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Karten, Steine oder ein Kissen: Petra Brändli aus Lenggries zeigt beim „Letter-Café“ des Kunstvereins Tölzer Land, wie man mit Handschrift kreativ werden kann. Der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt.

Porträt

So wird man kreativ mit der eigenen Handschrift: Petra Brändli zeigt, wie es geht

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Schönes Schreiben ist eine Kunst. Wie das gelingt und was man alles Besonderes daraus machen kann, erklärt Petra Brändli beim Kunstverein Tölzer Land in Handlettering-Kursen. Mit der eigenen Handschrift künstlerisch etwas zu gestalten, wird zunehmend populär.

Lenggries/Bad Tölz– Nein, Handlettering ist nicht mit Kalligrafie zu verwechseln. „In der Kalligrafie geht es darum, eine schöne Schrift nach bestimmten Regeln zu lernen“, erklärt Petra Brändli. Beim Handlettering hingegen unterstreiche man die Pflege seiner eigenen Handschrift. „Beim Gestalten der Buchstaben gibt es keine Regeln.“ Jeder könne selbst entscheiden, wie ihm die eigene Schrift und das Gestalten am besten gefalle. „Man kann zum Beispiel auch mal einen Buchstaben spiegelverkehrt setzen, wenn es ins Gesamtbild passt“, erklärt Brändli.

Der Kreativität sind also keine Grenzen gesetzt. Beschrieben werden darf, was Spaß macht – Karten, also Papier, oder Tassen, Taschen, Kissen, Steine und Möbel zum Beispiel. „Heute schon gelächelt“ steht mit schönen, geschwungenen Buchstaben auf dem Spiegelschrank in Brändlis Arbeitszimmer zu Hause in Lenggries. Und auf der Couch liegt ein großes Kissen: „don’t worry, be happy“, hat Brändli unübersehbar groß darauf geschrieben, die Buchstaben purzeln durcheinander und klammern sich aneinander.

Auch mit Textilfarbe kann gearbeitet werden, wie man zum Beispiel auf diesem Kissen sieht.

Wie das alles geht, erklärt Brändliseit einigen Wochen beim Kunstverein Tölzer Land. „Die Kurse erfreuen sich eines regen Interesses“, sagt die Mutter von zwei erwachsenen Kindern. Mit kleineren Kindern hat sie als Mitarbeiterin der Hausaufgabenbetreuung zu tun. Und da fiel ihr im Laufe der Jahre auf, dass die Mädchen und Buben nicht mehr so flüssig schreiben können. „Den Kindern fällt es heutzutage zunehmend schwer, mit der Hand zu schreiben. Nach meiner Beobachtung machen sie in der Schule nicht mehr so häufig Schwung-Übungen, wie wir es früher gemacht haben“, sagt die 57-Jährige.

Ihr Angebot an die Kinder, Schriftschwung und Kreativsein miteinander zu verknüpfen, kam gut an. Auch Brändli fand das toll, „denn ich schreibe schon immer gerne mit der Hand“, sagt sie lächelnd. Eine schöne Schrift, sei es im Rezeptbuch oder auf einer Postkarte, sei etwas sehr Besonderes, ja Persönliches, sagt sie. Im Laufe der vergangenen Jahre entdeckte sie das Handlettering für sich und bildete sich selbst in verschiedenen Fachkursen fort, etwa in München. Seit geraumer Zeit wird diese Art der Gestaltung, früher eine Nische, immer populärer.

Brändli stammt aus Nordrhein-Westfalen und lebt seit über 15 Jahren mit ihrer Familie in Lenggries. „Das künstlerische Talent habe ich wohl von meinem Großvater geerbt“, sagt sie. Früher malte sie Aquarelle, eine Auswahl der Bilder ziert das Haus der Familie.

Im Arbeitszimmer stapeln sich jetzt jedoch viele verschiedene Papiertypen, Eddings, Kreidestifte, Colapens, Gelstifte, Fineliner und Buntstifte in ganz verschiedenen Farben und Stärken, alles feinsäuberlich sortiert. „Fürs Handlettering braucht man kein teures Material“, sagt Brändli. „Man kann mit jedem Stift lettern.“ Wie das geht, erklärt sie in den „Letter-Café“-Kursen, die jeweils unter einem bestimmten Motto stehen. „Man braucht dafür keine Vorkenntnisse“, sagt sie. Bei Kaffee und Kuchen kann man sich in geselliger Runde austauschen und voneinander lernen. „Man beginnt damit, erstmal die Buchstaben schön zu schreiben und seine eigene Handschrift zu finden“, sagt Brändli. Dann verrät sie Tipps und Tricks zur Entwicklung und Gestaltung. Kommen können Jugendliche und Erwachsene, für Kinder gibt es extra Kurse.

Eines ist Brändli aufgefallen: „Beim Schreiben kommen alle zur Ruhe, es ist wie eine kleine Meditation.“ Sie selbst möchte „den Menschen Mut machen, sich wieder für ihre eigene Handschrift zu begeistern“. Wer achtsam schreibe, sagt die Künstlerin, „geht mit offeneren Augen durch die Welt“.

Das nächste Letter-Café des Kunstvereins findet am Sonntag, 23. September, von 15 bis 17.30 Uhr im Kunstsalon in Bad Tölz (Marktstraße 6) statt. Weitere Infos und Anmeldung bei Petra Brändli per E-Mail an schreibmamsell@t-online.de oder online über ihre Internetseite www.schreibmamsell.com

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