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Familie Kostenzer freut sich über das historische Bild der Falkenhütte (v. li.): Ursula, Peter, Fritz und Alexander mit dem Gemälde aus den Anfangsjahren des Berggasthauses, das seit 1923 bewirtschaftet wird.

Vor der Schließung der Falkenhütte

Die Tage im Karwendel sind gezählt

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Isarwinkler Bergsteiger und Mountainbiker haben in diesen Tagen ein vorrangiges Ziel: Die Falkenhütte im Karwendel. Sie alle wollen noch einmal einkehren in dem gemütlichen Berggasthaus, das ab 11. September wegen der Generalsanierung für über zwei Jahre geschlossen wird.

Hinterriß/Eng – Ein paar Frühaufsteher vertreten sich am Dienstagmorgen die Füße auf der Kiesterrasse vor der Falkenhütte und lassen den Blick schweifen. Neben dem Steig zum Mahnkopf grast eine Schar Gämsen, während ein Stück unterhalb ein Bagger eine Schneise in den Hang gräbt. „Hier wird das neue Stromkabel vom Laliderertal zu unserer Hütte verlegt“, sagt Fritz Kostenzer. Zusammen mit seiner Frau Ursula bewirtschaftet der 63-Jährige seit 40 Jahren die Falkenhütte. In gut zwei Wochen ist Schluss. Die Alpenvereinssektion Oberland lässt die Herberge unterhalb der Lalidererwände für 6,3 Millionen Euro generalsanieren (wir haben mehrfach berichtet).

Das neue Erdkabel für die Stromversorgung ist erst der Anfang. Die alten Dieselgeneratoren hat Kostenzer bereits verkauft. Auch für Teile der Kücheneinrichtung gibt es Interessenten. Aber ausgeräumt wird erst ab dem 11. September. Noch haben Fritz und Ursula Kostenzer sowie die Söhne Peter und Alexander alle Hände voll zu tun.

Das Frühstücksgeschirr der Übernachtungsgäste ist an diesem sonnigen Augustmorgen bereits abgeräumt. In der Küche wird schon der Salat fürs Mittagessen gewaschen. Ursula Kostenzer sagt alle paar Minuten ihren Standardspruch ins pausenlos klingelnde Telefon: „Morgen und übermorgen sind wir leider schon ausgebucht.“ Auch wenn in diesen Tagen Hochbetrieb angesagt – die Wirtsfamilie freut sich über den großen Zuspruch. Ob Stammgast oder Neuling, jeder ist willkommen. Über einen Besucher aus Bernau am Chiemsee aber hat sich Fritz Kostenzer ganz besonders gefreut. Am Montag klopfte Jörg Schreckenbach an der Falkenhütte an. Der 75-Jährige hatte ein gerahmtes Bild im Rucksack, das er von seinem Onkel Adolf Sotier geerbt hatte. Der damalige Generalstaatsanwalt in München war auch Vorsitzender der Sektion Oberland im Deutschen Alpenverein (DAV). Auf Initiative von Sotier wurde in den Jahren 1921 bis 1923 die Falkenhütte gebaut. Und als Dank für seinen Einsatz bekam er damals das Bild geschenkt. Vor wenigen Tagen hing es es noch am Chiemsee. Jörg Schreckenbach hat im Münchner Merkur von den Umbauplänen für die Falkenhütte gelesen und sich entschlossen, das Erbstück den Kostenzers zu schenken.

„Das war für uns alle eine sensationelle Überraschung.“ Das Bild bekommt einen Ehrenplatz im Haus der Wirtefamilie in Maurach. Dort wollen Fritz und Ursula nun erstmals seit 40 Jahren den kommenden Sommer im Tal verbringen. Die Söhne Peter und Alexander überbrücken die Zeit in Tiroler Gastronomiebetrieben. Sie haben sich als künftige Wirte in der neuen Falkenhütte beworben und hoffen auf den Zuschlag durch den Alpenverein.

Die Sektion weiß ihre Pächter zu schätzen. Diesen Eindruck hatte Fritz Kostenzer bei einer internen Feier, als ihm die DAV-Spitze für die jahrzehntelange gute Zusammenarbeit mit herzlichen Worten und einem Urlaubsgutschein dankte. Der Wirt gibt den Dank weiter: „Den Erfolg haben wir vor allem unserer stets guten Küchenmannschaft und den vielen treuen Gästen zu verdanken.“

Informationen

über die Generalsanierung der Falkenhütte im Internet: www.davplus.de/falkenhütte

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