Siegfried Brandhofer, Vorstand des Lenggrieser Turnvereins
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Siegfried Brandhofer, Vorstand des Lenggrieser Turnvereins

Interview-Serie „Wie geht‘s?“

Sportler bleiben bei der Stange: Lenggrieser Turnverein verliert in der Corona-Zeit kaum Mitglieder

Vereinssport ist in der Corona-Pandemie ein heikles Thema. Der Lenggrieser Turnverein kann jedoch auf treue Mitglieder zählen, wie Vorstand Siegfried Brandhofer berichtet.

Lenggries - Der Lenggrieser Turnverein hat 1367 Mitglieder. Nicht jeder davon ist ein aktives Mitglied, derzeit sind es 521 Frauen und 219 Männer sowie 130 Jugendliche und 497 Kinder. Der Verein bietet Angebote von Gymnastik über Judo, Leichtathletik und Rudern bis zu Taekwondo, Turnen und Volleyball. 75 Übungsleiter bieten die zahlreichen Kurse an. Vorstand Siegfried Brandhofer (53) erzählt, wie der Verein das Corona-Jahr erlebt hat.

Herr Brandhofer, haben einige Ihrer Übungsleiter aus Frustration über das ewige Hin und Her mittlerweile das Handtuch geworfen?

Nein, zum Glück sind alle noch dabei! Es hat zwar eine Besetzungsänderung im Vorstand gegeben, aber die hatte nichts mit der Pandemie zu tun.

Sind alle Ihre Übungsleiter ehrenamtlich tätig?

Ja, ohne Ausnahme. Sie bekommen lediglich die Übungsleiterpauschale, bislang in Höhe von 2400, nun von 3000 Euro im Jahr. Und die Funktionäre wie der Vorstand oder die Abteilungsleiter erhalten die Ehrenamtspauschale, die gerade von 720 auf 840 Euro im Jahr angehoben wurde.

Wie viele Angebote pro Woche gab es vor dem ersten Lockdown?

In allen Abteilungen fanden von Montag bis Freitag jeweils von 16 bis 22 Uhr Kurse statt, die dann größtenteils komplett entfallen mussten.

Wie haben Sie versucht, die Mitglieder im Lockdown bei der Stange zu halten?

Das Volleyball-Training konnte unter Einhaltung der Hygienevorschriften lange Zeit draußen stattfinden, da wir ein Beachvolleyballfeld haben. Als das nicht mehr möglich war, wurde Online-Training angeboten.

Gab es dieses für alle Abteilungen?

Nein, das ist einfach nicht in allen Sportarten sinnvoll möglich. In der Gymnastik haben wir es beispielsweise auch praktiziert, aber wo der direkte Körperkontakt erforderlich ist, etwa zu Partner-Übungen, macht Online-Training wenig Sinn. Im Einzelnen haben die Übungsleiter selbst entschieden, was hier im Netz angeboten werden kann.

Gab es Abmeldungen und Kündigungen bei den Mitgliedern?

Nur minimal: 2020 hatten wir 1382 Mitglieder, im Vergleich zur aktuellen Zahl sind uns also nur 15 Aktive abhanden gekommen. Und diese sind weniger bei den auf lange Dauer angelegten Sportarten wie Gymnastik oder Volleyball, sondern eher bei auf kürzere Lebenszeitspannen abzielende Kurse wie Mutter-Kind-Turnen zu verzeichnen.

Das heißt, die finanziellen Einbußen halten sich in Grenzen?

Natürlich sind die Einnahmen, die wir üblicherweise bei diversen Festen durch den Verkauf von Getränken und Imbissen erwirtschaften, weggefallen. Aber dafür hatten wir auch keine Ausgaben wie etwa die Ausrichtung oder die Fahrt zu Wettkämpfen und dergleichen. Unterm Strich dürfte vielleicht sogar ein kleines Plus bleiben.

Wie planen Sie aktuell anhand der unübersichtlichen Lage der Pandemie den Wieder-Einstieg in die reguläre Vereinsarbeit?

Wir haben die Gemeinde angeschrieben, um zu erfahren, wie es um die Trainingsmöglichkeiten steht. Aber die wartet auch noch auf genauere Vorgaben. Wenn uns die vorliegen und die Auflagen umsetzbar sind, steigen wir sofort wieder ein. Sobald man wieder draußen trainieren kann, wird es etwa mit der Leichtathletik losgehen. Direkter Kontaktsport wie Judo dürfte aber wohl noch länger ausfallen…

Könnte die doch längere Phase der Schließung der Sportvereine dauerhafte negative Folgen für die Gesundheit haben? Eben weil man sich daran gewöhnt hat, dass es auf der Couch/vor dem Computer so schön bequem ist?

Das kann ich mir nicht vorstellen. Vielleicht vereinzelt, aber wer da abspringt, war wohl auch vorher schon ohne rechte Freude dabei. Im Gegenteil: Es wäre doch auch denkbar, dass der Zuspruch steigt, weil die Leute nach der erzwungenen Auszeit noch mehr zu schätzen wissen, was unser Verein ihnen anbieten kann.

Könnte es passieren, dass der Lockdown negative Folgen für die Auswahl von besonders Begabten hat, weil Sporttalente unentdeckt oder ungefördert geblieben sind?

Nein, das denke ich nicht. Das verschiebt sich dann bloß – und die Talente werden eben etwas später entdeckt…

Hat die Begeisterung für den Hobbysport in den letzten Jahren, also vor Corona, generell eher zu- oder abgenommen?

Die hat eindeutig zugenommen. Als ich vor neun Jahren in den Vorstand gewählt wurde, hatten wir rund 500 Mitglieder weniger als derzeit. Über den großen Zuwachs in wenigen Jahren war ich selbst ganz überrascht. Aber er zeigt uns natürlich, dass wir gute Arbeit machen!

Wird nach Ihrer Einschätzung grundsätzlich ausreichend sportliche Betätigung betrieben?

Da kann ich nur von uns sprechen. Und in Lenggries läuft’s…

Und wie steht es um Ihr ganz persönliches Sport-Level im Lockdown?

Ich habe Berg- und Skitouren unternommen, bin gejoggt – also wie immer. Wie viel Sport ich machen kann, hängt bei mir eher davon ab, wie viel Zeit mir meine Arbeit als technischer Leiter einer Privatklinik in Waakirchen lässt. Corona hatte darauf keinen Einfluss. (Interview: Sabine Näher)

In der Reihe „Wie geht’s?“ fragen wir bei Menschen aus dem Landkreis nach, wie sie die ungewöhnlichen Corona-Zeiten erleben, zum Beispiel die Fingerhakler im Isargau und die Pfadfinder im Loisachtal.

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