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Die Handschellen, mit denen das Opfer gefesselt waren, sind ein Massenprodukt.

Kriminalfall Leitenberg - Folge 5: Klebeband und Handschellen

Suche nach Vergewaltiger: Ein Lotto-Sechser, der keiner war

Lenggries - Ein Verbrecher, der neben DNA-Spuren auch Tatwerkzeuge wie Handschellen und Klebeband zurücklässt, ist eigentlich der Traum jedes Polizisten. Der Brauneck-Täter hat Fehler gemacht, seine Schwächen aber mit schier unglaublichem Glück wettgemacht.

Was den beispiellosen Ermittlungsaufwand der zeitweise 20-köpfigen Soko Leitenberg betrifft, dafür hat der heutige Leiter der Kriminalpolizei Weilheim, Markus Deindl, ein schönes Beispiel parat: Das rote Klebeband nämlich, mit dem der Täter den Kopf seines 67-jährigen Opfers turbanartig einwickelte. Augen, Nase, Mund waren abgedeckt. Die herzkranke Frau bekam gerade noch Luft.

Typ und Hersteller zu ermitteln, war zunächst nicht ganz leicht, aber es gelang. Das rote Klebeband stammte von der Firma Sprügel aus Baden-Württemberg und ist speziell für den Heizungs- und Sanitärbereich entwickelt worden. Wichtig: Es war nur im Fachhandel erhältlich. Was die Polizei zunächst als Lotto-Sechser bewertete, war die Tatsache, dass das am Brauneck verwendete Band aus einer schadhaften Charge stammte. Der Kleber war nicht optimal.

Das rote Klebeband: Bis heute setzen die Ermittler Hoffnungen auf das rote Klebeband, das der Täter verwendete. Es war keine Massenware. 

Es existierten gerade einmal 10 000 Exemplare dieses Klebebands. „Das ist nicht viel“, sagt Deindl heute und bewertet das Klebeband mit klar lokalisierbarem Hersteller so wie die Kollegen damals als „unwahrscheinlich gute Spur. Wir waren leicht euphorisch.“ Die Ermittler arbeiteten mit der Firma zusammen und klapperten zunächst die Großabnehmer und dann die kleineren Sanitärfirmen in Bayern und Baden-Württemberg ab.

„Wir konnten am Schluss über 90 Prozent der Bänder nachvollziehen“, sagt der Kripo-Chef. „Es war ein immenser Ermittlungsaufwand.“ Und blieb letztlich doch vergebens. Er förderte nur Erkenntnisse zu Tage, die Mord-Ermittler gewöhnlich nicht sonderlich interessieren: Dass etwa kleinere Heizungsfirmen nicht so auf ihr Material aufpassen wie größere und deshalb viel öfter bestohlen werden, als sie wissen. Oder die Tatsache, dass „Schwarzarbeit“ durchaus eine berücksichtigenswerte Größe darstellt. Es erschwert die Ermittlungen natürlich bedeutend, wenn der Heizungsbauer, der zwei, drei Spezl nebenbei beschäftigt, aus Sorge vor einer Anzeige wegen Schwarzarbeit partout keine Auskunft über den Verbleib eines simplen Gegenstands wie ein Klebeband machen will.

Die zweite Spur waren die Handschellen. Auch wenn es sich um ein Massenprodukt handelte, das im einschlägigen Handel erhältlich war. Keine schlechte Ware übrigens, wie die Ermittler sagen. Ein ausgezeichneter Nachbau der Smith&Wesson-Handschellen, der „absolut funktionstüchtig“ war. Die Imitation ging soweit, dass die am Tatort verwendeten Handschellen mit original Smith & Wesson-Schlüsseln geöffnet werden konnten. Aber eben eine Massenware, die überall erhältlich ist. Keine Topspur.

Genauso wenig wie das verwendete Klappmesser, das das Opfer nur beschreiben konnte. Es blieb nicht am Tatort zurück. Christoph Schnitzer

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