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Güterichter als Schlichter in Streitfällen

Schöffengericht

Marihuana für Minderjährigen

Lenggries/Wolfratshausen – Ein 24-jähriger Lenggrieser hat einem Minderjährigen Marihuana  gegeben. Nun kommt er mit einem Jahr auf Bewährung glimpflich davon.

Ein Jahr Gefängnis, ausgesetzt zur Bewährung. So lautet das Urteil gegen einen 24 Jahre alten ehemaligen Lenggrieser, der sich wegen Abgabe von Betäubungsmitteln an Minderjährige sowie Drogenhandel vor dem Schöffengericht am Amtsgericht Wolfratshausen verantworten musste.

Drei Fälle waren wie berichtet angeklagt, am Ende konnte dem Beschuldigten, der inzwischen in München wohnt, nach Ansicht des Gerichts nur eine Tat nachgewiesen werden. Anfang 2014 hatte der Angeklagte bei einer gemeinsamen Fahrt nach München in der Nähe des Mangfallplatzes Marihuana besorgt und davon einige Gramm an einen Jugendlichen, der mit im Auto saß, weitergegeben. Dies wurde am zweiten Verhandlungstag durch die Aussage eines damals beteiligten Schlehdorfers (24) bestätigt. Der gelernte Altenpfleger wurde aus dem Klinikum Haar, wo er nach seiner eigenen Verurteilung wegen verschiedener Straftaten derzeit eine längere stationäre Drogentherapie macht, ins Gericht gebracht. Er sei an jenem Tag gemeinsam mit dem Angeklagten in München ausgestiegen, kurz darauf habe sich der Lenggrieser an einem Imbisstand jedoch von ihm entfernt. „Irgendwann war plötzlich was zu Rauchen da. Als ich wieder zum Auto kam, war das Zeug schon verteilt“, erklärte der Zeuge.

Daraufhin beriet sich der mehrfach, auch einschlägig, vorbestrafte Angeklagte kurz mit seiner Verteidigerin, die anschließend erklärte: „Mein Mandant hat sich hinsichtlich des Alters des jungen Begleiters keine Gedanken gemacht. Die Gelegenheit war da, deshalb hat er das Marihuana besorgt.“ Bis zu diesem Zeitpunkt hatte der Angeklagte sich stets gewunden und behauptet, die Drogen nicht dem Jugendlichen sondern dem Fahrer des Wagens übergeben zu haben. Wem dieser etwas davon weitergereicht habe, entziehe sich seiner Kenntnis.

Aufgrund dieses Teilgeständnisses kam der Beschuldigte mit einem blauen Auge davon. „Er hat gerade noch so die Reißleine gezogen“, erklärte Richter Helmut Berger in seiner Urteilsbegründung, nachdem das Schöffengericht den Angeklagten der Abgabe von Betäubungsmitteln sowie Handeltreiben schuldig gesprochen und zu einem Jahr Gefängnis auf Bewährung verurteilt hatte.

Der Staatsanwalt hatte eine Freiheitsstrafe von zwei Jahren und vier Monaten beantragt – Bewährung wäre dann ausgeschlossen gewesen. Doch anders als der Anklagevertreter sah das Gericht die Schuld des angeklagten Zimmermanns bei den zwei weiteren Fällen, die sich bereits im Oktober 2013 ereignet haben sollen, nicht gegeben. „Das war Wischi-Waschi“, kritisierte das Gericht die Aussagen des wichtigsten Zeugen in diesen Anklagepunkten. „Die können wir nicht für einen Tatnachweis hernehmen.“ Strafmildernd wirkte sich aus, dass die jungen Leute bereits Drogenerfahrung hatten und nicht vom Angeklagten dazu gebracht worden waren.

Als Auflage muss der Verurteilte 1000 Euro an die Caritas zahlen sowie jeden Drogenkonsum unterlassen und durch regelmäßige Screenings nachweisen, dass er sich daran hält. Rudi Stallein

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