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Blick von oben in den Grundauslass-Schacht: In den vergangenen Monaten wurden alle Stahlteile erneuert.

Sylvenstein: Neue Technik wird getestet

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Den ganze Winter über liefen Sanierungsarbeiten am Sylvensteinsee – weitgehend unbemerkt von der Öffentlichkeit. Gearbeitet wurde nämlich am Grundauslass und damit rund 40 Meter unter der Oberfläche. Dort musste altersbedingt der gesamte Stahl-Wasserbau ausgetauscht werden.

Lenggries – Durch den Grundauslass wird das Hochwasser aus dem Speichersee in die Isar abgegeben. Um die Menge zu regulieren, gibt es zwei hintereinanderliegende Schieber, die hoch- und runtergefahren werden können. Diese bestehen aus dickem Stahl – und mussten jetzt raus. „Alles ist sehr gut gelaufen. Und wir sind nahezu im Zeitplan“, sagt Tobias Lang, am Weilheimer Wasserwirtschaftsamt zuständig für den Stausee.

Momentan läuft mit den neuen Schiebern bereits der Probebetrieb. Wer auf der Seite des Hochwassernachrichtendiensts Bayern die Abgabemengen der vergangenen Tage anschaut, kann sehen, wann es eine der Testphasen gab: Für einen kurzen Moment ging am 2. Mai die Abgabemenge stark nach oben. Im Diagramm ist hier eine kleine Spitze zu sehen. „Aber das Meiste ist im allgemeinen Betrieb untergegangen. Wir bewegen uns natürlich immer in einem Bereich, der nicht gefährlich für die Unterlieger ist“, betont Lang. „Auch für die Bootsfahrer und Flößer stellt der Probebetrieb kein Problem dar.“ Das Ganze sei natürlich im Vorfeld mit der Abteilung Wasserrecht und dem Katastrophenschutz am Landratsamt abgestimmt gewesen, sagt Lang. Insgesamt habe der gesamte Versuch zirka fünf Stunde gedauert.

Noch etwa einen Monat wird die Testphase laufen. „Sie müssen sich das wie bei einem neuen Auto vorstellen, das muss man auch erst vorsichtig einfahren und kennen lernen.“

Dass der Hochwasserschutz auch während der monatelangen Bauarbeiten erhalten blieb, war oberstes Ziel. Beispielsweise wurde die Sommerstauhöhe im See beibehalten. Mit 750 Metern über Meereshöhe war der Wasserspiegel rund zwei Meter niedriger als sonst zu dieser Jahreszeit üblich. „Dadurch haben wir 7,5 Millionen Kubikmeter Rückhaltevolumen gewonnen“, sagt Lang. Falls es tatsächlich ein Winterhochwasser gegeben hätte, „hätten wir das so bewirtschaften können“.

Als weitere Vorsichtsmaßnahme blieb auch der Reserveschieber vor Ort. „Er wäre innerhalb von 48 Stunden einsatzbereit gewesen“, sagt Lang. Erst als der erste neue Schieber einsetzbar war, durfte der zweite alte ausgebaut werden.

Das Hochwasser blieb glücklicherweise aus. Auch die starken Regenfälle in der vergangenen Woche bereiteten Lang keine schlaflosen Nächte. Die Prognose der Wetterdienste habe deutlich dramatischer ausgesehen. „Aber an denen hatten wir ohnehin Zweifel.“ Tatsächlich habe der Regen am Sylvenstein kaum eine Veränderung ausgelöst – auch weil die Zuflüsse vergleichsweise wenig Wasser brachten. „In den Bergen ist vieles noch als Schnee runtergekommen.“ Dass die Isar in Bad Tölz trotzdem leicht angestiegen sei, habe vor allem an den Zuflüssen zwischen Speichersee und Kurstadt gelegen. So brachten Hirschbach, Arzbach und Große Gaißach einiges an Wasser mit.

Auch von dem Schnee, der jetzt noch in den Bergen liegt, erwartet Lang „keinen großen Abfluss“. Vieles werde in der warmen Frühlingssonne vermutlich „einfach verdampfen“.

Die Erneuerung des Stahlwasserbaus am Sylvenstein kostet rund zehn Millionen Euro. Er wird gefördert vom Bund aus Mitteln des Aufbauhilfefonds zum Hochwasser 2013. Fertig ist die Modernisierung am Sylvenstein übrigens mit dieser Maßnahme immer noch nicht. Ab Herbst steht die Erneuerung des Stahl-Wasserbaus auf der anderen Seite, am sogenannten Triebwasser-Stollen auf dem Programm.

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