Tatserie in Lenggries geht weiter

Reifenstecher zum zweiten Mal überführt - und noch immer auf freiem Fuß

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Er hat mutmaßlich schon weit über 100 Taten begangen und einen Sachschaden von über 100.000 Euro angerichtet. Nachdem er sich in der Nacht zum Freitag wieder an acht Autos zu schaffen gemacht hat, hat die Polizei den Lenggrieser Messerstecher erneut gefasst - und musste ihn abermals laufen lassen.

Lenggries– Eine 42-jährige Lenggrieserin hat es besonders hart getroffen: Schon zum dritten Mal ist die Frau in der Nacht zum Freitag Opfer des Lenggrieser Reifenstechers geworden. Beim ersten Mal im März, da habe sie von dieser Tatserie noch nichts gewusst, sagt sie. „Ich war eines der ersten Opfer.“ Im April erwartete sie die nächste böse Überraschung, als sie aus dem Urlaub zurück zu ihrem am Bahnhof abgestellten Auto kam: Die gerade erst gekauften Reifen waren schon wieder kaputt. „Ich war schockiert“, sagt sie im Gespräch mit dem Tölzer Kurier. 350 Euro gab sie aus, um noch einmal Reifen zu kaufen. Doch die hat der Serientäter jetzt wieder aufgeschlitzt. „Ich wünsche mir nur, dass er damit aufhört“, sagt die Lenggrieserin. „Aber ich habe Angst, dass es wieder passiert.“

Und das nicht ganz zu Unrecht. Denn auch nachdem die Polizei den mutmaßlichen Täter jetzt zum zweiten Mal aufgreifen konnte, ist er weiterhin auf freiem Fuß.

Wie der stellvertretende Tölzer Inspektionsleiter Andreas Rohrhofer mitteilt, verständigte um genau 0.17 Uhr eine 34-jährige Lenggrieserin, die Polizei. Die Alarmanlage ihres Autos, das in der Karwendelstraße stand, war losgegangen. Durch das Geheul aufgeschreckt, musste die Frau feststellen, dass alle vier Reifen zerstochen waren.

Laut Rohrhofer fuhren zwei Streifenwagen aus Bad Tölz und aus Geretsried nach Lenggries. Dort entdeckten die Polizisten zunächst weitere Fahrzeuge mit zerstochenen Reifen, und zwar außer in der Karwendelstraße auch am Bahnhofsplatz. Acht Fahrzeuge waren betroffen, der Schaden liegt bei 4000 Euro.

Eine Streife griff den mutmaßlichen Täter gegen 1.10 Uhr im Ortsgebiet auf. Es handelte sich um einen 41-Jährigen, der verdächtigt wird, bereits für weit über 100 solche Taten verantwortlich zu sein. Ein Polizist sah noch, wie der Mann einen Gegenstand in einen Bach warf. Die Beamten fanden dort das wahrscheinliche Tatwerkzeug, ein geriffeltes Steakmesser. Dieses entsprach „in der Machart dem Messer, das bei der letzten Tatausführung von dem 41-Jährigen benutzt worden war“, so Rohrhofer.

Wie berichtet hatte die Polizei den Mann schon einmal im Oktober erwischt. Damals hatte ihn ein 64-jähriger Anwohner beobachtet, wie er in der Marktstraße zugange war. Die Polizei überraschte ihn dann in der Herwarthstraße – mit dem Messer in der Hand. Damit lagen erstmals Beweise gegen den 41-Jährigen vor, den die Polizei schon länger im Visier hatte. Das änderte nichts daran, dass der Mann auf freien Fuß gesetzt werden musste. Ende November trat er wieder in Aktion, stach in die Reifen von drei Autos auf dem Park & Ride-Parkplatz am Bahnhof.

Und auch nach der erneuten Überführung ist der 41-Jährige wieder frei. Gegen ihn laufe ein Ermittlungsverfahren wegen Sachbeschädigung – ob er dann tatsächlich strafrechtlich zur Verantwortung gezogen werden könne, müsse sich erst noch zeigen. „Polizeilich steht die Täterschaft des besagten Mannes fest“, sagt Rohrhofer, der mittlerweile nach den richtigen Worten ringt, um zu erklären, warum die Polizei die Öffentlichkeit nicht besser vor weiteren Taten zu schützen vermag. Doch die Staatsanwaltschaft kann keinen Haftbefehl aussprechen. „Es ist schwer zu akzeptieren, aber aus rechtlicher Sicht ist es zu verstehen“, so Rohrhofer.

Voraussetzungen für eine Untersuchungshaft sind Flucht- oder Verdunkelungsgefahr. Beides liege nicht vor. Der Haftgrund der Wiederholungsgefahr greife nur bei bestimmten, schwereren Delikten, wie gefährliche Körperverletzung, Raub oder Brandstiftung – nicht aber bei Sachbeschädigung. Rohrhofer verspricht aber: Von polizeilicher Seite aus wird alles in ihrer Verantwortung Stehende versucht, um diese Serie beenden zu können.“

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