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Ringt um die Fortführung der Mittagsbetreuung: Die Führung des „Vereins zur Förderung der Schulen im Isarwinkel“ mit (v. li.) Dieter Braun, Anja Künkele und Steuerberater Franz Mentel. 

“Es muss irgendwie weitergehen“

Schulen im Isarwinkel: Finanzprobleme bei der Mittagsbetreuung

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Groß war das Interesse, als der Verein zur Förderung der Schulen im Isarwinkel am Dienstag über die Finanzprobleme bei der Mittagsbetreuung sprach. Eine nachhaltige Lösung ist noch nicht gefunden.

Lenggries – Geschäftsführerin Anja Künkele sprach von einer „historischen Versammlung“. Denn in den 20 Jahren des Bestehens des „Fördervereins der Schulen im Isarwinkel“ waren noch nie so viele Mitglieder zur Jahresversammlung gekommen. Mit gut 40 Interessierten war die Kaminstub’n im Arabella Brauneck-Hotel gut gefüllt.

Wie berichtet, gibt es bei der Mittags- und Hausaufgabenbetreuung an der Lenggrieser Schule ein akutes Geldproblem. Wegen einer „akuten Überlastung“ von Anja Künkele, die die Betreuungsangebote des Vereins organisiert, „standen wir im Sommer vor dem Aus“, so Braun. „Wir mussten schnell handeln.“ So entschied der Vorstand kurzfristig, die bislang 2. Vorsitzende auf 20-Stunden-Basis anzustellen und die Organisation damit zu „professionalisieren“.

Doch die Personalkosten von 26 000 Euro pro Jahr (inklusive aller Arbeitnehmer-Anteile in der Sozialversicherung) reißen nun ein tiefes Loch in die Kasse. Braun stellte dabei klar, das Künkele „keine Reichtümer anhäuft“. Gehe man davon aus, dass sie 20 Stunden pro Woche arbeitet – in der Praxis seien es mehr –, komme ein Stundenlohn von 17 Euro heraus.

Etwa die Hälfte des Defizits will der Verein durch eine Gebührenerhöhung ausgleichen. „Ich gehe davon aus, dass sie zum 1. Dezember kommt“, sagte Braun. Ein Tag in der Mittagsbetreuung (11.20 bis 14 Uhr) soll dann 14 statt 12 Euro kosten, in der Nachmittagsbetreuung (bis 16 Uhr) 28 statt 24 Euro. Die durchschnittliche Familie werde dadurch um 30 Euro pro Monat mehr belastet. Laut Braun sind aktuell je 25 Kinder in der Mittags- und der Nachmittagsbetreuung (bezieht sich nur auf Kinder, die an mindestens zwei Tagen die Woche dabei sind).

„30 Prozent könnensich höhere Beiträgenicht leisten“

Gefragt nach einem Stimmungsbild, erklärte ein Großteil der Anwesenden per Handzeichen Zustimmung zur Erhöhung. Es wurde aber auch deutlich, dass speziell Anja Künkele sich nur schweren Herzens dazu durchringen konnte. „Etwa 30 Prozent der Familien werden diesen Betrag nicht aufbringen können“, sagte sie. Sie habe zwei E-Mails von Familien erhalten, die ihre Kinder wegen der Gebührenerhöhung abmelden wollen. „Gerade diese Kinder brauchen das Betreuungsangebot aber am meisten“, sagte Braun.

Zudem stimmte die Versammlung geschlossen zu, den Mitgliedsbeitrag von 13 auf 18 Euro pro Jahr zu erhöhen. Das ist allerdings eher ein Tropfen auf den heißen Stein.

Um das verbleibende Minus – 10 000 bis 12 000 Euro – auszugleichen, war der Verein an die Gemeinde herangetreten. Deren Position erläuterte in der Kaminstub’n Zweiter Bürgermeister Franz Schöttl – Rathauschef Werner Weindl war verhindert. „Nicht schön gelaufen“ sei, dass der Verein die Gemeinde „vor vollendete Tatsachen“ gestellt habe. Man habe Anja Künkele „in dem Wissen eingestellt, dass man die Kosten aus den laufenden Einnahmen nicht stemmen kann“.

Der Zweite Bürgermeister erwähnte auch, dass die Gemeinde gesetzlich für eine „bedarfsgerechte Betreuung von Kindern bis 14 Jahre zuständig“ ist. Dieser Verpflichtung komme die Gemeinde zum Beispiel nach, indem sie für 190 000 Euro einen Container für die Mittagsbetreuung errichtet habe und die Betriebskosten von 20 000 Euro im Jahr bezahle.

Auch Anja Künkele hatte zuvor auf diese gesetzliche Pflicht hingewiesen. Wenn der Verein kein Betreuungsangebot bieten würde, „dann müsste die Gemeinde einen Hort einrichten. Dort gäbe es deutlich strengere gesetzliche Vorgaben, und es würde für Eltern und Gemeinde deutlich teurer.“

Ferienbetreuung steht zur Disposition

Der Stand der Dinge aktuell: Der gemeindliche Hauptausschuss und der Stiftungsrat der Brückl-Stiftung haben laut Schöttl beschlossen, dass aus der Stiftung 5170 Euro an den Verein ausgeschüttet werden und dass ein gemeindliches zinsloses Darlehen von 5000 Euro in einen Zuschuss umgewandelt wird – aber erst, wenn der Verein einen Haushaltsplan vorlegt. „Danach soll das Thema wieder im Hauptausschuss behandelt werden mit dem Ziel, eine langfristige Lösung zu erzielen“, sagte Schöttl. Zudem hat Weindl den Verein aufgefordert, nach Einsparmöglichkeiten zu suchen.

Dazu sieht Vereinschef Braun aber kaum Möglichkeiten. „90 Prozent unserer Ausgaben sind Personalkosten. Um zu sparen, müssten wir den Betreuerinnen 10 bis 15 Prozent weniger Lohn zahlen. Deswegen sind wir über diese Forderung ein wenig verstimmt.“ Vorerst sind laut Braun zwei Änderungen vorgesehen: Ab dem kommenden Schuljahr soll es Eltern nur noch möglich sein, die Betreuung für mindestens zwei Tage pro Woche zu buchen. Nur in diesem Fall gibt es staatliche Zuschüsse. Zur Disposition steht außerdem die Ferienbetreuung. Sie soll nur noch angeboten werden, wenn sie sich finanziell trägt – was laut Künkele ab sechs Kindern der Fall ist.

Auseinander gingen die Aussagen zu einem „klärenden Gespräch“ zwischen Vereins- und Rathausspitze am Montag. Während Schöttl von einem „positiven Verlauf“ sprach, sagte Braun: „Der Stil dieser Sitzung war nicht erfreulich.“ In der Versammlung war Schöttl jedenfalls um einen versöhnlichen Ton bemüht, richtete „herzliche Grüße“ von Weindl aus und betonte die „Wertschätzung für die Arbeit des Vereins“. Anja Künkele appellierte: „Das Kindeswohl muss im Vordergrund stehen, es muss irgendwie weitergehen.“

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