+
Stop-Schild im Rißbachtal: (v. li.) Sabine Tappertzhofen vom Landesbund für Vogelschutz, Naturpark-Rangerin Teresa Müllauer und Naturpark-Geschäftsführer Hermann Sonntag stellen die Interreg-Informationstafel vor.

„Vielfältiges Leben an unseren Gebirgsflüssen“

Rißbach: Naturschutz über Grenzen hinweg

  • schließen

Am Rißbach ist die Natur noch in Ordnung. Der Wildfluss ist Rückzugsort für seltene Tiere und Pflanzen. Das soll auch so bleiben – mit Unterstützung eines grenzüberschreitenden Projekts.

Hinterriß – „Vielfältiges Leben an unseren Gebirgsflüssen.“ So heißt das Interreg-Projekt. „Es soll grenzübergreifend die Diskrepanzen zwischen Freizeitnutzung und Naturschutz an unseren letzten Wildflüssen verringern und verhindern“, so Hermann Sonntag. Der Geschäftsführer des Naturparks Karwendel erläuterte nun Pressevertretern aus Bayern und Tirol, was hier mit europäischen Fördergeldern über die Grenzen hinweg erreicht werden soll.

„Es geht um ein harmonisches Miteinander von Mensch und Natur“, erklärt Sabine Tappertzhofen von der Kreisgruppe Bad Tölz-Wolfratshausen im Landesbund für Vogelschutz. Der LBV ist Partner dieses Interreg-Projekts – zusammen mit dem Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen sowie dem Naturpark Tiroler Lech und dem Naturpark Karwendel. Zudem wird das Projekt durch den Naturschutzfonds des Landes Tirol gefördert.

Naturschutz am Rißbach: Vögel und Insekten kennen keine Grenzen

„Vögel und Insekten im Alpenraum kennen keine Grenzen, aber unsere Gebietskarten sind nur auf die jeweiligen Länder ausgerichtet“, sagt Tappertzhofen. Auch die Beschilderung der sensiblen Gebiete an den Wildflüssen sei in Bayern anders als in Tirol. Das soll sich mit dem Interreg-Projekt ändern. Die neue Informationstafel sei bewusst einfach gehalten, sagt Naturpark-Geschäftsführer Sonntag. Auf der runden, gelben Tafel steht lediglich: „Stop! Hier brüten bedrohte Vogelarten. Betreten der Kiesbänke vom 15.3. bis 10.8. verboten!“

Naturpark-Ranger Sebastian Pilloni mit einer Gefleckten Schnarrschrecke. Die vom Aussterben bedrohten Insekten finden am Rißbach noch ideale Bedingungen vor.

Dieses Verbot soll den Lebensraum des Flussuferläufers sichern. Er zählt zu den stark gefährdeten Vogelarten und steht deshalb auf der Roten Liste. Am Rißbach findet er noch, was er braucht, sagt Tappertzhofen. Die Schotterbänke des Wildflusses sind die Kinderstube dieses Schnepfenvogels. Jedes Jahr besetzen bis zu sieben Brutpaare ihr Revier. Die Naturpark-Ranger kontrollieren regelmäßig das Vorkommen und dokumentieren entlang des Rißbachs die wec19hselnden Brutstellen.

Schnarrschrecken am Rißbach haben geniale Tarnung

Zwischen der Mautstelle und der Johannisbach-Mündung ist in diesen ersten Herbsttagen das laute Schnarren einer seltenen Heuschreckenart gut zu hören. Die Gefleckten und die Rotflügeligen Schnarrschrecken sind laut Sonntag ebenfalls sogenannte typische Zeigearten für den Rißbach. Die seltenen Insekten finden in den Uferbereichen ideale Bedingungen. Naturpark-Ranger Sebastian Pilloni muss nicht lange nach ihnen suchen und zeigt den Journalisten den Unterschied zwischen den beiden Spezies. „Die Tiere haben eine geniale Tarnung“, sagt er. So würden sie von den Wanderern meist übersehen. Aber auch Schnarrschrecken reagieren sensibel auf Störungen.

Lesen Sie auch: Wasserrechte am Walchensee: „Rettet die Isar“ kämpft für mehr Wasser im Rißbach

Das Interreg-Projekt soll bei der Besucherlenkung helfen – zeitweise mit Zäunen. Sie sollen die sensiblen Gebiete vor Störungen durch Menschen und Weidevieh schützen. Die Ranger sind hier in engem Kontakt mit den Bauern und Hirten.

Lesen Sie auch: Stadtwerke Bad Tölz wollen Kraftwerk in Wolfratshausen bauen - und warten seit Jahren auf Genehmigung

Man habe damit bereits positive Erfahrungen gemacht, sagt Pilloni. Er ist im Auftrag des Naturparks Karwendel zusammen mit Teresa Müllauer am Rißbach unterwegs. Die beiden werden künftig nicht nur die Brutvorkommen der seltenen Arten kontrollieren, sondern auch bei Exkursionen, Vorträgen und Gesprächen zur Bewusstseinsbildung der Erholungssuchenden beitragen.

Lesen Sie auch: Sind es manchmal ausgerechnet Naturschützer, die dem Klimaschutz im Weg stehen?

Das auf zwei Jahre ausgelegte Interreg-Projekt ist bereits im Januar 2018 angelaufen. „Heuer sind die ersten Umsetzungsmaßnahmen angepackt worden“, sagt Hermann Sonntag. Die EU-Fördermittel belaufen sich auf 338 000 Euro. Der Untertitel des Projekts soll jedenfalls weit über 2020 hinaus Bestand haben: „Ein respektvolles Miteinander von Mensch und Tier.“

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Jetzt live: Heilbrunns Bürgermeisterkandidaten diskutieren im Kursaal - und hier im Live-Stream
Die Bad Heilbrunner haben am 15. März die Wahl. Konrad Specker (Freie Wähler) fordert Bürgermeister Thomas Gründl (CSU) heraus. Am 18. Februar treffen sich beide zur …
Jetzt live: Heilbrunns Bürgermeisterkandidaten diskutieren im Kursaal - und hier im Live-Stream
Walchensee-Konzept: 200 neue Parkplätze an den Mautstellen
Im Innenministerium wurden nun in großer Runde die nächsten konkreten Umsetzungsschritte besprochen.
Walchensee-Konzept: 200 neue Parkplätze an den Mautstellen
Tölzer Feuerwehr hilft über Landesgrenzen hinweg
„Ein besonders ereignisreiches Jahr“ nannte Vorstand Michael Lindmair die vergangenen zwölf Monate, als er die Hauptversammlung der Feuerwehr Bad Tölz eröffnete.
Tölzer Feuerwehr hilft über Landesgrenzen hinweg
Kommunalwahl in Bichl: 24 Kandidaten auf einer gemeinsamen Liste
Zum zweiten Mal nach 2014 wird es bei der Kommunalwahl in Bichl keine Partei-Listen mehr geben, sondern eine gemeinsame Liste. Die 24 Männer und Frauen stellten sich …
Kommunalwahl in Bichl: 24 Kandidaten auf einer gemeinsamen Liste

Kommentare