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Wenn Stephan Zinner (re.) loslegt, ist er nicht mehr zu bremsen. Auch sein Bühnen-Partner Striezel Wollinger (li.) musste einiges einstecken, ertrug es aber mit niederbayerischer Gelassenheit.

Stephan Zinner im „Kramerwirt“ in Arzbach

„Wuide Zeit“ mitten im Alltag

Für das Publikum des KKK ist Stephan Zinner kein Unbekannter: Vor gut einem Jahr war er schon einmal in Lenggries zu Gast, und KKK-Betreiberin Sabine Pfister war gleich klar: „Den wollen wir wieder hier haben.“

Arzbach– Einige Besucher werden ihn also schon zum wiederholten Mal erlebt haben, und vielen anderen wird er ohnehin aus dem Fernsehen ein Begriff sein, spielte er doch in den vergangenen Jahren in vielen TV-Produktionen mit und gibt seit mittlerweile zwölf Jahren „den Söder“ am Nockherberg.

Die Erwartungen waren am Sonntagabend also hoch. Die Stimmung im ausverkauften Saal im „Kramerwirt“ war gut. Doch kaum hatte Zinner die Bühne betreten, um von der „Wuiden Zeit“ zu berichten, da ging er auch schon wieder ab: Er gab zu spät kommenden Gästen Zeit, sich gemütlich zu setzen.

Ein gelungener Auftakt seines Spiels mit dem bestens aufgelegten Publikum, das er von Anfang an auf seiner Seite hatte und das ihm nicht zuletzt zu so manchem spontanen Gag verhalf.

Ja, was ist denn nun diese „wuide Zeit“, von der Zinners Programm handelt? Auch wenn Donald Trump und deutsche Rechtsparteien in diesem Zusammenhang nicht unerwähnt bleiben, erlebte Zinner die Wildnis im ganz normalen Chaos der Großstadt. Geschlagen mit einer berufstätigen Ehefrau und drei pubertierenden Kindern, meisterte er die Tücken des Alltags in München, lieferte sich Duelle mit Porsch-Fahrern und staudensellerieschwingenden Jugendlichen und erlebte „wuide“ Dinge in der U-Bahn.

Dabei blieb Zinner ganz nah am täglichen Erleben jedes Einzelnen im Saal und entlarvte geschickt die bisweilen absurde Komik des Alltags. Meist musste er dazu nicht einmal besonders übertreiben: Manch einer im Saal versank im Stuhl, wenn es um moosbewachsene Edelsteine im Wasserkrug, unleserliche Einkaufszettel, überdimensionale Kopfhörer in der U-Bahn oder erfolglose Hundehomöopathie ging.

Zwischen seinen Texten spielte Zinner richtig gute Musik und bewies ganz nebenbei seine Qualitäten als Sänger und Gitarrist. Dazu hatte er mit Striezel Wollinger einen befreundeten Jazz-Gitarristen als Überraschungsgast mitgebracht, der dem Abend musikalisch ein Sahnehäubchen verpasste und niederbayerisch-geduldig als Zielscheibe für viele Seitenhiebe Zinners herhielt.

Nun hat Zinner die „Wuide Zeit“ hinter sich gelassen, denn schon ab Februar steht er mit seinem neuen Programm „Relativ simpel“ auf der Bühne. Umso schöner, dass das Publikum die Gelegenheit bekommen hat, ihn mit dem alten Programm nochmal zu erleben. Außerdem gibt das dem KKK die Gelegenheit, ihn hoffentlich bald wieder einzuladen. (Eva Pehl)

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