Amtsgericht

Schmierereien nach Lenggrieser Party - und ein Mafia-Vergleich

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Eine Party junger Leute endet mit einem Polizeieinsatz. Ein Jahr später muss sich der Gastgeber (20) vor Gericht verantworten.

Lenggries/Wolfratshausen –  Der 20-Jährige soll in Lenggries parkende Autos, Verkehrszeichen, ein Garagentor und einen Traktor mit einem wasserfesten, schwarzen Stift bekritzelt haben. Nach einem Verwirrspiel, das den Richter an das „Gesetz der Omertà“, das ungeschriebene Gesetz des Schweigens unter Mitgliedern der Mafia, erinnert, wurde der Angeklagte jetzt freigesprochen.

Am 27. April vorigen Jahres um kurz vor Mitternacht teilte ein Anrufer der Tölzer Polizeiinspektion diverse Sachbeschädigungen mit. „Laute Partymusik, Gegröle, umgestoßene Mülltonnen“ wiesen den Polizisten vor Ort den Weg. „Wir sind der Spur gefolgt und auf eine Party gestoßen“, erklärte ein Beamter vor Gericht. Die angetroffenen Jugendlichen seien „sichtlich alkoholisiert und aggressiv“ gewesen. „Aber von Sachbeschädigungen will keiner was gewusst habe“, sagte der Polizist in der Verhandlung.

Weitere Nachforschungen seien nicht möglich gewesen. „Wenn wir es versucht hätten, wäre die Situation eskaliert“, so der Polizist, der den Angeklagten in der Tatnacht nicht gesehen hatte. Weil ein Zeuge, der die jungen Leute beobachtet hatte, den Beschuldigten später auf Fotos erkannt zu haben glaubte, stand der 20-Jährige nun trotzdem vor Gericht.

Gegen 21 Uhr endet die Erinnerung seines Mandanten

Für den Heranwachsenden las dessen Verteidiger eine Erklärung vor. Demnach hatte der Beschuldigte nachmittags mit Freunden an der Isar getrunken, abends ging es zu Hause weiter. „Er hatte sturmfreie Bude“, so der Rechtsanwalt. Gegen 21 Uhr endet die Erinnerung seines Mandanten, der, völlig betrunken, von Freunden ins Bett gebracht worden sei. Die Erklärung endete mit der Feststellung: „Die Taten habe ich nicht begangen. Ich habe sie nicht begehen können, weil ich im Bett lag.“

Freunde, die mit ihm getrunken hatten, bestätigten, dass es sich genauso zugetragen habe. Der Augenzeuge war weiterhin der Meinung, den Angeklagten gesehen zu haben.

Nachdem alle Zeugen gehört worden waren und die Jugendgerichtshelferin für den Fall einer Verurteilung 64 bis 80 Stunden soziale Dienste angeregt hatte, ergriff der Beschuldigte nach einer kurzen Besprechung mit seinem Verteidiger doch noch das Wort. Am Morgen nach den Vorfällen hätten Freunde ihm erzählt, wer der wahre Täter sei. Dieser habe ihm gegenüber die Schmierereien zugegeben.

Wegen der „neuen Sachlage“ wurde ein weiterer Verhandlungstermin nötig. Dort gab der als Zeuge geladene Tegernseer (18) auch dem Gericht gegenüber zu: „Das war ich.“ So blieb Jugendrichter Urs Wäckerlin nichts anderes übrig, als den Anträgen von Staatsanwältin und Verteidiger zu folgen und den Lenggrieser freizusprechen.

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„Man hat offensichtlich mit dem Gesetz der Omertà versucht, alle in die Irre zu führen und die Geschädigten leer ausgehen zu lassen“, hielt der Richter, sichtlich verärgert, den jungen Leuten vor. „Man kann Party machen, aber für das, was da geschieht, sollte man aufrecht geradestehen. Sie haben sich in den Mantel des Schweigens gehüllt und wollten allen eine lange Nase drehen“, sagte Wäckerlin. „Das kann ich nicht gutheißen.“

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Rubriklistenbild: © dpa / Volker Hartmann

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