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Im Kreise der Familie: Barbara Siede mit (hinten, v. li.) Niklas, Lukas, Andreas und Ulrike Weinhart, Elisabeth Pieter-Siede, Horst Pieter sowie Annalena Weinhart (vorne re).

Sechs Kuchen und ein Haufen Reisepläne zum 90. Geburtstag

Lenggries - Barbara Siede feierte ihren 90. Geburtstag und hat noch jede menge vor.

Barbara Siede ist in Lenggries nicht erst bekannt, seit der Tölzer Kurier über die Segelreise der damals 89-Jährigen zu den Bahamas berichtet hat, auf die sie die Einheimischen noch immer ansprechen. Die Menschen kennen die Seniorin auch von der Volkshochschule, wo sie 30 Jahre Malkurse gegeben hat, und als evangelische Religionslehrerin am St.-Ursula-Gymnasium. Dieser Bekanntheitsgrad ist der Grund dafür, dass Siede zu ihrem 90. Geburtstag gleich mehrere Tage gefeiert wurde.

„Ich bekam sechs Kuchen geschenkt“, schildert Siede. „Beim nächsten Gratulanten, der Kuchen mitbringen wollte, rief ich: ,Nein!‘“ Eine große Freude machte der Jubilarin die evangelische Gemeinde. „Pfarrer Huber kam zu Besuch, und plötzlich fuhr da ein Bus vor, aus dem stieg der ganze Kirchenchor aus“, erzählt Siede immer noch sichtlich gerührt. „Sie sangen auch Lieder aus Taizé, die mag ich so gern.“ Früher hat Siede in der Kirche selbst Orgel gespielt, ist geprüfte Musikerin. Auch heute setzt sie sich noch ans Klavier im Wohnzimmer.

Siedes Familie wohnt in Kaufering (Kreis Landsberg am Lech), kam zu ihrem 90. Geburtstag aber natürlich in den Isarwinkel. Nur ihr Sohn Reinhard konnte lediglich telefonisch gratulieren: „Der macht gerade eine Weltreise, sein großer Traum. Der kann nicht wegen eines Tages hierherkommen“, ist die Mutter großzügig. Dafür hatte er sie wie berichtet an Weihnachten auf seinen Segler vor den Bahamas geholt.

Den Kontakt zu ihrer Familie hält Siede über die neuen Medien. „Meine Mutter hat mit 89 Jahren mit dem iPad begonnen“, berichtet Tochter Elisabeth Pieter-Siede stolz. „Seit sie es richtig beherrscht, strahlt sie“, schmunzelt Schwiegersohn Horst Pieter.

Siede kam 1973 als Frau des evangelischen Pfarrers nach Lenggries. Sie unterstützte die Arbeit ihres Mannes umfassend, organisierte Kindergottesdienste und Jugendfreizeiten. Ihre Lebensfreude schöpft sie aus ihrem Glauben. „Ich habe ein tiefes Gottvertrauen, und ich bestehe aus Dankbarkeit“, bekennt sie. Als junge Frau, die die Flucht aus Breslau erleben musste, sei sie sich bewusst geworden, „wie wir behütet und geführt wurden“.

Trotz ihres hohen Alters lebt die Seniorin noch immer allein, kocht und fährt sogar noch Auto – allerdings nur noch innerorts. Heuer hat sie drei Reisen geplant, zum Treffen der Familiensippe mit 130 Teilnehmern in Mitteldeutschland, auf die Insel Krk und noch eine Kur. Diese Reisen wird sie natürlich nicht mehr selbst am Steuer zurücklegen. „Ich habe immer jemanden, der mich hinbringt und abholt“, sagt die 90-Jährige.

Und sie wird noch mehr Events geschenkt bekommen, wie sie ihre Wünsche zum Geburtstag nennt. Einer davon lautet: „Jemand wird mit mir in die Jachenau fahren.“

Birgit Botzenhart

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