Ab Montag, 15. Februar, verkehren die RVO-Busse im Südlandkreis wieder nach Fahrplan wie an Schultagen – sehr zur Freude von Abiturienten, Eltern, Lehrern und allen anderen Fahrgästen.
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Ab Montag, 15. Februar, verkehren die RVO-Busse im Südlandkreis wieder nach Fahrplan wie an Schultagen – sehr zur Freude von Abiturienten, Eltern, Lehrern und allen anderen Fahrgästen.

Öffentlicher Nahverkehr

Abiturienten erleben Odyssee auf Rückweg von Schule: Freude über RVO-Normalfahrplan ab Montag

  • Christiane Mühlbauer
    vonChristiane Mühlbauer
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Die Erleichterung bei Abschlussschülern, Eltern und Lehrern ist groß: Der RVO fährt ab Montag wieder nach dem Fahrplan wie an Schultagen. In den vergangenen Tagen gab es für Abiturienten massive Probleme, zur Schule zu kommen – etwa vom Loisachtal nach Hohenburg.

Bad Tölz-Wolfratshausen – Stell dir vor, es ist Schule, und keiner kommt hin: Dieser Spruch passt derzeit für die weiterführenden Schulen im südlichen Landkreis, seit für Abiturienten und Berufliche Oberschüler wieder der Präsenz-Unterricht im Wechsel begann. Viele Schüler haben große Mühe, zu der Einrichtung zu kommen – in Hohenburg (Gemeinde Lenggries) beispielsweise betrifft es mehr als die Hälfte der Abiturientinnen. Eltern und Schüler fühlen sich allein auf weiter Flur – und vor allem zerrieben zwischen Behörden und Zuständigkeiten.

Angela Reyes aus Benediktbeuern, Mutter einer Gymnasiastin im Gymnasium in Hohenburg, berichtete dem Tölzer Kurier davon, welche Odyssee vier Abiturientinnen aus Benediktbeuern, Bichl und Habach vergangene Woche mit öffentlichen Verkehrsmitteln und eingeschränktem Fahrplan hinter sich hatten, um am Unterricht teilnehmen zu können: Mittags gingen sie von Hohenburg zum Bahnhof in Lenggries, fuhren dann mit der BOB nach Tölz, gingen zum Isarkai und mussten dort zwei Stunden auf den nächsten Bus ins Loisachtal warten.

Die Eltern wollten sich daraufhin mit Fahrgemeinschaften abwechseln und baten im Tölzer Gesundheitsamt um eine Ausnahmegenehmigung, Jugendliche aus verschiedenen Haushalten im Auto transportieren zu dürfen. Doch das wurde nicht gestattet. „Wir waren wütend und verzweifelt“, berichtet Reyes. Auch andere Stellen im Landratsamt konnten nicht helfen. Die einzige Lösung für die Eltern sei, jeden Jugendlichen morgens und mittags einzeln zu fahren – trotz eigenem Homeoffice und Homeschooling von Geschwisterkindern. „Das kann’s doch nicht sein“, sagt Reyes. Das Problem sei nämlich auch, dass Abiturienten, die nicht in der Schule sein konnten, dem Unterricht zu Hause nicht in vollem Umfang folgen konnten. „Die Corona-Lockerungen sind unter diesen Bedingungen eine Strafe“, meint Reyes.

Auch Hohenburgs Schulleiter Christoph Beck versuchte in den vergangenen Tagen, alle Hebel – bis ins Kultusministerium – in Bewegung zu setzen. Laut Beck konnten von 47 Abiturientinnen 28 Mädchen schwierig bis gar nicht zum Unterricht kommen, etwa auch aus Sachsenkam und Dietramszell. „Die Schülerinnen brauchen jetzt nicht noch zusätzlich eine Belastung“, sagte Beck am Montagabend. Auch an anderen weiterführenden Schulen im Tölzer Land hatten sich Jugendliche vergangene Woche beklagt, dass sie nicht mit dem Bus kommen können (wir berichteten).

Denn seit dem 23. Dezember fährt der RVO im Ferienfahrplan. Anders als der bezuschusste MVV im Nordlandkreis arbeitet der im Südlandkreis tätige RVO eigenwirtschaftlich. Bedingt durch die Schulschließungen, verzeichne man einen Fahrgastrückgang um 80 Prozent, sagt Ralf Kreutzer, Niederlassungsleiter für den Bereich Oberbayern-West. Bezogen auf das zurückliegende Jahr, spricht Kreutzer von Verlusten im siebenstelligen Bereich. „Dass der öffentliche Nahverkehr im Südlandkreis noch auf eigene Rechnung fährt, gibt es ansonsten in Europa kaum noch“, schildert Kreutzer die Situation. Auch der RVO habe Staatshilfen beantragt. „Diese reichen aber nicht aus, um die Verluste aufzufangen.“

Trotzdem: Mit Blick auf die Probleme von Schülern und Eltern habe man sich in einer Lagebesprechung am Dienstagmorgen entschieden, in den Landkreisen Bad Tölz-Wolfratshausen, Miesbach, Weilheim-Schongau und Garmisch-Partenkirchen ab Montag, 15. Februar, wieder nach Fahrplan wie an Schultagen zu fahren. „Wir können nicht auf die Politik warten“, sagt Kreutzer. Man hoffe aber, dass in Kürze auch wieder Grundschüler und Fünftklässler in den Unterricht dürften.

Eine ganze Busflotte wieder hochzufahren, bedürfe einiger Tage Planung im Voraus, berichtet der Niederlassungsleiter. Die Fahrer, viele in Kurzarbeit und mit der Betreuung eigener Kinder beschäftigt, müssten eingeteilt werden, zudem müsse das digitale Bussystem programmiert werden. Dass man unter diesen Bedingungen nur mit kleineren Bussen fahre, sei nicht möglich, weil die Anzahl der vorhandenen Kleinbusse auf bestimmten Routen – etwa in den Weilern rund um Bad Heilbrunn – fest verplant sei. Man nehme jetzt in Kauf, dass die großen Gelenkbusse mit nur wenigen Fahrgästen ausgelastet seien. „Das ist zwar ökologisch nicht sinnvoll, aber die Erleichterungen für Schüler und Eltern spielen auch eine wichtige Rolle“, sagt Kreutzer.

Die Nachricht des RVO verbreitete sich am Dienstag rasch unter Schülern, Eltern und Lehrern. „Das ist eine sehr große Erleichterung“, freute sich Angela Reyes. „Danke an den RVO, dass man dort Verantwortung übernimmt.“ Auch Hohenburgs Schulleiter Christoph Beck freut sich: „Das ist für die Abiturienten eine Sorge und für die Eltern eine Last weniger.“

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