+
Eine aufwendige Rettungsaktion war am Wochenende an der Walchen nötig, um fünf feiernde Österreicher zu befreien. Die Einsatzkosten der Wasserwacht belaufen sich auf rund 1000 Euro pro Person. 

Verstöße gegen den Naturschutz

Das Recht auf Erholung verpflichtet

Wer sich in der Natur erholt, muss sich an Regeln halten. Das tun nicht alle: Allein im vergangenen Jahr registrierte das Landratsamt rund 200 Verstöße gegen das Naturschutzgesetz. Der jüngste ereignete sich am Wochenende an der Walchen.

Bad Tölz-Wolfratshausen – „Hinterlasse in der Natur nichts, höchstens Deinen Fußabdruck.“ Diesen Appell richtet Sabine Walter von der Unteren Naturschutzbehörde an alle, die sich im Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen erholen. Allein im vergangenen Jahr ging das Landratsamt rund 200 Verstößen gegen den Naturschutz nach. Tendenz steigend, denn bei dieser Zahl handelt es sich nur um die gemeldeten Fälle.

Am häufigsten hinterlassen Menschen ihren Abfall in den Schutzgebieten. Fast genauso gern machen sie Feuer oder Grillen, was übrigens mit einem geschlossenem Grill oder Gaskocher ebenfalls verboten ist. Außerdem missachten Hundebesitzer die Leinenpflicht in den Schutzräumen schon mal.

Illegale Zeltlager gibt es immer wieder 

Am Mittwoch vor einer Woche registrierten die Behörden einen schweren Verstoß: Mehrere rumänische Familien schlugen ein Zeltlager in der Nähe von Roßwies auf (wir berichteten). Kein Einzelfall, wie Landratsamts-Sprecherin Sabine Schmid bestätigt: „Heuer gab es bereits drei Zeltlager im größerem Umfang. Man kann sagen, dass es jährlich zu etwa drei bist fünf derartigen Fällen kommt.“ In Schutzgebieten ist das Übernachten in Zelten, Wohnmobilen und Wohnwägen verboten, um Tieren zumindest nachts eine Ruhezeit zu gewähren. Die einzige Ausnahme stellen extra ausgewiesene Nachtparkplätze dar.

So einen nutzten die fünf Österreicher, die in der Nacht auf Sonntag an der Walchen feierten, nicht. Wie berichtet zeltete die Gruppe am Ufer und machte dort auch Feuer. Weil nachts der Wasserpegel stark angestiegen war, mussten die Beteiligten in einem Großeinsatz der Wasserwachten gerettet werden. Jeder von ihnen muss nun mit einem Bußgeld rechnen. Der Rahmen liegt laut Schmid zwischen 75 und 2500 Euro. Für Feuer oder Campen gibt es jeweils eigene Tarife. Nach der Anzeige durch die Polizei folgt nun eine Anhörung im Landratsamt.

Feiernde Österreicher: Einsatz kostet über 1000 Euro pro Person 

Die Kosten für den Walchen-Einsatz stellen die Wasserwachten den Krankenkassen der fünf Camper in Rechnung. „Das sind rund 1000 Euro pro Person, weil das als Lebensrettung gilt“, sagt Ingo Roeske, technischer Leiter der Kreiswasserwacht. In Bayern kämen die Kassen in der Regel für die Einsatzkosten auf. Falls die österreichischen nicht zahlen, „stellen wir private Rechnungen“, so Roeske. Eigentlich habe man im EU-Bereich bei derartigen Rettungen kein Problem mit den Kassen. Zu den 1000 Euro kommen die Gebühren der Feuerwehr und des Rettungshubschraubers, der einen unterkühlten Mann über das Wasser transportierte.

Vielen Naturliebhabern ist nicht bewusst, dass sämtliche Verstöße in den Schutzgebieten als Ordnungswidrigkeit geahndet werden können. Um die Schutzgebiete regelmäßig zu kontrollieren gibt es vier Isar-Ranger, die vor allem an Ferienwochenenden und in Schönwetterperioden im Landkreis tätig sind. „Sie ermahnen und erklären, warum manches in einem Schutzgebiet verboten ist“, sagt Schmid. Die Isar-Ranger werden von ehrenamtlichen Naturschutzwächtern unterstützt.

Die Menschen, die von den Isar-Rangern zurechtgewiesen werden, bringen meist Verständnis auf, sagt Schmid. Erholsame Stunden in der freien Natur zu verbringen, ist übrigens nicht nur erlaubt – sondern ein Grundrecht nach der Bayerischen Verfassung.

Anna Flossmann und Tobias Gmach

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Tölzer Krankenpflege-Azubis feiern Abschluss
Tölzer Krankenpflege-Azubis feiern Abschluss
Arzbach-Anlieger formulieren ihre Sorgen
Anlieger des Arzbachs haben Bedenken gegen die geplanten Hochwasserschutzmaßnahmen. Die Sorgen der Bewohner sollen nun bei einer Informationsveranstaltung erörtert …
Arzbach-Anlieger formulieren ihre Sorgen
So ergeht es den Lenggrieser Judo-Schlosswepsn am 2. Tag beim Bundesfinale in Berlin
So ergeht es den Lenggrieser Judo-Schlosswepsn am 2. Tag beim Bundesfinale in Berlin

Kommentare