück.

Lenggries/München – Da staunte selbst die erfahrene Richterin am Arbeitsgericht München: ein Lehrer, der eine Kollegin wegen Rufmords verklagt – so ein Fall hat Seltenheitswert. Zum Prozessauftakt erklärte Yves Moubayed, dass er sich nicht mehr anders zu helfen gewusst hätte. „Ich fühle mich diffamiert und von der Kirche in die Ecke gedrängt“, sagte der Sport- und Biologie-Lehrer an der St.-Ursula-Realschule in Lenggries. Deren Träger, die Erzdiözese München, habe ihn massiv unter Druck gesetzt, nicht gerichtlich gegen die Frau vorzugehen, die ihm mehrmals vorgeworfen haben soll, blaugemacht zu haben.

Moubayed unterrichtet seit neun Jahren in Hohenburg. Probleme habe es in dieser Zeit nie gegeben, sagt er – bis sich der ehemalige Profi-Sportler im vergangenen Herbst an der Schulter operieren lassen musste. 15 Wochen war Moubayed krankgeschrieben. Zurück kam er nach eigenen Angaben bereits nach acht Wochen. Aus Pflichtbewusstsein, wie er der Richterin erklärte.

Dennoch nahmen ihm zwei Kolleginnen offenbar übel, dass sie ihn zwei Monate lang hatten vertreten müssen. „Ein Kollege hat mich darauf hingewiesen, dass mich die Damen hinter meinem Rücken als ,Schwänzer‘ und ,Blaumacher‘ bezeichneten.“ Als er die Frauen zur Rede stellte, sei die eine zurückgerudert. „Die andere hat mich angeschrien und weiter diffamiert. Auch in der Öffentlichkeit.“ Deshalb gelte er jetzt als Blaumacher. Einige Lehrer verließen sogar den Raum, wenn er hereinkomme. „Ich fühle mich in meiner Ehre massiv gekränkt.“

Beim Versuch, die Sache außergerichtlich zu regeln, hätten ihm weder der Schulleiter noch die Erzdiözese geholfen. Im Gegenteil: Die Kirche habe ihm ganz offen gedroht, dass er die Konsequenzen zu spüren bekommen werde, wenn er nicht von einer Klage absehe. Laut Moubayeds Anwalt Thomas Etzel hat die Erzdiözese diese Ankündigung bereits wahr gemacht: „15 Minuten vor Verhandlungsbeginn bekam mein Mandant einen Anruf von der Schule. Es hieß, dass er bis auf Weiteres von seinem Dienst freigestellt ist.“

Bettina Göbner bestätigt diese Aussage auf Anfrage des Tölzer Kurier. „Zu den Gründen darf ich mich nicht äußern“, sagt die Mitarbeiterin in der Pressestelle der Erzdiözese. Gleichzeitig weist Göbner den Vorwurf zurück, die Erzdiözese habe nichts unternommen, als sie von den Mobbing-Vorwürfen in Hohenburg erfahren habe. „Wir haben natürlich ein großes Interesse daran, solche Dinge aufzuklären“, betont Göbner. In Konsequenz habe es Gespräche mit allen Beteiligten gegeben. „Eine Lösung war in diesem Fall aber leider nicht möglich.“

Moubayed selbst darf sich zu dem laufenden Verfahren nicht äußern. Über seinen Anwalt lässt der Lehrer aber verlautbaren, dass es ihm nicht um die 13 000 Euro Schmerzensgeld gehe. „Das würde mein Mandant auch spenden“, sagt Etzel. Vielmehr sei ihm wichtig, dass sein guter Ruf vollständig wiederhergestellt wird. Er verlangt deshalb, dass seine ehemalige Kollegin Äußerungen wie „Schwänzer“ oder „Blaumacher“ zurücknimmt.

Genau das ist der Knackpunkt: Laut Gerhard Rieger hat die Angeklagte solche Worte nämlich nie in den Mund genommen. Der Fachanwalt für Arbeitsrecht vertritt die Pädagogin und stellt auf Nachfrage klar, dass nur der Kollege, der Moubayed von dem Tratsch hinter seinem Rücken erzählt hat, solche Formulierungen benutzt habe. Und der habe sich inzwischen von diesen Aussagen distanziert. „Meine Mandantin hat Herrn Moubayed auch nie angeschrien“, sagt der Jurist aus München.

Wer die Wahrheit sagt, müssen die Richter entscheiden. Ein neuer Gerichtstermin steht noch nicht fest.

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