Flohmarkt in München-Riem
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Während der Flohmarkt in München-Riem schon seit einer Weile wieder stattfindet, ist für die Schnäppchenjäger in der Region noch kein Stand in Sicht.

Veranstalter winken vorläufig ab

Flohmärkte im Tölzer Land: Raritätensuche muss warten

  • Andreas Steppan
    vonAndreas Steppan
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Flohmärkte dürfen nach der Corona-Pause prinzipiell wieder stattfinden. Doch die Auflagen halten die Veranstalter in Bad Tölz-Wolfratshausen zurzeit noch ab.

  • Kleinere Floh-, Kunst- und Handwerkermärkte sind in Bayern seit 15. Juli wieder erlaubt - aber nur unter strengen Auflagen.
  • Die Veranstalterin des Flohmarkts in Lenggries erklärt, sie können die Bedingungen nicht erfüllen.
  • Auch in Bad Tölz kann es mit dem Flohmarkt im Moraltpark noch nicht wieder losgehen.

Bad Tölz-Wolfratshausen – „Es darf wieder getrödelt werden“: Diese Nachricht entzückte zuletzt die Schnäppchenjäger. Denn unter den jüngsten Lockerungen der bayerischen Corona-Schutzmaßnahmen trat am 15. Juli die Erlaubnis in Kraft, wieder kleinere Floh-, Kunst- und Handwerkermärkte abzuhalten. Freunde von Kunst und Krempel im südlichen Landkreis müssen sich dennoch weiter gedulden: Die Veranstalter der drei beliebtesten Flohmärkte winken derzeit alle ab.

Seit 22 Jahren organisiert Monika Meier den Flohmarkt auf dem Lenggrieser Festplatz. Doch als sie heuer im März die Saison eröffnen wollte, kam bereits Corona dazwischen. Seit bekannt wurde, dass der Freistaat wieder kleinere Flohmärkte zulässt, bekommt sie nun viele Anrufe vom Stammausstellern, die schon mit den Hufen scharren. Auch von Käuferseite sei die Nachfrage ebenfalls da, „Lenggries ist voller Touristen“, sagt Meier. Und da die Lenggrieser Festwoche abgesagt ist, sei der Platz ja auch kurzfristig frei. Nachdem sie sich im Landratsamt nach den Auflagen erkundigt hat, kommt Monika Meier nun aber zur Schlussfolgerung: „Es ist absolut unmöglich!“

Ehrenamtliche Flohmarkt-Organisatorin in Lenggries fürchtet Haftung

Kein Problem seien die Abstandsregeln, so Meier. Denn auf dem weitläufigen Festplatz ließen sich die üblicherweise rund 50 Aussteller ohne weiteres locker verteilen. Was die Organisatorin aber als nicht erfüllbar bezeichnet, das ist die Forderung, Mitarbeitern, Marktverkäufern und Besuchern „an mehreren, möglichst zentralen Punkten des Marktes ausreichend Waschgelegenheiten mit Seifenspendern und Einmalhandtüchern sowie Desinfektionsmittelspendern“ bereitzustellen, wie es im Rahmenhygienekonzept der Staatsregierung heißt.

„Wir dürfen die sanitären Anlagen im Sportheim neben dem Sportplatz am Ende des Festplatzes nutzen“, sagt Meier. Doch das sei nicht zentral genug. Waschgelegenheiten auf dem Festplatz einzurichten, sei nicht umsetzbar.

Alternativ sei wohl denkbar, dass jeder Verkäufer Desinfektionsmittel an seinem Stand habe. Meier kann und will das aber nicht überprüfen – und anschließend dafür haftbar gemacht werden. Dasselbe gelte für die Einhaltung der Maskenpflicht, die für alle Aussteller und Besucher gilt. „Ich mache das ehrenamtlich“, betont Meier, die den Flohmarkt-Erlös jährlich einem gemeinnützigen Zweck spendet. „Und wenn ich dann höre, von welchen Strafen aktuell für einige Formen die Rede ist...“

Gleichzeitig wolle sie auch nicht leichtsinnig sein. Viele Besucher seien ältere Menschen, die betagtesten Aussteller schon über 80, und auch sie selbst in einem Alter, „in dem man sich nicht in Gefahr begeben muss“.

Für Flohmarkt in Bad Tölz gab es schon im Juni ein Hygiene-Konzept

In Bad Tölz war Veranstalter Christian Gutmair bis vor wenigen Tagen noch guter Dinge, schon bald wieder zum Flohmarkt in den Moraltpark einladen zu können. Ein Hygiene- und Sicherheitskonzept hatte er nach eigenen Angaben bereits am 25. Juni beim Landratsamt eingereicht. Doch nachdem ihm die Behörde jetzt die aktuellen Erläuterungen des Gesundheitsministeriums übermittelte, ist Gutmair ernüchtert. Dort heißt es, dass unter den jetzt erlaubten „kleineren Märkten ohne größere Besucherströme“ zu verstehen sei, dass nicht mehr als 20 bis 30 Stände aufgestellt werden und höchstens um die 200 Gäste kommen.

„In dieser Größe wird es nicht funktionieren“, stellt Gutmair fest und verweist darauf, dass er zur Umsetzung der Hygieneregeln allein schon einen Sicherheitsdienst mit sechs Kräften engagieren müsse. Ihm hätten um die 100 Verkaufsstände auf dem 10 000 Quadratmeter großen Gelände vorgeschwebt, dazu eine Höchstgrenze von einem Besucher pro zehn Quadratmetern (also insgesamt 1000). Auch die Vorgabe, dass jetzt stattfindende Flohmärkte keinen überörtlichen Besucherstrom auslösen dürften, sei in Tölz nun mal nicht erfüllt. „Unser Einzugsgebiet von 200 Kilometern haben wir uns schließlich hart erarbeitet.“

Flohmarkt in Kochel „wird heuer nichts mehr“

Gutmair erklärt, er sei „nicht derjenige, der mit Gewalt einen Flohmarkt machen muss“, zumal er sich selbst der Corona-Risikogruppe zuordnet. Dennoch ist er überzeugt: Wir hätten den Bedarf unter vernünftigen Gegebenheiten erfüllen können, nach dem Motto: ,Lasst uns den Sommer mit Abstand und Verstand genießen.‘“ Zudem wundert er sich, dass trotz allem bayernweit rund 60 Flohmärkte stattfänden – der größte in München-Riem. Offenbar würden die Regeln von Landkreis zu Landkreis sehr unterschiedlich ausgelegt. Er will sich nun noch einmal andernorts umschauen, wie Flohmärkte dort ablaufen.

Für den Kochler Flohmarkt am „Trimini“ hat sich Organisatorin Catherine Völler unterdessen noch nicht den Kopf über einen Neustart zerbrochen. Für so eine kleine Veranstaltung lohne sich ein Hygienekonzept nicht. „Wir haben auch noch nichts vom Landratsamt gehört“, sagt sie. „Ich glaube, dass es heuer nichts mehr wird.“

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