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Langfinger: Eine Frau steckt in einem Fotogeschäft eine Kamera unter ihre Jacke.

Richter lässt Milde walten

Sie klaute in Lenggries im Wert von 230 Euro - und konnte erst nach vier Jahren bestraft werden

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Zahlreiche Elektroartikel steckte eine Ladendiebin im Mai 2014 in ihre Sporttasche. Ein Ladendetektiv stellte die Frau. Erst jetzt wurde die 52-Jährige verurteilt.

Lenggries/Wolfratshausen – Ende Mai 2014 trug eine Ladendiebin Elektroartikel im Wert von rund 230 Euro ohne zu bezahlen aus einem Lenggrieser Geschäft. Erst jetzt, mehr als vier Jahre nach dem Diebstahl, wurde die heute 52-jährige gelernte Bäckerin zu sechs Monaten Gefängnis verurteilt. Die Strafe wurde vom Gericht für drei Jahre zur Bewährung ausgesetzt.

Einen Funk-Wecker, Kopfhörer, Lautsprecher und USB-Sticks hatte die Frau am 28. Mai vor vier Jahren in einer Sporttasche verstaut, als sie gegen 19.15 Uhr das Geschäft verließ. Auf dem Parkplatz wurde sie von einem Ladendetektiv gestellt. Die Frau flüchtete, ließ Auto und Beute zurück. Am nächsten Tag stand die Polizei vor ihrer Tür.

Die gestohlenen Sachen sollten Geschenke für ihre im Ausland lebenden Kinder sein, erklärte die Frau nun vor Gericht. Zu früheren Verhandlungsterminen war sie nicht erschienen, deshalb wurde die inzwischen in München wohnhafte Angeklagte seit Januar 2016 mit Haftbefehl gesucht. Erst Ende August dieses Jahres klickten die Handschellen. Dass sie sich dem Gericht nicht freiwillig gestellt hatte, hat einen einfachen Grund: Angst vor dem Gefängnis. Bevor sie in dem Lenggrieser Laden lange Finger machte, war die Frau binnen kurzer Zeit bereits drei Mal wegen Diebstahls verurteilt worden – zuletzt 2013 zu drei Monaten Freiheitsstrafe auf Bewährung. Nun drohte ihr eine längere Vollzugsstrafe. Sechs weitere Monate Haft beantragte die Staatsanwältin.

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Doch das Gericht ließ Milde walten. Richter Helmut Berger verurteilte die Beschuldigte zwar zu der beantragten Haftstrafe, setzte den Vollzug jedoch zur Bewährung aus. Ein Grund dafür ist, dass die Frau inzwischen seit zwei Jahren eine feste Arbeit hat.

„Früher hatte sie viele Stellen, ist oft rausgeflogen“, gewährte der Verteidiger einen flüchtigen Einblick in die Vergangenheit seiner Mandantin. „Derzeit läuft alles bestens.“ Zudem liege die Tat inzwischen lange zurück, und es sei kein Schaden entstanden, weil die gestohlenen Geräte wieder verkauft werden konnten. Als Auflage muss die Verurteilte 1000 Euro an einen Selbsthilfeverein für Menschen mit Behinderungen zahlen. „Es tut mir sehr leid. Ich verspreche, dass sich sowas nicht wiederholt“, beteuerte die Angeklagte.

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Rudi Stallein

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