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In diesen Container ist derzeit die Mittagsbetreuung untergebracht. Vorne im Bild (v. li.): Anja Künkele, Rita Weinhuber (beide Förderverein) und Heidi Kiefersauer (Gemeinde).

Streit zwischen Förderverein und Gemeinde eskaliert

„Wir stehen nicht mehr für weitere Gespräche zur Verfügung“

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Die Mittagsbetreuung in Lenggries soll auf jeden Fall weiter bestehen. Die Gemeinde muss aber wohl einen neuen Träger suchen: Der Förderverein hat hingeschmissen. 

Lenggries– Mit dieser Antwort hatte Bürgermeister Werner Weindl nicht gerechnet. Am Donnerstag hatte er dem Vorsitzenden des Fördervereins der Schulen im Isarwinkel eine Mail geschickt und ein gemeinsames Gespräch mit dem Gemeinderat über die finanziellen Probleme des Vereins (wir berichteten) und die Zukunft der Mittagsbetreuung an der Grundschule am 8. Januar vorgeschlagen. Außerdem betonte der Rathauschef noch einmal, dass der ganze Gemeinderat davon überzeugt sei, dass der Verein gute Arbeit leiste, die Kommune aber nun einmal rechtlich dazu verpflicht sei, jede Ausgabe kritisch zu beleuchten und zu hinterfragen. „Wenn Sie diese Nachfragen so interpretieren, dass die Gemeinde den Verein nicht unterstützen will, dann liegen Sie hier vollkommen falsch. Die Gemeinde hat in der Vergangenheit noch nie Zuschüsse verweigert und wird dies sicher auch in der Zukunft nicht tun.“ Erst im November gab es 10 000 Euro – die Hälfte davon aus Stiftungsgeldern.

Die Antwort auf das Gesprächsangebot erfolgte am Freitag in der Früh kurz und knapp: „Wir – oder das, was vom Verein übrig ist – stehen nicht mehr für weitere Gespräche zur Verfügung. Mögen die Eltern und die Gemeinde mit einem anderen Träger im neuen Jahr eine Lösung finden“, schreibt Vorsitzender Dieter Braun. In einem ebenfalls am Freitag verschickten Elternbrief ist von „vehement vorgetragenen Vorstellungen und Einflussnahmen der Gemeinde“ die Rede.

Weindl kann diese vehemente Reaktion nicht nachvollziehen. „Es ist ein ganz normales Vorgehen, dass wir weitere Informationen brauchen, bevor wir über Zuschüsse entscheiden können“, sagt er. Genau aus diesem Grund habe man den Verein um einen detaillierten Haushaltsplan gebeten, der vor wenigen Tagen eingereicht worden sei. Aus dem hätten sich aber weitere Fragen ergeben. Beispielsweise erwirtschaftet die Kleinkinderbetreuung Spatzennest, die der Verein in verschiedenen Orten anbietet, in Gaißach „ein Defizit von zirka 3000 Euro. Hier fragt sich der Gemeinderat zu recht, warum eigentlich die Gemeinde Lenggries dieses Defizit tragen soll und nicht die Gemeinde Gaißach?“ Dass Nachfragen wie diese als „vehemente Einflussnahme“ bezeichnet werden, „kann ich nicht nachvollziehen“, sagt Weindl.

Den Gesprächstermin am 8. Januar hält der Rathauschef aufrecht. Über eine Mutter hat Weindl auch den Eltern, deren Kinder die Mittags- und Hausaufgabenbetreuung besuchen, ein Gespräch angeboten. „Die kennen bislang ja nur eine Seite der Geschichte.“ Sollte die Vereinsführung nicht doch noch einlenken, „schauen wir uns nach einem neuen Träger um. Ich bin sicher, dass wir eine Lösung finden“. Auch der Geschäftsleitenden Beamtin im Rathaus, Heidi Kiefersauer, ist es im Moment vor allem wichtig, die Eltern zu beruhigen. „Wir werden uns sicher etwas einfallen lassen.“ Das Angebot soll auf jeden Fall weiter bestehen.



Kommentar:

Bei allem Verständnis für den Förderverein der Schulen im Isarwinkel und bei aller Anerkennung der großen Leistung, die er in den vergangenen Jahren erbracht hat: So richtig nachvollziehbar ist es nicht, was da gerade passiert. 

Nur noch einmal zur Erinnerung: Der Vorsitzende Dieter Braun hat im August seine Stellvertreterin Anja Künkele als Geschäftsführerin eingestellt. Ohne Mitgliederbeschluss und ohne die Gemeinde davon in Kenntnis zu setzen. Das erfolgte erst Wochen später, als man merkte, dass es ohne kommunalen Zuschuss nicht geht. 15 000 Euro pro Jahr stehen hier im Raum. Das ist sicher nicht die Welt, aber es sind eben auch keine Peanuts. 

Tatsächlich muss es da schon erlaubt sein, dass die Gemeinde bei einigen Punkten mal nachfragt – zumal sie schon im November mit einigen 1000 Euro in die Bresche gesprungen ist. Eigentlich muss es nicht nur erlaubt sein, es ist sogar die Pflicht der Gemeinde darauf zu schauen, wofür das Geld genau verwendet wird. Schließlich ist es nicht ihr Geld, sondern das der Bürger. 

Die Vehemenz, mit der die Vereinsführung hierauf reagiert, erstaunt. Da wird ein Schreiben der Gemeinde als „Drohbrief“ bezeichnet, der mit dazu geführt habe, dass Künkele Ende der vergangenen Woche gekündigt habe. Tatsächlich ist es aber wirklich ein ganz normaler Brief, in dem Bürgermeister Werner Weindl noch einmal seine Bedenken äußert, ob das vereinsrechtlich alles sauber gelaufen ist und daran erinnert, dass der Gemeinderat einen detaillierten Haushalt braucht, um über einen Zuschuss entscheiden zu können. 

Für mich als Außenstehende erschließt sich im Moment einfach nicht, warum sich die Parteien nicht am 8. Januar an einen Tisch setzen und über alle strittigen Punkte sprechen können – sachlich und konstruktiv. Wenn man sich hier auf nichts einigen kann, kann der Verein ja immer noch aufhören, aber bitte doch nicht schon vorher.





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