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Am Steinbach-Einlauf an der Isar beobachtet Manfred Haff das Laichen der seltenen Nasen.

Artenschutz

Seltene Fische zurück in der Isar: Die Nasen sind wieder da

Die Nase, ein bedrohter Karpfenfisch, war seit Jahrzehnten aus der Isar verschwunden. Doch jetzt zeigt das Zusammenspiel diverser Maßnahmen einen überraschenden Erfolg.

Lenggries– Seit fast einem halben Jahrhundert waren die Nasen in der Isar nicht mehr auffindbar. Bis Anfang der 1980er-Jahre hielten die Karpfenfische am Oberlauf der Isar bei Bad Tölz noch ihre „Hochzeit“ ab, besser bekannt als Laichwanderung. Doch dann dezimierte sich der Bestand dramatisch, bis er schließlich ganz verschwand. Heute ist die Fischart, die ihren Namen ihrem unterständigen Mund verdankt, der ihre Kopfspitze wie eine stumpfe Nase aussehen lässt, auf der Roten Liste der bedrohten Tierarten als stark gefährdet eingestuft.

Doch nun gibt es einen Lichtblick: am Steinbach-Einlauf nördlich von Lenggries kann man zurzeit die Nasen beim Ablaichen beobachten. Dort war laut Manfred Haff, dem Vorsitzenden des Tölzer Bezirksfischereivereins, schon immer ein bevorzugter Laichplatz der seltenen Fische. Er hat mehrere Erklärungen für deren Rückkehr: Das Wasserwirtschaftsamt Weilheim hat vor einiger Zeit an der Einmündung des Steinbaches in die Isar die Eisenschienen, die als Absturzbauwerke fungieren, durch natürliche Steinrampen ersetzt. Diese ermöglichen es den Fischen, ganz einfach in den Oberlauf einzuschwimmen. „Das war eine wichtige Maßnahme, und wir danken dem Wasserwirtschaftsamt sehr dafür“, sagt Manfred Haff.

Fischereiverein Bad Tölz hat 230 Nasen im Klammerweiher eingesetzt

Des Weiteren hat der Fischereiverein Bad Tölz selbst 230 Nasen in den Klammerweiher eingesetzt und die laichbereiten Fische nach drei Jahren im vergangenen Herbst in die Isar versetzt. Diese sind ihren Trieben gefolgt und wieder zum alten Lieblingslaichplatz am Steinbachzulauf geschwommen. Der Landesfischereiverband hatte laut Haff im Rahmen des Artenschutzprogramms zwar seit über zehn Jahren Nasen in die Isar gesetzt, bislang aber ohne Erfolg.

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Etwas getrübt wird Haffs Freude jedoch durch die immer wiederkehrenden Vorwürfe, die Fischer würden die Tiere nur aus Eigennutz einbürgern. „Erstens sind die Nasen gar nicht zum Verzehr geeignet, und zweitens denken wir auch an etwas anderes als unsere Pfannen“, empört er sich.

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Die Isarverordnung könnte dem wachsenden Fischbestand zugute kommen. Da die Boote seit heuer erst ab 1. Juni die Isar befahren dürfen, würden die Nasen, deren Laichzeit zwischen März und Mai ist, nicht gestört.

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Trotz des Erfolgs betont Manfred Haff, dass der Bestand erst wieder gesichert ist, wenn auch in den kommenden Jahren die Nasen in Bad Tölz ablaichen, wie sie es schon seit der letzten Eiszeit taten. „Ich hoffe, das war keine Eintagsfliege.“

Theresa Pfund

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