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Eisklettern in der Eishöhle: Aufgrund der schlechten Witterung am Berg musste das DAV-Team in eine Höhle im Karst der Araviskette ausweichen

Deutscher Alpenverein

Prüfung am Berg bestanden: Lenggrieser ausgewählt für Expedkader

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Der Expeditionskader ist das Aushängeschild des Deutschen Alpenvereins im Leistungsbergsteigen.  Ein Lenggrieser wurde dafür jetzt ausgewählt.

Chamonix/Lenggries– Der Expeditionskader – kurz Expedkader – ist das Aushängeschild des Deutschen Alpenvereins (DAV) im Leistungsbergsteigen. Alpin-, Riss-, Trad-, Eis-, Mixed- oder Bigwall-Klettern, Hochtouren, Lawinenkunde, Bergrettung und Mentaltraining.

Ziel ist es, in drei Jahren alpine Allrounder auszubilden, die auch in schwierigsten Situationen einen Weg durch die steilsten Wände finden. Zu einer strengen Selektion wurden vor zwei Wochen 14 hoch motivierte junge Alpinisten zum Sichtungscamp nach Chamonix (Frankreich) am Fuß des Mont Blanc eingeladen. Aus 14 mach’ 6 lautete die Devise. Unter den Bergrekruten befand sich auch der Lenggrieser Andreas Lindner. „Schon die Einladung nach Chamonix war für mich eine große Ehre“, sagt Lindner. Dass die Leistungen des Isarwinklers dann sogar zur Aufnahme in den Expedkader reichten, setzte sozusagen der Steilwand das Gipfelkreuz auf.

Lenggrieser für Expedkader ausgewählt

Denn im Zentrum des französischen Alpinismus haben die Kadertrainer und Bergführer alle Möglichkeiten, um das Können der Bewerber in allen Disziplinen zu testen – wenn das Wetter mitspielt.

Anderl Lindner.

 Doch das war in dem einwöchigen Prüfungszeitraum ganz und gar nicht aufseiten der jungen Bergsteiger. Regenwetter und Sturm setzten sich in den Hochsavoyen fest; während der ganzen Woche zeigten sich nur wenige Auflockerungen. So präsentierte sich das Mont-Blanc-Massiv oberhalb von 2500 Metern im tiefsten Winterkleid, nicht einmal die Seilbahnen fuhren wegen des Windes planmäßig. „Das Wetter war nicht optimal, aber wir haben das Beste daraus gemacht“, sagt Lindner. Als Mitglied der Lenggrieser Bergwacht weiß er, wenn’s Spitz auf Knopf steht und sich Wanderer verstiegen oder verirrt haben, kann man auch keine Rücksicht auf das Wetter nehmen.

Bei Orkanböen wird selbst eine vermeintlich leichte Tour zur Herausforderung

Die vielfältigen alpinen Möglichkeiten am Glacier du Geant und Col du Midi fielen also aus. Dennoch wurde das umfangreiche Programm mit einigen Einschränkungen durchgeführt: Die Teilnehmer rannten im Zuge des obligatorischen Berglauf-Konditionstests 1000 Höhenmeter den Brevent hinauf, wurden im Klettergarten in allen möglichen Sicherungs- und Seiltechniken bis hin zum Technoklettern geschult, im steilen Eisklettern geprüft und mussten im Mehrseillängen-Klettern ihre Technik unter Beweis stellen.

Um das Eiskönnen der Bewerber zu testen, fanden die fünf Bergführer um Kadertrainer Fritz Miller eine ganz besondere Schlechtwetteralternative: Eine Eishöhle im Karst der Araviskette, in der – im grünen Wald – wie in einem Tiefkühlfach überhängendes Eis auch zu dieser Jahreszeit erhalten bleibt. „Total abgefahren. So eine überhängende Eiswand ist technisch sehr schwierig. So was hat man nicht oft zu klettern.“

Eine kurzfristige Wetterbesserung wurde zum Tradklettern am Brevent genutzt, zwei Gruppen überrannten sogar den Papillongrat an der Aiguille du Peigne – bei winterlichen Verhältnissen und Orkanböen wird selbst eine vermeintlich leichte Tour zur Herausforderung. „Aber cool war’s allemal“, so Lindner, der umso mehr strahlte, als er erfuhr, dass er in den sechsköpfigen Kader aufgenommen wurde. Die Auswahl war nicht leicht. „Das Niveau der Bewerber lag eng zusammen, sodass die Entscheidung viel Kopfzerbrechen bereitet hat“, stellt Fritz Miller klar, Leiter dieses elften Expedkaders und selbst Mitglied eines früheren Kaders. Die weiteren fünf Nachwuchsalpinisten sind: Hermann Böttcher (München-Oberland), Korbinian Fischer (München-Oberland), Korbinian Grünauer (Garmisch-Partenkirchen), Fabian Hagenauer (Rosenheim) und Florian Storkenmaier (Wangen).

Das Programm des Kaders startet im Sommer und wird sich in den kommenden zweieinhalb Jahren um Themen wie Alpinklettern, Technoklettern, Bigwall, Rissklettern, Eisklettern, Hochtouren, Lawinen und Bergrettung drehen. Am Ende der Kaderzeit steht wie immer eine gemeinsame Abschlussexpedition an. „Leicht wird’s nicht“, weiß Anderl Lindner, „aber ich werde mich richtig reinhängen.“

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