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Archäologen unter sich: Robin Franke, Elena Maier und Lisa Bauer bei der Ausgrabung der neuzeitlichen Almhütte in der Eng.

Archäologische Untersuchungen 

Steinzeit-Funde in der Eng ausgegraben

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Ein Erfolg auf der ganzen Linie waren die Ausgrabungen in der Eng, die in diesem Jahr fortgesetzt wurden. Denn die Archäologen stießen auf einen besonderen Fund.

Hinterriß/Eng – Da staunten die Archäologen aber nicht schlecht: Dort, wo sie eine Schutzhütte ausgegraben hatten, wurden sie noch einmal fündig. Wie berichtet, haben die Wissenschaftler um die Professorin Caroline von Nicolai in den vergangenen Jahren immer wieder eine Alm oberhalb der Eng aufgesucht, um dort Grabungen zu unternehmen. Im vergangenen Jahr fanden sie eine Hütte, die sie zunächst als mittelalterlich einstuften. Nach genaueren Untersuchungen stellte sie sich aber als neuzeitlich heraus. „Das war natürlich nicht das, was ich mir erhofft hatte“, sagt die Vor- und Frühgeschichtlerin von Nicolai lachend. Aber am Ende der Ausgrabungen im vergangenen Jahr machten sie noch eine besondere Entdeckung: Unter der Schutzhütte legten sie eine Grube frei – mit Funden aus der Steinzeit. Deshalb kehrte von Nicolai in diesem Jahr mit drei Studenten zurück. Drei Wochen lang untersuchten sie die Umgebung und fanden weitere Stücke, die aus der Zeit um etwa 5000 vor Christus stammen.

Fundstücke: Feuersteine und Bergkristalle für Werkzeuge und Waffen aus der Jungsteinzeit (um 5000 vor Christus).

„Manche der Steingeräte, die wir gefunden haben, würden sogar ins Mesolithikum passen“ – könnten also sogar noch älter sein. Dies ist laut der Expertin vor allem deshalb interessant, da im näheren Umfeld der Eng keine Fundstellen aus dieser Zeit bekannt sind. „Es gibt welche in der Gegend von Freising, oder auch südlich davon“, sagt von Nicolai.

Angelegt wurde die Grube vermutlich von steinzeitlichen Jägern. Die Forscher fanden Produktionsabfälle und lokale Materialien, wie etwa einen speziellen rötlichen Stein. „Wir haben beispielsweise Splitter gefunden, wie sie entstehen, wenn man Steine aneinanderschlägt“, sagt von Nicolai. So wurden beispielsweise Schäfte gemacht. „Wir haben auch Birkenpech-Rückstände gefunden.“ Dieses diente als Klebemittel. „Vermutlich wurden Geräte wie Jagdwaffen dort hergestellt.“ Es ist denkbar, dass eine Gruppe Jäger diesen Ort als Rastplatz wählte. „Oft haben sie mehrtägige Ausflüge unternommen. In der Grube wurden vielleicht Abfälle gesammelt. Daneben haben sie eventuell ein Zelt aufgestellt.“

Warum hatten spätere Hirten ihren Unterstand genau auf der Steinzeit-Grube errichtet? „Das war offensichtlich ein guter Platz“, sagt von Nicolai. An der Stelle sei man vor Lawinen geschützt, habe lange Sonne und Wasser in der Nähe. Eventuell haben die Hirten der Neuzeit auch noch Umrisse des vorigen Bauwerks gesehen und daher ihre Hütte draufgesetzt.

Für die Archäologen geht die Arbeit weiter. „Wir müssen das Material, das wir gefunden haben, waschen und auswerten“, sagt von Nicolai. Unter dem Mikroskop wird es genau analysiert. Denn die Funde geben auch Rätsel auf. So wurden neben lokalen Materialien auch Dinge gefunden, die eben nicht im Gebiet der Eng typisch sind: ein Bergkristall, wie er in den Tuxer Alpen vorkommt oder auch Steine aus dem Donaugebiet. „Warum hatten die Jäger fremde Steine im Gepäck?“, fragt von Nicolai. Es sei durchaus vorgekommen, dass steinzeitliche Jäger große Gebiete durchstreiften. Hier werden weitere Analysen folgen.

„Ich bin sehr froh, dass wir so etwas gefunden haben“, sagt von Nicolai, die schon im kommenden Juni zurückkehren möchte. Zunächst wird aber im Herbst die zweite Auflage eines Buchs publiziert, in dem die Ergebnisse der Untersuchungen nachgelesen werden können. Der Titel: Der Große Ahornboden – eine Landschaft erzählt ihre Geschichte“. Neben von Nicolai haben daran auch Hermann Sonntag vom Naturpark Karwendel, Franz Straubinger und Christoph Spötl mitgearbeitet. Es erscheint im Berenkamp Verlag.

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