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Etwa auf Höhe des Eisplatzes an der Talstation der Bergbahn (li.) beginnt die Hochwasserentlastung. Die Rohrleitung führt dann unterirdisch bis zum neugestalteten Seitenarm der Isar an der Lenggrieser Flussmeisterstelle.

Hochwasserschutz

Ein Rohr für den Lahnerbach

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Lenggries - Es ist ein Großprojekt, das die Gemeinde Lenggries ab dieser Woche in Angriff nimmt: der Hochwasserschutz am Lahnerbach. Rund zwei Jahre werden die Arbeiten dauern, knapp fünf Millionen werden investiert. Eine Herausforderung ist vor allem die Verkehrsführung.

Einige Vorarbeiten sind bereits erledigt. Beispielsweise wurden auf dem Gelände der Lenggrieser Flussmeisterstelle im Februar Bäume umgeschnitten, die auf der Trasse der künftigen Rohrleitung stehen. Diese wird im Bereich des neu geschaffenen Seitenarms später in die Isar münden. Mit Blick auf dieses Rohr, das in den Untergrund muss, haben Erdgas Südbayern und Telekom ihre Sparten auch bereits aus der Bergbahnstraße in den Gehweg beziehungsweise an den Rand der Fahrbahn verschoben.

Den Auftrag für den Bau der Entlastungsleitung hat der Gemeinderat in der März-Sitzung an die Firma Kilian Willibald vergeben. Diese Woche beginnt die Baustelleneinrichtung. „Das wird etwa zwei Wochen dauern“, sagt Bürgermeister Werner Weindl auf Anfrage. Geplant ist Folgendes: Die Hochwasserentlastung beginnt auf Höhe des Eisplatzes an der Talstation der Bergbahn. Im Hochwasserfall wird ein Teil der Flut in eine große Rohrleitung ab- und unterirdisch Richtung Isar geleitet. Im Lahngraben selbst verbleibt nur so viel Wasser wie er vom Querschnitt her aufnehmen kann. Auch ein Teil des anfallenden Oberflächenwassers wird in das Rohr eingeleitet, um großflächige Überschwemmungen zu vermeiden. Dafür sind ein Dammbauwerk und ein Sammelgraben nötig. Unterirdisch verlegt werden muss eine rund 1,4 Kilometer lange Rohrleitung. Dafür sind umfangreiche Grabarbeiten notwendig, schließlich hat das Rohr einen Durchmesser von 1,80 bis 2 Meter – am Ende sogar noch etwas mehr.

Die Baufirma wird sich von der Isar in Richtung Brauneck vorarbeiten. „Heuer ist geplant, die Rohrleitung von der Flussmeisterstelle bis zur alten Talstation zu verlegen“, sagt Weindl. „Dadurch wird schon eine gewisse Hochwassersicherheit erreicht, weil wir einen Teil des Wasser bereits einleiten könnten.“

Eine der größten Herausforderungen sei die Verkehrsführung während der Bauphasen, ergänzt Weindl. Sowohl die Freizeitarena Brauneck als auch private und gewerbliche Anwesen an der Bergbahnstraße müssten erreichbar bleiben. Daher soll der Verkehr zumindest immer einspurig an der Baustelle vorbeifließen – am Wochenende möglichst zweispurig. Dabei gibt es allerdings eine Ausnahme: „Wenn im engen Kurvenbereich der Bergbahnstraße gearbeitet wird, geht das nur mit einer Vollsperrung“, sagt Weindl. „Zwei bis drei Wochen“ werden dann Behelfsumfahrungen unter anderem über einen Feldweg eingerichtet. Geplant ist diese dritte Bauphase voraussichtlich im Herbst.

2017 erfolgt dann die Verlegung der Rohrleitung bis zur neuen Talstation samt Bau von zwei Einlaufbauwerken. Im Zuge dieser Arbeiten möchte Weindl auch noch einmal über den Bau eines Gehwegs verhandeln. „Der hört momentan ja an der alten Talstation auf“, sagt Weindl. Gut wäre eine Verlängerung bis zum Parkplatz der Bergbahn. „Da werden wir heuer noch einmal über die Grundstücke reden.“

Im Frühjahr 2018 sollen die Arbeiten abgeschlossen sein. Investiert werden knapp fünf Millionen Euro, die sich Gemeinde und Freistaat teilen. Durch die Maßnahme werden mehr als 50 Wohngebäude und über zehn kleine und mittlere Betriebe vor Hochwasser geschützt.

Der Lahnerbach wird übrigens nicht die letzte Hochwasserschutz-Baustelle in Lenggries sein: Noch aus steht die Maßnahme für den Mühlbach. Hier ist bereits seit Längerem angedacht, ein Rückhaltebecken außerhalb des bebauten Bereichs anzulegen, damit im Fall des Falles nicht zu viel Wasser im Mühlbach ankommt, sondern nach und nach abgegeben wird. Einen Zeitplan hierfür gibt es allerdings noch nicht. Des Weiteren überplant das Wasserwirtschaftsamt Weilheim den Dorf-, Hals- und Reiterbach.

Bürgerinformation

Die Bürger – vor allem die Anlieger – sollen laufend über die Baumaßnahme am Lahnerbach informiert werden. Geplant sind dazu regelmäßige Jour-fix-Termine vor Ort. Zum Auftakt gibt es für allen Interessierten am Dienstag, 19. April, einen Informationsabend. Beginn ist um 19 Uhr im Pfarrheim an der Geiersteinstraße.

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