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Erkundungstour am Grund des Sylvensteinsees: Cornelia und Ernst Beyerer aus Freising sind beeindruckt, wie gut Alt-Fall erhalten ist.

Faszinierende Ruinen von Alt-Fall

Spaziergang am trockenen Sylvensteinsee: "Schon irre, das zu sehen"

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Lenggries – Es ist ein Spaziergang für Geschichtsinteressierte und Abenteurer: Die Ruinen von Alt-Fall lockten am Sonntag so viele Besucher nach Lenggries, dass kaum noch ein Parkplatz am See zu finden war. 

Walter Schüller steht am Ufer unter der Sylvensteinbrücke. Hier würde es in das eisblaue Wasser des Speichersees gehen, doch der Hang, der an Schüllers Fußspitzen beginnt, ist trocken. „Da unten habe ich schon übernachtet“, sagt der 76-Jährige aus Bad Tölz. Er zeigt auf zerfallene Mauerreste, die von halbgefrorenem Matsch umrahmt sind.

Als Schüller „dort unten“ übernachtet hat, war auch alles trocken. Damals, als Jugendlicher, machte der Tölzer eine Bergtour mit Freunden. „Der Bus ist nur einmal die Woche zurückgefahren, also ist man im Gasthaus Fall untergekommen“, sagt Schüller.

Mit Ehefrau Hildegard und Tochter Stefanie begutachtet er an diesem Sonntagmittag, was vom ehemaligen Fall noch übrig ist. Die alten Grundmauern sind freigelegt, weil das Wasserwirtschaftsamt den Wasserspiegel für Sanierungsarbeiten weit abgesenkt hat. „Es ist schon irre, das so zu sehen.“

Womit Familie Schüller allerdings nicht gerechnet hat: Sie sind nicht die Einzigen, die den Grund des Sylvensteins erkunden. Kinder, Männer, Frauen und Hunde stapfen über den weichen Boden. Sie klettern über hügelige Steinreste und schlittern auf die Eisflächen, die sich auf den Pfützen dazwischen gebildet haben.

An der Jeans von Lucie (6) ist der Matsch bis an die Knie gespritzt. Ihre Eltern Barbara Paulmichel (39) und Rüdiger Lehmann (41) aus München sehen das gelassen. Paulmichel fotografiert ein paar alte Ziegel mit ihrem Handy. Sie will es daheim mit den historischen Fotos aus der Zeitung vergleichen. „Hier ist es richtig cool und es ist super Wetter“, sagt ihr Lebensgefährte. Er findet beeindruckend, wie gut die Auffahrten in die Heustadel erhalten sind.

Viele suchen das Abenteuer am Sylvensteinsee ohne Wasser

Auf so einer Rampe stehen Cornelia (46) und Ernst Beyerer (48), weil sie dachten, sie könnten geradeaus weiterlaufen – doch der Mauervorsprung geht senkrecht nach unten. Ernst Beyerer schaut über die Schulter zur Sylvensteinbrücke, über die er oft mit dem Motorrad gefahren ist. „Vor 30 Jahren sind wir da zum Baden runtergesprungen“, sagt der Freisinger. „Das war schön blöd, so viel Wasser war da gar nicht drunter.“

Cornelia Beyerer hat in der Zeitung von dem Ereignis gelesen. Die Freisingerin interessiert sich für Geschichte. „Alt-Fall ist super erhalten“, findet sie. „Schade, dass die Faller damals zwangsversetzt wurden.“

Alt-Fall: Das versunkene Dorf im Sylvensteinsee

Eine zerfallene Rampe weiter schlüpft Michael Seifert (28) in einen Klettergurt. Klettern kann man in den Ruinen nicht wirklich, aber Seifert hängt sich ohnehin nur für ein Foto ins Seil. „Expedition Speichergrund“, nennen er und Marc Naumann (33) die Aktion, über die sie in einem Klettermagazin schreiben wollen. „Das ist mal was anderes“, sagen sie.

Abenteuer – das sucht auch Dominik Heiß aus Gaißach am Grund des Sylvensteinsees. Er flickt den Reifen seines Mountainbikes. Die Hände sind voller Matsch. Der 21-Jährige war vergangene Woche schon zu Fuß da. „Hier zu radeln, das hat mich gejuckt.“ Derzeit gäbe es wohl keine coolere Location in der Region. Und die 20 Minuten, bis das Mountainbike einen Platten bekam, „haben auch Spaß gemacht“, sagt Heiß lachend.

Durch den batzigen Lehm, der nach Fischkutter riecht, will nicht jeder Schaulustige spazieren. Heribald Deiretsbacher (70) blickt von der Sylvensteinbrücke auf das Wimmelbild am Grund. „Wo war die Kirche?“, fragt der Münchner. Er hätte gedacht, dass davon noch mehr zu sehen ist. „Ich bin richtig froh, hergekommen zu sein“, sagt er dennoch beeindruckt.

An dem 70-Jährigen rauscht ein Auto nach dem anderen vorbei. Viele bremsen, um einen Blick auf das verlassene Dorf zu erhaschen – Garmischer, Ebersberger, Kufsteiner und sogar Offenbacher Kennzeichen. Ein Tölzer kurbelt sein Fenster runter und ruft, was es da zu sehen gebe. „Das alte Dorf Fall, das abgerissen wurde“, antwortet ein Fußgänger auf der Brücke. Die Frau daneben widerspricht. „Nein, nein, das wurde nicht abgerissen, es wurde einfach geflutet.“

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