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Seit November ist der Pegel des Sylvensteinsees um etwa 14 Meter abgesenkt. Der Wiederaufstau verzögert sich noch. Die Fischer warnen, dass mehrere Fischarten deshalb keine Laichgründe mehr finden.

Wiederaufstau verzögert sich

Sylvenstein: Absenkung des Wassers eine "Katastrophe"

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Lenggries - Für viele Ausflügler ist die Absenkung des Sylvensteinsees ein Spektakel. Die Fischer dagegen empfinden sie als „Katastrophe“ – zumal sich der Aufstau nun verzögert. Das, so die Kritik, gefährde die nächste Fischgeneration.

Der Pegel des Sylvensteinsees bleibt länger unten als ursprünglich geplant. Ein großes Problem sehen darin vor allem die Fischer. Sie befürchten, dass noch mehr Fische sterben als ohnehin schon – und vor allem, dass die Baustelle nun auch in die Laichzeit mehrerer Fischarten reicht und somit die nächste Generation dezimiert.

Als „Katastrophe“ bezeichnet Stefan Greif, Vorsitzender des Fischereivereins Lenggries, die Verzögerung. „Wir haben ja gewusst, dass ein Schaden entsteht. Schlimm ist aber, dass es jetzt in die Laichzeit von Hecht, Zander und Karpfen geht.“ Wie berichtet ist der Stausee am Sylvenstein seit November extrem abgesenkt. Bei etwa 739 Metern über Normalnull lag der Pegel gestern – wie fast immer in den vergangenen Monaten. Normal wären 14 Meter mehr. Sinn und Zweck der Absenkung war der Einbau eines sogenannten Revisionsschützes. Das ist grob gesagt eine Art Badewannenstöpsel am Ablass des Sees – nur dass dieser Stöpsel etwa vier auf fünf Meter groß ist und mehrere Tonnen wiegt. Der Ablasstollen muss mit dieser Tafel immer dann geschlossen werden, wenn darin Reparaturen oder eine Revision anstehen. Was jetzt noch fehlt, ist der Einbau von Rollen mit einem Seil, über das sich das Revisionsschütz bewegen lässt. Dafür aber lässt das letzte Bauteil auf sich warten. Die Arbeiten können daher nicht pünktlich abgeschlossen werden.

Faszinierende Bilder vom Sylvensteinsee: "Riesen-Stöpsel" wird eingebaut

Jeder Tag mehr aber schmerzt die Fischer. Sie kämpfen ohnehin schon den ganzen Winter über, um den Verlust an Fischen so gering wie möglich zu halten. Durch die Pegelabsenkung entstanden laut Greif sogenannte Fischfallen – also Pfützen, in denen sich Fische sammelten und nicht mehr entkommen konnten. „Wir sind mit flachen Booten, mit denen man nicht so leicht stecken bleibt, hingefahren und haben eine Notbefischung gemacht“, erklärt der Lenggrieser. Die geretteten Fische wurden an Stellen gebracht, wo das Wasser tiefer war. Unzählige andere Fische haben die Pegelabsenkung dagegen nicht überlebt. Die herumliegenden Kadaver und Gerippe sind mittlerweile auch für die Spaziergänger nicht mehr zu übersehen. Mittlerweile aber ist der Boden des Sees so morastig, dass für die Fischer gar kein Durchkommen mehr ist.

Greif befürchtet nun, dass auch die nächste Fischgeneration in starke Mitleidenschaft gezogen wird. Im abgesenkten See fänden verschiedene Arten keine Laichgründe mehr. „Die Eier der Salmoniden sollten mit frischem, sauerstoffreichem Wasser umspült werden“, erklärt er. „Nur so besteht die Chance, dass aus den Eiern Jungfische schlüpfen.“ Tatsächlich aber hätten die Ablagerungen vom Seegrund das verbliebene Wasser stark verschmutzt und in eine „lehmige, braune Brühe“ verwandelt. Diese Sedimente würden auch in die Isar gespült.

Auch Tobias Lang, im Wasserwirtschftsamt (WWA) zuständig für den Stausee, ärgert sich über die Verzögerung. Mit „hunderten E-Mails und Telefonaten“ habe seine Behörde zuletzt versucht, die betreffende Firma anzutreiben, das fehlende Teil beizubringen. Nun sei er „recht zuversichtlich“, dass der Einbau Ende dieser Woche erfolgen könne. Kommende Woche stehe dann noch ein Probebetrieb an. Anschließend könne der Aufstau beginnen.

So misslich die Verspätung aus Langs Sicht ist – der Ingenieur vom WWA relativiert doch: „Im Vorfeld haben wir den 11. März als Aufstautermin genannt“, sagt er. Unterm Strich handle es sich nun also um eine Verschiebung um zwei Wochen. So oder so liege es dann an der Natur, wann sich der See wieder fülle. Das passiere mit der intensiven Schneeschmelze, die erfahrungsgemäß Mitte bis Ende April einsetze. Ihm sei völlig klar, dass die gesamten Sanierungsarbeiten „ökologisch ein Problem für den Speicher darstellen“, sagt Lang. Trotzdem seien sie unumgänglich gewesen. Und um die Folgen abzufedern, sei schon im Vorfeld in Absprache mit dem Fischereifachberater des Bezirks Oberayern vereinbart worden, dass der Freistaat die Kosten für einen Neubesatz mit Fischen übernehme.

Greif übt dennoch Kritik. Das WWA hätte aus seiner Sicht den zeitlichen Ablauf der Bauarbeiten stärker „hieb- und stichfest machen müssen“ beziehungsweise solle sich nun Regressansprüche gegen die verspätete Baufirma sichern. Dafür sieht Lang jedoch rechtlich keine Aussichten.

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