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Realschule Hohenburg 

Mobbing-Vorwürfe: Zweiter Lehrer klagt

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Nach Yves Moubayed erhebt nun ein zweiter Lehrer der Realschule in Hohenburg schwere Mobbing-Vorwürfe. Er klagt gegen die Erzdiözese. Derzeit ist er krankgeschrieben, sein Anwalt sagt, er sei „schwer traumatisiert“. Am Freitag wurde vor dem Arbeitsgericht verhandelt.

Lenggries/München – Yves Moubayed war neun Jahre lang Sport- und Biologielehrer an der St.-Ursula-Mädchenrealschule in Hohenburg. Ein „Blaumacher“ und „Schwänzer“ soll er sein: Mit solchen Worten hätten ihn Kolleginnen diffamiert, nachdem er wegen einer Schulter-OP für längere Zeit krankgeschrieben gewesen war. Wie berichtet verklagte Moubayed eine Kollegin wegen Beleidigung und Verleumdung auf 13 000 Euro Schmerzensgeld. „Mir geht es nicht ums Geld. Das würde ich spenden, falls ich gewinne. Ich will, dass die Wahrheit ans Licht kommt“, sagt Moubayed.

Die Wahrheit, für ihn ist das Mobbing mit System – und zwar in einer Einrichtung der Erzdiözese München. Zunächst war Moubayed vom Unterricht freigestellt worden. Mittlerweile wurde ihm fristlos gekündigt – nach seiner Aussage „wegen Betriebsfriedensstörung“. Die Erzdiözese begründet seine Kündigung in einem Elternbrief, der mittlerweile im Internet kursiert, mit „Notwehr. Die Schulfamilie musste sich schützen“. Moubayed und sein Anwalt seien „in einer exzessiven und sehr aggressiven Art und Weise“ gegen Kollegen aus der Lehrerschaft vorgegangen. „Viele können sich nicht des Eindrucks erwehren, dass seine unerträglichen Angriffe dazu dienen sollen, der Schule und damit auch der Schulgemeinschaft weitreichenden Schaden zuzufügen“, heißt es in dem Brief. Man sei „schockiert“, welcher Mittel sich der Lehrer bediene.

Ähnliche Vorwürfe wie Moubayed erhebt nun ein zweiter Lehrer der Realschule Hohenburg. Max Z., der seinen wirklichen Namen nicht öffentlich machen will, klagte am Freitag am Arbeitsgericht München gegen die Erzdiözese. Z. arbeitet seit vier Jahren in Hohenburg und unterrichtete davor sieben Jahre an einer anderen Schule der Kirche. Zur Güteverhandlung erschien er mit Anwalt Thomas Etzel, der auch Moubayed vertritt.

Zu einer gütlichen Einigung kam es aber nicht. Hauptthema des nur 15-minütigen Prozesses war eine Abmahnung, die der Lehrer von der Schule erhalten hatte. Sie geht laut Klägeranwalt Etzel zurück auf den Oktober 2015. Der Schulleiter habe seinem Mandanten damals eine von ihm zusammengefasste Stellungnahme anonymer Eltern in die Hand gedrückt – eine Auflistung von Vorwürfen. Z. sei zu locker mit den Schülerinnen, gebe Tipps während der Exen und korrigiere nachlässig. „Diese Vorwürfe sind frei erfunden“, sagte Etzel in der Verhandlung. Z. habe – später auch mit Hilfe seines Anwalts – versucht, herauszufinden, von wem die Anschuldigungen stammen – laut dem Anwalt der Erzdiözese mit verbaler „Brutalität“: „Sie haben auf das Vertrauensverhältnis eingeschlagen“, warf er seinem Berufskollegen Etzel vor.

Unstimmigkeiten gebe es in jedem Arbeitsverhältnis, und damit müsse man klarkommen, so der Kirchen-Anwalt. Der Schulleiter sei auf Z. zugegangen, um ihm die Hand zu reichen. „Das ist falsch“, entgegnete Z..

Die Richterin schlug eine Versetzung des Lehrers in eine andere Schule der Diözese vor. Möglich ist auch eine Abfindungszahlung. Ob und wann die beiden Parteien darüber verhandeln, blieb unklar. Z. ist seit Wochen und noch bis Anfang Juli krankgeschrieben. Anwalt Etzel sagt, er sei „schwer traumatisiert“ und könne sich in der Schule nicht mehr bewegen, ohne diffamiert zu werden.

Der Fall von Z.s ehemaligem Kollegen Yves Moubayed geht am Dienstag weiter, eine zweite Güteverhandlung steht an. Eine Einigung, bei der sein Ruf wiederhergestellt werde, erwartet Yves Moubayed nicht. Er sagt: „Wir haben schon zwölf Zeugen benannt. Wir rollen das ganz auf.“

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