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Baustellenbesuch: Ralf Kirchgatterer (li.) vom Technischen Bauamt und Franz Reiser, Mitarbeiter der Kläranlage.

Umbau und Erweiterung

So wird die Lenggrieser Kläranlage fit für die Zukunft

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Betriebsamkeit herrscht auf dem Areal der Lenggrieser Kläranlage. Dort haben die Bauarbeiten begonnen, die die Einrichtung fit für die Zukunft machen sollen.

Lenggries – 1969 wurde die Kläranlage an der B 13 gebaut, 2001 erneuert und erweitert. Seitdem hat die Gemeinde umfangreich in den Kanalbau investiert. Zahlreiche Ortsteile wurden an die Kanalisation und somit auch an die Anlage angeschlossen. Diese ist mittlerweile an der Kapazitätsgrenze angekommen.

Bereits vor einiger Zeit begannen die Überlegungen, wie das Klärwerk fit für die Zukunft gemacht werden kann. „Am Anfang wurde darüber nachgedacht, zwei zusätzliche Belebungsbecken zu bauen“, sagt Ralf Kirchgatterer vom Technischen Bauamt. Eine Lösung mit mehreren Nachteilen: relativ hohe Investitionen, eigentlich zu wenig Platz für noch weitere Energiefresser in der ohnehin schon energie-intensiven Anlage.

Der Gemeinderat beschloss, einen anderen Weg einzuschlagen und rüstet deshalb nun seit Mai auf eine anaerobe Schlammfaulung um. „Die Investition ist hier zwar etwas höher, aber wir gewinnen jede Menge Energie“, erklärt Kirchgatterer.

Im ehemaligen Schlammlager wird unter einer neuen Zwischendecke der Schlamm ausfaulen. Das Faulgas wird darüber ein Blockheizkraftwerk antreiben. Das Problem: Im Inneren des Turms wurde Teer entdeckt.

Gebaut wird derzeit an zwei Stellen auf dem Gelände: Im südlichen Bereich wurde eine sehr tiefe Baugrube ausgehoben. Dort entsteht das Vorklärbecken. „Das muss so tief sein, damit sich hier der Schlamm absetzen kann“, erklärt Franz Reiser, Mitarbeiter der Kläranlage. Vom Becken wird der Schlamm zum Faulturm gepumpt. Der befindet sich auf der anderen Seite des Geländes. Der kreisrunde Turm diente zuletzt als Schlammlager, sagt Kirchgatterer. Nun wird er umgebaut. Unterhalb der neuen Zwischendecke wird künftig der Schlamm ausfaulen und dabei Gas erzeugen. Dieses wird im darüber liegenden Raum das Blockheizkraftwerk speisen, das so Wärme und Strom erzeugt. Erstere wird genutzt, um die Schlammtemperatur auf 37 bis 38 Grad zu halten. Auch ins Heizungssystem des Betriebsgebäudes kann er eingespeist werden. Der Strom „deckt künftig etwa 60 Prozent unseres Eigenbedarfs“, sagt Reiser. Derzeit benötigt die Kläranlage pro Jahr rund 405 000 Kilowattstunden Strom. Nach der Umrüstung werden es nur noch 145 000 Kilowattstunden sein. Das bedeutet deutlich geringere Energiekosten für die Gemeinde.

Hinter der Metall-Manschette im oberen Bereich des kreisrunden Turms befindet sich Teer. Rund 100 000 Euro wird das Entsorgen des krebserregenden Materials durch eine Fachfirma kosten. 

Zwischengespeichert wird das Faulgas in einem Gastank, der neben dem Turm entsteht. Das Fundament ist bereits zu sehen. „Der Aufbau wird recht schnell gehen“, sagt Kirchgatterer.

Im kommenden Jahr sollen die Bauarbeiten abgeschlossen sein. Ursprünglich war Ende 2017 angepeilt worden. Allerdings gab es ein Problem beim Umbau des Klärschlammbehälters. Im Inneren wurde Teer entdeckt. Was bei der Errichtung in den 60er-Jahren ein normaler Baustoff war, ist heute verboten: Teer enthält Polyzyklische Aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK), die als krebserregend gelten. Die Folge: Der Teer muss raus, bevor dort Schlammfaulung und Maschinenhaus entstehen können. Das muss eine Spezialfirma unter allerlei Sicherheitsvorkehrungen übernehmen. Der Gemeinderat hat den Auftrag in seiner jüngsten nicht-öffentlichen Sitzung vergeben. Rund 100 000 Euro wird das Entfernen und Entsorgen kosten. „Mit einem blauen Auge davon gekommen“ nennt das Kirchgatterer. Kein Wunder: „Erste Kostenschätzungen lagen bei 300 000 bis 500 000 Euro. Da erschrickt man schon.“

Rund 2,6 Millionen Euro investiert Gemeinde in die Umstellung und die Erweiterung. Der Freistaat bezuschusst die Maßnahme mit rund 322 000 Euro. In einem zweiten Schritt entsteht dann vor dem Faulturm für rund 200 000 Euro noch eine Schlammentwässerungsanlage. Hintergrund: Je weniger Wasser der Schlamm enthält, desto weniger wiegt er und desto günstiger ist die Entsorgung. Derzeit kommt regelmäßig eine Fachfirma mit einer mobilen Presse aufs Gelände. Künftig werden die Mitarbeiter der Kläranlage das selbst erledigen. Dass man mit dem Bau wartet, bis die Faulung läuft, hat einen Grund: „Wir müssen uns den Schlamm anschauen“, sagt Kirchgatterer. Für die Presse gebe es verschiedene Systeme, und man wolle sich für das richtige entscheiden.

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