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Hochwasserentlastung: Vom Eisplatz an der Bergbahn-Talstation (li.) bis zur Isar verläuft die unterirdische Rohrleitung.

Lahnerbach

Stück für Stück zum Hochwasserschutz

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Lenggries – Von der 1,4 Kilometer langen Entlastungs-Rohrleitung für den Lahnerbach sind die ersten 110 Meter schon geschafft. So geht es weiter.

Stück um Stück arbeitet sich der Bautrupp der Firma Kilian Willibald vor: Drei große Maschinen sind gleichzeitig im Einsatz, um die Hochwasserentlastung für den Lahnerbach zwischen Bergbahn-Talstation und Isar zu bauen. Eine rund 1,4 Kilometer lange Rohrleitung muss dazu unterirdisch verlegt werden. Nach dem Baubeginn Anfang Mai sind 110 Meter bereits erledigt. „Pro Woche schaffen wir rund 30 bis 40 Meter“, sagt Bauleiter Georg Reiser.

Das Teilstück zwischen Isar und alter Talstation will die Firma Willibald heuer schaffen.

Jeden Dienstag treffen sich er, Vertreter des Wasserwirtschaftsamts und der Gemeinde zum „Jour-fix“ im Baubüro an der alten Talstation, um die weiteren Schritte zu besprechen. „Gott sei Dank läuft es bis jetzt sehr gut“, sagt Bürgermeister Werner Weindl. Die ersten Probleme gibt es just an jenem Dienstag: Vormittags schüttet es wie aus Kübeln. Reiser schickt seine Arbeiter nach Hause. „Das ist einfach zu gefährlich. Der heutige Tag ist bescheiden“, sagt er. Als der Regen am Nachmittag nachlässt, wird auf der Baustelle aber schon wieder gearbeitet.

Wer dort vorbeifährt, dem wird schnell klar, warum die Bergbahnstraße für die Bauarbeiten halbseitig gesperrt werden muss. Die 2,50 Meter langen Beton-Rohrstücke, die unter die Erde müssen, haben einen Innendurchmesser von zwei Metern. Bürgermeister Werner Weindl kann bequem darin stehen. Neun Tonnen wiegt ein Teil. Sobald es in die Grube gehoben wurde, ist Handarbeit gefragt. Die seitlichen Hohlräume unter dem Rohr müssen mit Sand und Kies aufgefüllt werden, damit es stabil liegt. „Das ist anstrengend“, sagt Reiser.

Gearbeitet wird im Moment auch schon am Auslaufbauwerk im Bereich des neu angelegten Isararms. Der Übergang wird im Juni gemacht. Das wird noch einmal interessant: Auf diesen letzten 270 Metern hat die Rohrleitung nämlich kein Kreisprofil mehr, sondern ist rechteckig. Beim Anschluss muss da alles passen. „Wir haben mit der runden Leitung angefangen, weil hier die Elemente schneller geliefert werden konnten“, sagt Weindl.

Zwei Meter Innendurchmesser hat die Rohrleitung. Bürgermeister Werner Weindl kann bequem darin stehen.

Damit sich die Behinderungen auf der Bergbahnstraße in Grenzen halten, wird direkt wieder verfüllt und provisorisch asphaltiert, sobald das Rohrstück unter der Erde ist. Mit der einspurigen Verkehrsführung laufe es gut, sagt Weindl. Selbst der Linienbus fahre weiterhin bis zur Bergbahn-Talstation. Hier hatte der RVO anfangs damit gerechnet, die Haltestelle an die Wegscheider Straße verlegen zu müssen. „Aber die Busfahrer haben das jetzt ausprobiert und kommen vorbei“, sagt Karl Ertl vom Technischen Bauamt.

Voraussichtlich Ende September wird die Bergbahnstraße allerdings für etwa drei Wochen komplett gesperrt werden müssen. Dann nämlich, wenn die Arbeiten im engen Kurvenbereich anstehen. Für diese Zeit werden Behelfsumfahrungen eingerichtet: Wer zum Brauneck will, fährt über den dann hergerichteten Feldweg nördlich der Gilgenhöfe, wer zurückkommt, weicht über die Straße Am Lahnerbach südlich der Gilgenhöfe Richtung Grasmühle aus.

Entspannter wird dann der Abschnitt im kommenden Jahr: Von der alten Talstation bis zum Eisplatz an der Bergbahn gibt es keine Bebauung mehr neben der Straße, in die das Rohr muss. Neben der Fahrbahn kann daher einfach eine Baustraße angelegt werden, damit die Freizeitarena am Brauneck weiterhin erreichbar ist. Bei den Verhandlungen mit dem Grundstückseigentümer werde man auch gleich noch über den seit langem gewünschten Gehweg bis zum Bergbahnparkplatz sprechen, sagt Weindl.

Endgültig fertig ist die Hochwasserentlastung im Mai 2018. Dann wird im Ernstfall nur noch so viel Wasser im Bach bleiben, wie dieser aufnehmen kann. Der Rest der Fluten rauscht durch die Rohrleitung in die Isar. Auch die Notentleerung des Speicherteichs am Fuß des Garlands könnte dann über die Rohrleitung erfolgen.

Wie nötig der Hochwasserschutz ist, zeigte sich zuletzt im Jahr 2013: Als es tagelang nicht aufhörte zu regnen, mussten entlang der Bebauung Sandsäcke aufgestapelt werden, um das Wasser, das großflächig über die Wiesen strömte, in Richtung Straße und Isar abzulenken. Bei den Hochwassern 1999 und 2005 wurden Häuser überschwemmt. „Die größten Schäden gab es aber beim Hochwasser 1990“, sagt Weindl. Die Reiter-Säge stand damals einen halben Meter unter Wasser.

Fünf Millionen Euro kostet die gesamte Maßnahme. Sie stellt den Hochwasserschutz für 56 Wohnhäuser und 14 Betriebe sicher. Die Kosten teilen sich Gemeinde und Freistaat.

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